die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Was ist ein Schubiak? In einer Stadt Süditaliens gingen kürzlich zwei deutsche Herren vor den Kadi, und zwar verklagte der eine den anderen, weil er ihn einen Schubiak genannt habe. Der italienische Richter wünschte natürlich zu wissen, was ein Schubiak sei, da er doch sonst die Schwere der Beleidigung nicht ermessen könne, allein kein Mensch konnte es ihm erklären. Der Kläger, ein Berliner, versicherte, daß Schubiak in Norddeutschland ein höchst ehrenkränkender Titel sei, aber eine Definition könne er nicht geben; der Beklagte antwortete dasselbe. Schließlich wurden Sachverständige aus der deutschen Kolonie vorgeladen; sie betonten gleichfalls den beleidigenden Charakter des Ausdrucks, aber weiter kamen sie auch nicht. Und da die Parteien einen Vergleich ablehnten, so verurtheilte schließlich der Richter den angeklagten zu fünf Lire Geldstrafe, aber was ein Schubiak ist, hat er nicht erfahren.
Ein Theurer Hahn: Das "Mainzer Tageblatt" erzählt die Geschichte eines Mannes, der böse hineinfiel, als er einen Bauern zum besten haben wollte. Der Bauer kam in eine Wirthschaft auf der hinteren Bleiche und hatte einen Hahn bei sich, den ein Gast kaufen wollte. Als der Bauer sagte, das Thier sei ihm nicht feil, erbot sich der Gast, soviel mal eine Mark für den Hahn zu bezahlen, als er in der ersten Viertelstunde krähe. Darauf ging der Bauer vergnügt schmunzelnd ein und ahmte im nächsten Augenblick täuschend das Gegacker einer Henne nach. Einen Augenblick blieb alles still, dann hob der Hahn den Kopf, schüttelte sich und ließ fünfmal ein lautes "Kikeriki" hören. Ein homerisches Gelächter erfolgte. Der Käufer wollte Einwendungen machen. Da aber der Bauersmann auf Zahlung bestand, wie "Shylock auf seinem Schein", so mußte der Gast 5 Mark für den Hahn bezahlen.

Die elektrische Straßenbahn ist von heute ab dem Verkehr übergeben. Die gestrige landespo-lizeiliche Abnahme hat zu Ausstellungen keinen Anlaß gegeben, sodaß der Betrieb sofort er-öffnet werden kann. Der Fahrplan wird seitens der Betriebsleitung heute im Inseratenteil ver-öffentlicht. Im eigenen Interesse des Publikums möchten wir dieses noch auf einige Verhal-tensmaßregeln hinweisen: Man steige stets von der rechten Seite, nie von der linken auf; erst lasse man die Aussteigenden den Wagen verlassen, dann steigen die neuen Fahrgäste ein. Die Zahlung des Fahrgeldes erfolgt durch Einwurf desselben in den vorderen Zahlkasten. Der Wagenführer ist mit Wechselgeld versehen, sodaß er bei Bedarf mit Kleingeld aushelfen kann. Die Tür braucht dazu nicht geöffnet zu werden, es befindet sich eine Klappe in der Tü-re. Man schließe die Türen stets hinter sich, weil die Wagen geheizt sind. - Heute waren alle Wagen der Straßenbahn dicht besetzt.
Der Gubener Ruder-Klub erfreute sich im vergangenen Jahre, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht, einer steigenden Aufwärtsbewegung. Das Bootsmaterial ist in genügender Anzahl und in guter Beschaffenheit vorhanden. Die Kassenverhältnisse sind geordnet und zeigen eine von Jahr zu Jahr fortschreitende Verbesserung. Wie die Statistik zeigt, hat sich der Ruderbetrieb bedeutend gehoben. Die Gesamtzahl der Bootskilometer beträgt 4 341 gegen 3 499 im Jahre 1908 Die Gesamtzahl der Mannschaftskilometer beläuft sich auf 17 295 gegen 13 350 im Vorjahre. Die von einem Mitgliede erreichte höchste Anzahl der zurückgelegten Kilometer beträgt 1 864 gegen 1 089 im Vorjahre. Als wichtigstes Ereignis in diesem Jahre registriert der Verein mit Stolz den ersten Sieg einer Vierermannschaft, welchen er bei einer von den beiden Frankfurter Rudervereinen auf dem Brieskower See am 13. Juni veranstalteten Regatta an seine Flagge heften konnte. Die Tourenruderei wurde in diesem Jahre besonders gepflegt. Außer kleineren Fahrten nach Fürstenberg, Frankfurt, Crossen und weiter oberhalb, fanden drei längere Fahrten statt. Die längste Fahrt unternahmen vom 6. bis 11. August 3 Mitglieder von Guben nach Wittenberge a. Elbe. Eine aus 2 Ruderern bestehende Mannschaft hatte sich den herrlich gelegenen Schwielochsee als Ziel gesetzt. Die dritte längere Fahrt endlich wurde von einer Vierermannschaft nach Stettin unternommen. Alles in allem ein erfreuliches Bild, wie der Sport im Gubener Ruder-Klub energisch und zielbewußt gefördert wird.
26. Februar 1910

Die Einreise nach Oberschlesien. Nach Mitteilung der französischen Regierung bedarf es zur Einreise nach Oberschlesien während der Dauer der Verwaltung durch die interalliierte Kommission (Anl, zu Art. 88,§ 2ff.) eines Passes, der mit einem französischen Visum versehen sein muß. Das Visum wird in Deutschland zunächst durch die Kanzlei des französischen Geschäftsträgers in Berlin und nach Errichtung des französischen Konsulats auch durch diese erteilt.
Deutsche Kinderhilfe. Im Landkreise Guben sind in vielen Gemeinden Sammlungen für die „Deutsche Kinderhilfe“ veranstaltet worden. Die Sammler fanden bereitwillige Spender unter Privatpersonen, Schulkindern, Gemeinden und bei Veranstaltungen usw. Insgesamt wurden bisher aus 45 Gemeinden 11591,55 M an die Kreiskommunalkasse abgeführt; einzelne Gemeinden stehen noch aus. Mit 300 M und darüber sind folgende Spender vertreten: Gut Groß-Breesen (300 M.), Knape-Gr. Drewitz (1000 M), K.-R. Lehmann-Gr.-Gastrose (300 M.), Gemeinde Germersdorf (522,50 M.), Gemeinde Horno (615,25 M.), Dr.Hardy-Lübbinchen (300 M.), Gemeinde Merke (306 M.), Schule Pohlitz (307 M.), Gemeinde Ratzdorf (963,25 M.), Gut Schenkendöbern (300 M.), Kirchengem. Schenkendorf (538,70 M.), Schule Starzeddel (440,50 M.), Gemeinde Streichwitz (451,90 M.), Gemeinde Wiesenau (455 M), Gut Wirchenblatt (500 M.). – Den freundlichen Spendern und Sammlern spricht der Landrat im amtlichen Kreisblatt besten Dank aus. Besonderen Dank und Anerkennung sagt er der Gemeinde Ratzdorf für das gute Ergebnis ihrer Sammlung.