die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.

Als Zeichen der ehemaligen Wehrhaftigkeit und Befestigung Gubens sind an der nach außen gerichteten Südseite des Werderturmes zunächst drei Steinkugeln eingemauert worden, die im Boden neben demselben bei Tieferlegung der Straße ausgegraben worden sind. Zu diesen kommt eine vierte, von 19 cm Durchmesser und 10,5 Kilogramm Gewicht, die sich bisher in Privatbesitz befunden und jetzt im geschichtlichen Interesse der Stadt geschenkt worden ist. Diese Geschosse entstammen wahrscheinlich dem 15. Jahrhundert, während die eisernen Kanonenkugeln am Eckhause des Lindengrabens und der Königstraße bei der Beschießung der Crossener Tor-Bastei vom 26. April 1642 in den dortigen, damals morastigen Baugrund gekommen sind. – Im Werdertorturm ist der Innenraum von der bisherigen Sohle in Höhe der angrenzenden Straße um die Stärke von 16 der alten Mauersteine tiefer gelegt worden bis zu dem Steinpflaster im Verließ; in Höhe von sechs der alten Steine sind einander je paarweise gegenüberliegend vier kleine Nischen mit eingelassenen eisernen Klammern freigelegt, an einer der letzteren befand sich noch das alte Halseisen. Selbstverständlich wurden in diesen völlig dunklen Gewahrsam, zu dem der Eingang in einer Öffnung in dem hoch darüber gelegenen Gewölbe bestand, nur die schwersten Verbrecher oder schlimmsten Feinde der Stadt gesetzt, während andere Gefangene in den verschiedenen Stockwerken des Turmes in tiefen Mauernischen untergebracht wurden. Aus diesem Grunde waren in Höhe der Mauer zwei Eingänge vorhanden - die einzigen von außen. Von dem tiefer gelegenen im Südosten führte innerhalb der Mauer (wie auch im sogenannten Jungfernturm) eine Treppe hinauf, unter welcher der zweite Eingang (näher zur Königstraße) hineinging in das erste Stockwerk über dem Verließ. In diesem letzteren ist in einem Mauerstein tief die Jahreszahl 1417 eingegraben, wohl das Jahr, in dem der untere Teil des Turmes, kenntlich durch die Umrisse von Zinnen im Mauerwerk der Südseite, erbaut worden ist. Mit einer Uhr wurde dieser Turm 1659 versehen. Seine Wetterfahne hat er vor etwa 20 Jahren eingebüßt. Ein niedriger Hohlraum unterhalb des aus großen Feldsteinen hergestellten Bodens des Verließes hat wohl keinem bestimmten Zweck gedient; er erstreckte sich bis unter das gegen 2 Meter dicke Mauerwerk und ist mit Sand ausgefüllt worden; wahrscheinlich hatte sich nur der sandige Boden unter dem Feldsteinboden gesetzt oder gesackt. Einzelne Scherben lagen darin.
Vom Wetter. Die abgelaufene Woche hat uns mit dem Novemberbeginn einen völligen Umschwung der Wetterlage gebracht, durch den nunmehr der Witterungscharakter in ganz Mitteleuropa winterlich geworden ist, wenngleich Fröste stärkerer Art bisher in Begleitung von Schneefällen nur in den höheren Gebirgslagen eingetreten sind. Übrigens ist es bei der derzeitigen Gestaltung der Luftdruckverhältnisse keineswegs ausgeschlossen, daß sich schon in Kürze auch in der Ebene Winterkälte einstellt. Hat doch auch in den beiden letzten Jahren der November schon frühzeitig winterliche Physiognomie gezeigt. Indessen läßt sich im gegenwärtigen Moment noch nicht übersehen, ob etwa weitere tiefe ozeanische Wirbel in der Annäherung begriffen sind. Es hat das aber ziemlich viel Wahrscheinlichkeit für sich, und die Witterung dürfte infolgedessen wahrscheinlich weiterhin sehr veränderlich, trübe und niederschlagsreich bleiben.

