die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Ein großer Dampfkessel von 320 Zentner Gewicht wurde heute Vormittag vom Bahnhof nach der Gubener Hutindustrie (Otto Wülfing) am Damm transportiert. Der von 8 Pferden gezogene Wagen, auf dem der Kessel ruhte, konnte an der Mühle nicht um die Ecke biegen, er mußte daher den Umweg durch die Stadt, über Zindel und Neustadt machen. Der Transport verlief ohne Störungen.
Was bedeutet der Name „Guben“?
Der viel umstrittene Name der Stadt Guben macht deshalb Schwierigkeiten, weil die lautlich am nächsten stehenden wendischen Wörter keine annehmbare Deutung ermöglichen. Mit einer Beziehung auf wend. Guba „Mund“ ist gar nichts anzufangen, gegen eine Erklärung aus gulb „Taube“, die sprachlich statthaft wäre, ist einzuwenden, daß von einem so zufälligen Merkmal wie der Anwesenheit von Tauben eine berechtigte Namengebung für die neugegründete Stadt schwerlich herzuleiten ist, da schon im nächsten Jahre nach der Gründung alle diese Tiere verflogen oder verspeist sein konnten und der Ort dann einen Namen ohne Sinn oder einen veralteten gehabt hätte.
Ich leite den Namen mit Berücksichtigung der in wendischen Ortsnamen und überhaupt in wendischen Worten vorkommenden Lautgesetze von liub – y „lieb“ ab, womit außerordentlich viele geographische Bezeichnungen, auch von Gewässern, in der Provinz Brandenburg gebildet sind, aber die Urform des Stadtnamens war nicht direkt Lubin, sondern mit gutturalem Vorschlag Glubin, wobei die Jotierung des u, wie so oft, geschwunden ist (z.B. Lubochow, Kr. Kalau = wd. Liubochow). Die Endung –in, die auch urkundlich in dem Namen Guben vorkommt, entspricht dem heutigen –en.
Mit demselben Vorschlag findet sich der Name der Stadt Lychen (Kr. Templin) im Jahre 1248 als Glichen, und dieser Bestandteil ist als die Präposition k‘ „zu“ anzusehen, bis aber z. T. nur zur Bildung von Ortsnamen dient. ( Eine andere derartige Präposition ist z. B. s‘ „mit“; Görlitz i. Schles. Heißt wd. Sgorelz, d.i. eine Stadt „mit Berg“, von wd. Gora „Berg“.) Gliechow n. w. v. Kalau an vielen Wiesen (luka „Wiese“) zeigt sich als ähnliche Bildung. Das k des Anlauts wird in Ortsnamen leicht zu g, man vergleiche Kottbus mit der urkundlichen Form Godebus, oder wd. Kalina und galina „Wasserahorn“ ( poln. Kalina).
Hinter dem vorgesetzten g (oderk) ist nun das l oft erweicht oder ganz verschwunden, sodaß gl zu g geworden ist. Noch im heutigen Wendischen stehen nebeneinander die Formen glog und gog „Hagebutte“, klobyk, kwobyk und kobyk „der Hut“ u.a., sodaß ein Uebergang von Gluben zu Guben durchaus den wendischen Lautgesetzen entspricht.
Dasselbe Verhältnis der anlautenden Buchstaben findet man z. B. bei Kloppitz und Koppatz, oder bei Glasow, Klasdorf und Kaaso (Dörfer der Prov. Brandenburg).
Guben heißt nach diesen Ausführungen also die „liebe Stadt“ oder „Liebstädt“ und hat sich sicherlich durch seine schöne Lage schon den wendischen Ansiedlern empfohlen.
Mit dem Aufbau der Luftschiffhalle wird voraussichtlich am 29. d. M. begonnen werden. Heute ist bereits ein Zahlmeister des Luftschifferbataillons Nr. 1 und heute abend sollen Fouriere ankommen, die entsprechende Vorbereitungen treffen. Das Material für die Luftschiffhalle trifft morgen mittels Güterzug ein. Am Mittwoch früh wird dann mit dem Abladen und dem Transport des Materials nach Schenkendöbern begonnen. Das Ab- und Aufladen, das drei Tage dauern dürfte, wird durch Luftschiffer besorgt, während die Ausführung des Transports Herrn Max Hefter übertragen worden ist.
Strafvollstreckung gegen entlassene Kriegsteilnehmer. Der Justizminister hat durch eine allgemeine Verfügung vom 21.d.M angeordnet, daß eine Strafe, die gegen einen Kriegsteilnehmer für eine vor seiner Einberufung begangene Straftat verhängt und nicht im Gnadenwege erlassen worden ist, künftig ohne Rücksicht auf die Höhe der Strafe nicht ohne weiteres zu vollstrecken ist. Vielmehr ist ohne Einleitung oder Wiederaufnahme der Strafvollstreckung die ministerielle Entscheidung über Befürwortung eines Gnadenverweises einzuholen.
Wilhelm Busch – Abend. Am Mittwoch abend 8 Uhr findet im Saale des Schützenhauses ein Wilhelm Busch – Abend statt. Der gut bekannte Rezitator Herr Paul Berkenlkin wird an Hand von Lichtbildern mit einigen der schönsten Dichtungen von Wilhelm Busch erfreuen. Aus der reichhaltigen Vortragsfolge seien hervorgehoben: Abendteuer eines Junggesellen, Julchen, Herr und Frau Knopp, Die fromme Helene. Eintrittskarten sind bei Grezinger, Klosterstr. Erhältlich.
Die Presse in Todesgefahr. Die Druckpapierfabrikanten haben die Erhöhung des Zeitungspapierpreises ab 1.September auf 70 Mark pro Kilo beschlossen, nachdem der Augustpreis noch 28 Mark betragen hatte. Das sind rund 150%. Ein Waggon Zeitungspapier, der im Frieden 2000 Mark gekostet hat, wird dann auf 700 000 M. d. h um das 350-fache höher zu stehen kommen, vorausgesetzt, daß nicht etwa der Kohlenpreis noch höher wird. Wenn dieser Papierpreis Wirklichkeit werden sollte, so ist die deutsche Presse, die große wie die mittlere und kleine, schlechthin erledigt. Gerade in unserer jetzigen Lage wäre es eine nicht hoch genug einzuschätzende politische und volkswirtschaftliche Gefahr, wenn den vielen schon eingegangenen Zeitungen noch mehr folgen würden. Das aber wird unausbleiblich sein, wenn der Papierpreis schon wieder um 150% steigt.