die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Die Staare sind zurückgekehrt. Mehrfach sind diese ersten Frühlingsboten gesehen worden.
Petition um Beseitigung des Schornsteinfegermonopols: Der preußische Landesverband der städtischen Haus- und Grundbesitzervereine hat an das Abgeordnetenhaus eine Petition gerichtet, ein Gesetz herbeizuführen, durch welches das bisher in Preußen bestehende Schornsteinfegerprivileg aufgehoben und die Ausübung des Schornsteinfegerhandwerks in den einzelnen Kehrbezirken jedem, der die Schornsteinfegermeisterprüfung abgelegt hat, freigegeben wird.
Etikettenwidrig: In den Braunschweiger "Neuest. Nachr." erklärt eine Dame der Hofgesellschaft das Reform- oder Empirekostüm, in dem unlängst zwei Damen auf dem Hofball erschienen sein sollen, für etikettenwidrig. Sie bestreitet, daß diese Mode auf dem letzten Hofball in Berlin und Braunschweig Einzug gefunden und betont, daß von der maßgebenden Stelle nach wie vor für Hofbälle Toilette mit geradem Ausschnitt, kurzen Ärmeln, die nicht durch Bänder über die Schultern ersetzt oder ergänzt werden dürfen, vorgeschrieben sei.
Ihr 350jähriges Jubiläum feiert im Jahre 1906 die hiesige Schützengilde. Die älteste der noch vorhandenen Urkunden ist von dem Bürgermeister und Ratmann der Stadt Guben am Sonntag Exaudi des Jahres 1556 ausgestellt. Das eigentliche Gründungsjahr ist allerdings in eine viel frühere Zeit zurückzuverlegen, genau ist es nicht bekannt, es läßt sich auch nicht einmal mit Bestimmtheit nachweisen, in welchem Jahre diese Bürgerwehr als eine vom Gesetz anerkann-te Innung oder Körperschaft aufgetreten ist oder wann zuerst die Bezeichnung Gilde für sie gebraucht worden ist. Das älteste Schriftstück, das noch im Besitz der Gilde ist, stammt, wie gesagt, aus dem Jahre 1556. Die Gilde beabsichtigt nun, im nächsten Jahre eine Jubiläumsfei-er zu veranstalten, die sich jedoch auf den Kreis der hiesigen Gilde und geladener Ehrengäste beschränken soll. Auswärtige Gilden sollen, so wurde in einer gestern abgehaltenen Ver-sammlung beschossen, nicht eingeladen werden, und zwar aus dem Grunde, weil die beiden vorhandenen Schießstände nur noch gerade für die hiesigen Schützen ausreichen. Bei starkem Besuch auswärtiger Schützen müßte eine Anzahl weiterer Schießstände errichtet werden, für die im Schützenparke nicht Raum ist, sodaß das Fest anderwärts gefeiert werden müßte, und das will man nicht. Als Hauptfesttag ist der 6. Juni 1906 (Mittwoch nach Pfingsten) festge-setzt worden. Die Gilde ist gegenwärtig sehr stark, sie zählt rund 180 Mitglieder.
Der „Schalttag“, den wir heute zu verzeichnen haben, zeigt sich von seiner „freundlichsten“ Seite. Nach den trüben Regentagen der letzten Zeit zeigte sich heute wieder einmal die Sonne am Firmament und verlieh dem Tage einen frühlingsmäßigen Charakter. Der heutige Schalttag, den alle diejenigen, die am 29. Febr. das „Licht der Welt“ erblickten, besonders festlich begehen, sieht verschiedentlich schon die ersten Frühlingsboten, Schneeglöckchen usw., in den Gärten, er hört in den Lüften das Gezwitscher der Stare und Lerchen. Und drei Wochen später ist der offizielle Lenzanfang. Der Schalttag bringt uns einen weiteren Tag frohen Lebens im Jahre, ohne denen, die stets mit dem kurzen Monat Februar rechneten, große Beschwerden zu bereiten. Daß der Schalttag in den Februar fällt, hat bekanntlich seinen Grund darin, daß der Februar in alter Zeit des Jahres letzter Monat war. Das neue Jahr begann im Römerreiche mit dem ersten März, dem Amtsantritt der beiden höchsten Staatsbeamten, der Konsuln. Der März ist auch bei uns ein lebhafter Monat; im Geschäftsleben beginnt es sich zu rühren, für die jungen Leute, die die Schulen verlassen, sind in den Familien viele Vorbereitungen zu treffen. Und wir wollen uns freuen, daß wir so- weit sind, hat doch so manche Hausfrau den Winter hindurch hart zu kämpfen gehabt.