Selbstanfertigung von Schuhwerk. Auf die vom Vaterl. Frauen-Verein im heutigen Anzeigenteil angekündigten Kurse zur Erlernung der Selbstanfertigung von Schuhwerk machen wir besonders aufmerksam. Um den aus den Kreisen der arbeitenden Frauen und Mädchen hinsichtlich der Zeit des Unterrichts geäußerten Wünschen zu entsprechen, soll außer dem schon früher angekündigten Nachmittagskursus von 3-6 Uhr noch ein Abendkursus von 7 1/2 -10 Uhr stattfinden. Der Betrag für den Abendkursus beträgt nur 1 M. Nach Maßgabe des Unterrichts angefertigte Schuhe, zu denen nur altes Material verwendet wurde, sind im Schaufenster des Herrn W. A. Schmerwitz hier ausgestellt.
Noch glücklich abgelaufen ist ein Unfall, der sich gestern abend im Schützenhause ereignete. In dem dicht besetzten großen Saale, in dem eine Volksversammlung einen Vortrag über „Deutschlands Schicksalsstunde“ entgegennahm, worüber wir an anderer Stelle berichten, fiel plötzlich unter starkem Knall eine elektrische Lampe von der Decke nieder, glücklicherweise ohne jemand zu beschädigen, wenn auch die der „Einschlagstelle“ zunächst Sitzenden keinen kleinen Schrecken bekommen haben mögen. Dem Vorsitzenden gelang es, der Versammlung mit einigen beruhigenden Worten über den Zwischenfall hinwegzuhelfen, so daß der Redner seinen Vortrag fortsetzen konnte. Immerhin darf man sich aber der Tatsache nicht verschließen, daß durch den Absturz der elektrischen Deckenlampe schweres Unheil hätte entstehen können, weshalb an das Stadtbauamt das dringende Ersuchen gerichtet werden muß, die Deckenbeleuchtung im Schützenhaussaal, einschließlich des Kronleuchters, auf ihre Haltbarkeit sofort nachzuprüfen und diese Prüfung, die sich auf alle öffentlichen Lokale mit hängender Deckenbeleuchtung, auch des Theaters, erstrecken sollte, alljährlich zu wiederholen.
(Festnahme eines Hochstabler-Ehepaares.) Der hiesigen Polizei ist es gelungen, durch Festnahme eines Ehepaares die Stadt von zwei Hochstablern zu befreien. Der Schuhmacher Heinrich Hammer betrieb mit seiner Ehefrau bis Juni d. Jr. In Settin ein selbstständiges Geschäft. Durch schlechten Geschäftsgang kamen beide an den Wanderstab. Sie zogen von Stadt zu Stadt und kamen auch nach Sommerfeld: hier hielten sie sich seit dem 29. Oktober in einem Gasthofe auf. Die ersten Tage bezahlten sie pünktlich, während sie die letzten Tage die Rechnung zu begleichen schuldig blieben.
Unter Vorlegung gefälschter Papiere kauften sie dann hier eine Gastwirtschaft, trotzdem sie beide mittellos waren. Nachdem der Kaufvertrag ordnungsgemäß abgeschlossen war, versuchte das Ehepaar, das sich Kossak nannte, auf Grund des Kaufes hier 4000 Mark Vorschuß zu erschwindeln. Wenn es nicht soviel Zinsen - 500 Mark - zu zahlen versprochen hätte, wäre es schließlich in den Besitz des Geldes gekommen; so aber schöpfte man Verdacht. Die benachrichtigte Polizei prüfte die Papiere und inhaftierte das Ehepaar, welches sehr entrüstet war über das Vorgehen der Beamten. Nach längeren leugnen bequemten sich beide, den beigelegten Namen Kossak in Hammer umzuwandeln.
Keine Kataloge und Reklameschriften nach Amerika senden! Der Generalpostmeister des Australischen Bundes ( Common-Wealth of Australia) hat bekannt gemacht, daß er von Deutschland ankommende Kataloge und Reklameschriften nicht mehr abliefern wird. Deutsche Fabrikanten werden daher gut tun, wenn sie sich nicht unnütze Kosten machen wollen, in Zukunft von jeder geschäftlichen Propaganda abzusehen. Die Einfuhr von deutscher Literatur ist übrigens im allgemeinen verboten; eine Ausnahme ist lediglich zugunsten einiger wissenschaftlicher Zeitschriften und Bücher gemacht worden.
Organisation der Landfrauen.
Am Sonntag nachm.3 Uhr sind in den „Schwarzen Bär“ die Gubener Landfrauen eingeladen zur Gründung einer Ortsgruppe.