die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Ein Unwetter, wie wir es lange Zeit nicht erlebt haben, suchte gestern unsere Stadt heim. Nachdem einige Gewitter seitwärts vorbeigezogen waren, und uns nur ganz geringfügigen Regen gebracht hatten, zog plötzlich gegen 8 Uhr von Nordwesten her eine düstere Wolkenwand auf, die sich mit unheimlicher Geschwindigkeit näherte. Ein Windstoß, schon mehr eine Art Windhose, brauste einher, mit solcher elementaren Gewalt, daß zahllose alte Bäume entwurzelt oder wie Streichhölzer geknickt wurden. Dann kam endlich der seit Wochen so sehnsüchtig erwartete Regen, leider so heftig, daß er auch manchen Schaden angestiftet hat. In einem Nu standen bei dem ungeheuren, wolkenbruchartigen Guß alle Straßen unter Wasser. In den abschüssigen Straßen, namentlich in der Crossener Straße, verwandelten sich die Rinnsteine in reißende Gebirgsbäche, gewaltige Sandmassen mit sich führend, die theils unten abgelagert, theils bis in den Flußlauf mitgerissen wurden. Immerhin sind die Berge und Berggassen noch ziemlich günstig weggekommen; außer den bei stärkeren Gewitterregen gewöhnlich auftretenden Schäden haben wir größere nicht bemerkt. Um so mehr Schaden hat der heftige Sturm angerichtet. Auf dem Stadthof, dicht vor dem früheren Gefängniß, stand eine gewaltige alte Linde, sie wurde umgerissen; auf dem Spichererplatz am Schweinemarkt wurden 4 starke Akazien umgeweht, auf der Neustadt beim Gymnasium eine alte Kastanie, die im Sturz in dem Hause des Bäckermeisters Weise die Schaufensterscheibe mit ihren Zweigen eindrückte, ebenso wurden am Nachbarhause noch mehrere Scheiben zertrümmert, auf Schneiders Berg wurden mehrere Akazien, bei Schemels Fabrik in der Lubststraße mehrere Obstbäume, an der Lubst einige Weiden umgerissen; noch an vielen anderen Stellen wurden Bäume theils niedergerissen, theils starke Aeste abgesplittert. Zahlreich sind auch die Beschädigungen, die an Häusern angerichtet wurden, fast in allen Straßen prasselten Dachpfannen und Ziegelstücke von den Dächern herab, sogar ein Schornstein wurde eingerissen. Die im Juni 1899 abgebrannte Schlesische Tuchfabrik steht noch als Ruine da, zum Wiederaufbau ist nichts geschehen; der gestrige Sturm hat die nach der Märkischen Straße gerichtet Umfassungsmauer umgerissen; hoffentlich wird die Ruine jetzt völlig abgebrochen werden. Die Triftstraße war, wie immer bei starken Regengüssen, völlig unpassirbar; das Wasser stand fußtief. In niedrig gelegenen Stadttheilen sind viele Keller voll Wasser gelaufen und stundenlang hatten die Einwohner zu thun, das Wasser herauszuschaffen. Eine eigenthümliche Erscheinung wurde noch beobachtet: Unzählige Sperliche lagen, als sich das Unwetter etwas gelegt hatte, theils todt, theils ermattet, auf den Straßen.
Ein neues Gemüse. Mangold heißt ein gärtnerisches Produkt, welches, nachdem es bereits im westlichen Vaterlande angebaut und in Verkehr gebracht worden ist, nun-mehr auch in unserer engeren Heimat angebaut wird und in einigen benachbarten Städten bereits auf dem Markte erscheint. Mangold ist ein grünes frisches Gemüse, dessen Blätter ebenso wie Spinat zubereitet werden. Mangold ersetzt auch den Spinat vollständig, ist sogar wohlschmeckender und ergiebiger. Außer den Blättern lassen sich auch die Blattstiele zu Gemüse und Kompott verwenden, indem sie abgezogen, in Salzwasser gekocht und mit einer holländischen Sauce, ähnlich wie Spargel oder Blumenkohl, zubereitet werden.