Bienenzuckerausgabe. Um die nötige Menge an Bienenhonig für den Bedarf der Lazarette, Krankenhäuser und Hauskranken besser als bisher zu sichern, soll im Jahre 1918 die Verteilung des gesamten Bienenzuckers von vornherein an die bindende Verpflichtung geknüpft werden, daß der Imker diejenige Menge Honig zum Höchstpreise an die Staatliche Honigvermittlungsstelle zu liefern hat, welche einem Drittel der erhaltenen Zuckergewichtsmenge entspricht. Für die Oberverteilung wird vom Reich eine Zuckermenge von 15 Pfund für jedes Bienenvolk zur Verfügung gestellt. Zur Durchführung dieser Verteilung hat der Magistrat eine an die Imker gerichtete Bekanntmachung erlassen, die dem Interesse der beteiligten Kreise angelegentlich empfohlen wird. Gemäß dieser Bekanntmachung liegt bis zum 10. März d.J. im Lebensmittelbüro in der Salzmarktstraße eine Liste auf, in die sich alle diejenigen Imker einzutragen haben, welche Bienenzucker unter der genannten Auflage zu erhalten wünschen. Die Verteilung des Zuckers erfolgt späterhin durch den Bienenwirtschaftlichen Provinzialverband Brandenburg (Vorsitzender Herr Kranepuhl, Friedrichshagen, Friedrichstraße 99) und durch die Imkervereine, welche für ihre Unkosten und Mühewaltung 10Pf Gebühr auf jeden verteilten Doppelzentner erheben dürfen.

Diebstahl. In einer der letzten Nächte ist aus dem Eiskeller von Hafelbach, Schögelnerstr. ein Elektrogleichstrommotor aus einem Schuppen im Hofe vom Fundament abgeschraubt und gestohlen worden. Die Trommel des Motors hat einen Durchmesser von etwa 40 cm. Auf einem Schild, welches an dem Motor angebracht ist, stehen folgende Zeichen: 4,5 Amp. 220 Volt, 1450 Umdrehungen, Lameyer-Frankfurt, Nr. 23885. Sachdienliche Angaben nimmt die Kriminalpolizei hier entgegen.
Axel Hellström gibt am 3. und 4. März im Kaisergarten ein Gastspiel. Man sagt ihm besonders hervorragende Leistungen nach. Hellström führte z.B. vor der Lübecker und Bremer Kriminalpolizei staunende Experimente der Gedankenübertragung vor. Am 9. Mai 1919 gewann er in Hamburg eine Aufsehen erregende Wette um 5000 Mark in 9 Minuten und trat im Anschluß an diese dort ununterbrochen 6 Monate vor ausverkauften Häusern auf. Nach einer Tournee in Amerika von 6 Monaten Dauer trat er in letzter Zeit in Berlin, Darmstadt, Düsseldorf, Frankfurt a. O. und Lübeck mit wiederholten Aufführungen vor ausverkauften Häusern auf.

Neuzelle 28.Febr.(Nachfeier.)
Am Sonntag fand auf vielseitigen Wunsch eine Wiederholung des Vergnügens am 12.Febr. statt. An beiden Sonntagen gelangte vor einem vollen Saale Operette „Winterstiefel“ zur Aufführung ‚ die überall reichen Beifall erntete. Auch durch zahlreiche andere Darbietungen wurden die Anwesenden voll auf befriedigt. An die Vorführungen schloss sich ein gemütliches Kränzchen. Auch diese Feier kann als sehr gelungen bezeichnet werden.