die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Wie man faule Schuldner zum Zahlen bringt. Wie aus New York gemeldet wird, hat eine neue Agentur, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Geld von faulen Schuldnern einzutreiben, ihre Tätigkeit begonnen; sie hat ein etwas sensationelles Mittel gewählt, um auf die säumigen Leute einzuwirken. Die Gesellschaft verwendet große rothe Wagen mit der Aufschrift "Sammler schlechter Schulden", die auf jeder Seite weithin sichtbar aufgemalt ist. Diese Wagen fahren vor das Haus des Schuldners und stehen dort vor der Thür, während ein Agent bei dem Schuldner vorspricht. Bei jedem folgenden Besuch bleibt der Wagen solange stehen, bis die Schuld eingetrieben ist. Das Erscheinen der Wagen erregt allenthalben große Heiterkeit.
Die Menagerie auf dem Lubstplatz bietet ein immerhin bedeutendes Sortiment wilder Tiere wie Löwen, Bären, Tiger, Hyänen, Wölfe usw. auch eine Anzahl Tiere, die man hier seltener zu Gesicht bekommt, z. B. ein ziemlich großes Stachelschwein, ein Wasserschwein, fliegende Hunde, ein junges Krokodil und viele andere Tiere. Alle Stunden erfolgen eine ausführliche Erklärung aller Tiere und einige Dressurakte, so daß ein Aufenthalt in der Menagerie Abwechslung bringt.
Zum heutigen Viehmarkt waren 1058 Pferde und 4130 Stück Rindvieh aufgetrieben. Für Markt- und Budenstandgeld wurden 499,20 M eingenommen.
Eine furchtbare Tragödie wird uns aus Gr. Gastrose gemeldet. Heute Vormittag wurden der Lehrer Ernst Dommascht und seine Schwester, die ihm die Wirtschaft führte, in der Küche tot aufgefunden. D. hatte seiner Schwester tödliche Messerstiche am Halse und an der Brust versetzt und dann sich selbst den Hals mit einem furchtbaren Schnitt nahezu total durchgeschnitten. D. trug sich schon seit längerer Zeit mit Selbstmordgedanken und sprach oft vom Tode, sodaß die Schwester wiederholt ihrer Furcht vor ihrem Bruder Ausdruck gab. Sein Nervensystem war total zerrüttet. Die Kinder hatte er heute früh nach Hause geschickt, wobei er sagte, er hätte sie gerne noch sehen wollen, jetzt könnten sie gehen. D. stand in der Mitte der dreißiger Jahre und stammte aus der Umgebung von Calau. Seine Eltern wurden von dem unheilvollen Ende ihrer beiden Kinder sofort benachrichtigt. Heute nachmittag 2 Uhr sollte von hier eine gerichtliche Kommission in Gr. Gastrose eintreffen.
Eine europäische Teich- und Sumpfschildkröte (Emys europaea), ein Reptil, das bei uns seltener vorkommt, ist im Jagen 42 der Gubener Stadtforst von Waldarbeitern gefunden worden. Die warmen Sonnenstrahlen scheint sie frühzeitig aus ihrem Winteraufenthaltsorte gelockt zu haben. Sie hält sich in stehenden und fließenden Gewässern auf. Ihre Heimat sind Süd- und Osteuropa. In Deutschland kommt sie, früher mehr als jetzt, in den Stromgebieten der Oder und Weichsel, seltener in der Havel und Spree, vor. Sie nährt sich von Würmern, Insekten, Fröschen, Molchen und deren Larven und besonders von Fischen. Durch den letzten Umstand schadet sie mehr als sie nützt. Sie hat ein zähes Leben und kann lange ohne Nahrung aushalten.

Kommt der Winter wieder? Nachdem seit Ende Januar in fast ganz Mitteleuropa, besonders aber in Norddeutschland, ganz außerordentlich mildes und vorfrühlingshaft schönes Wetter geherrscht hat, sieht es augenblicklich so aus, als ob der Winter zum Schlusse noch einmal wiederkehren wollte. Während noch am letzten Sonntag in weiten Teilen des Landes vollkommenes Frühlingswetter geherrscht hat, macht sich jetzt, vom Nordosten ausgehend, ein Temperaturrückgang bemerkbar, der angesichts der Luftdruckverteilung zu einem vollkommenen Witterungsumschlag führen kann. Diese Abkühlung ist die Folge einer starken Druckzunahme über Nordrußland, wo sich seit einigen Tagen ein kräftiges Hochdruckgebiet ausgebildet hat, das zunächst nur unscheinbar war, inzwischen aber an Höhe und Ausbreitung erheblich zugenommen hat und sich bis nach Ostdeutschland erstreckt. Es muß mit weiterer Abnahme der Temperaturen und dem Wiedereintritt von Frostwetter gerechnet werden, und wenn abgesehen vom äußersten Nordosten, augenblicklich die Temperaturen auch noch überall oberhalb der normalen Werte liegen, so kann für den Fall der Aufheiterung bei dem jetzt herrschenden Ostwind doch sehr rasch wieder völlig winterliche Kälte Platz greifen. Es wird sich in den nächsten Tagen entscheiden, ob der Winter noch einmal wiederkehrt, oder ob - infolge Erscheinens neuer atlantischer Wirbel - doch die milde Witterung fortdauert.

Der Verein Kinderfürsorge veranstaltet morgen, den 26.Februar, einen Lichterbildervortrag, um für Kinderhorte das allgemeine Interesse zu erwecken. Fräulein Barth, Berlin, wird über das Thema „Kind im Kinderhort“ sprechen. Um 7 Uhr ist im gleichen Saale die Ausstellung von Kinderarbeiten aus den Horten zu besichtigen. Um regen Besuch wird gebeten. Der Eintritt ist frei.
Der nächste Rindvieh- und Pferdemarkt findet in Guben am Dienstag, dem 1.März d. J., statt. Der Magistrat weist auf die Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil mit dem Bemerken hin, daß eine Veröffentlichung wegen des stattfindenden Marktes auch in entsprechenden Fachzeitungen erfolgt ist.