Der heutige Viehmarkt hatte starken Antrieb aufzuweisen. Es wurden 910 Pferde und 1432 Rinder zum Verkauf gestellt.
Unvorsichtige Radfahrer. Die neu gepflasterte Neustadt ist jetzt unter den Radfahrern sehr beliebt, sodaß Passanten, die nach der anderen Seite der Straße gelangen wollen, schon mehrmals Gefahr liefen, überfahren zu werden. Heute Mittag ¼ 1 Uhr durchfuhren ca. sechs Radfahrer neben- und hintereinander in rasendem Tempo die Straße; einem Passanten war es nicht mehr möglich, dem 17- bis 18jährigem Radfahrer Ri. auszuweichen, und Passant und Fahrer machten unliebsame Bekanntschaft mit der frisch gesprengten Straße. Beide kamen mit kleinen Hautabschürfungen davon.
Auf der städtischen Dubrau, von deren Altertümern wir unlängst berichtet haben, ist die weitere Entnahme von Erdboden jetzt ausgeschlossen, weil sich die Ausschachtung zu sehr dem vielbetretenen Feldwege nähert. Durch die Rücksicht auf den öffentlichen Verkehr verbieten sich auch private Ausgrabungen. Mit Rücksicht auf die Grüfte ist in der letzten Woche die Bodenentnahme schichtweise erfolgt, so daß sich am Donnerstag auf ca. 70 freigelegten Quadratmetern 10 – 11 vorgeschichtliche Gräber wie auf einer Platte aufgebaut darstellten. Sie entbehrten in diesem westlichen Teile des Feldes fast gänzlich des schützenden Steinsatzes, und da sie zum Teil nicht sehr tief unter der Oberfläche lagen, waren namentlich die größeren Gefäße zerdrückt; der feuchte Inhalt hielt sie aber in ihrer ursprünglichen Form zusammen, so daß zahlreiche photographische Aufnahmen gelangen. Der interessante Anblick hatte zeitweilig und namentlich in den Abendstunden mehr als 200 Zuschauer angelockt, und sofort nach Abräumung der Reste vergangener Jahrhunderte war der Boden der stillen Gräberstätte, deren Sohle stellenweise fast 2 Meter tief lag, ein lustiger Tummelplatz zahlreicher Kinder jenes Stadtteils. Die Gefäße (große Terrinen, kleine Näpfe, Tassen, Schalen mit eingelegten Fläschchen, Teller und Schüsseln, ein zweiteiliges großes Räuchergefäß u. a.) sind in den Reserveräumen des Museums untergebracht, ebenso die Scherbenmassen, aus denen, soweit es möglich ist, im Laufe des Winters die Gefäße wieder aufgebaut werden sollen.

Ueber die aufs Land gegebenen Kinder teilte der Vorsteher aus einem Bericht des Herrn Stadtrat Ries vom 7. Juli mit, dass aus Guben insgesamt 92 erholungsbedürftige Kinder in 28 Ortschaften des Kreises Luckenwalde untergebracht worden sind. Wie die von Stadtrat Ries unternommene Nachschau ergab, werden die Kinder dort gut versorgt. Bei 38 besuchten Kindern konnte eine Gewichtszunahme von 1 - 10 Pfund festgestellt werden, auch wird der Gesundheitszustand der Kinder als sehr erfreulich bezeichnet. Von den 92 außerhalb untergebrachten Kindern sind bis zum 5. Aug. 22 aus verschiedenen Gründen zurückgekehrt; die übrigen wollen den Sommer über dort bleiben.
Zeitiger Anfänger. Als Fahrraddieb wurde der 13-jährige Schüler Walter Ju., Kastaniengraben, ermittelt. Ju. hatte aus einem verschlossenen Schuppen ein Rad entwendet und zuhause bereits das Rad in seine Teile zerlegt.