die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Zu einer Plage scheint sich nachgerade der nächtliche Straßenlärm herauszubilden. So sind in der letzten Zeit die Anwohner der Klosterstraße wiederholt des Nachts durch Ruhestörer, die allerhand Unfug trieben, aufgeschreckt worden. Auch in der vergangenen Nacht war wiederum die Klosterstraße zum Schauplatz von Raufereien ausersehen worden. Nachdem sich erst um 12 Uhr eine solche Keilerei abgespielt hatte, durchgellten in der 2. Stunde minutenlang anhaltende Hilferufe die nächtliche Stille und versammelten bald ein größeres Publikum um die kämpfenden Parteien. 15 bis 20 Minuten dürfte wohl dieser nächtliche Krieg, dessen Lärm verstärkt wurde durch Brüllen aus vollem Halse, getobt haben. Sollte es denn gar keine Mittel geben, diesen nächtlichen Helden das Handwerk zu legen? Jedenfalls wären alle friedfertigen und ruheliebenden Bürger der Behörde dankbar, wenn sie energisch zugriffe und keine Nachsicht übte. – Die Hauptruhestörer sind übrigens bereits ermittelt und sehen ihrer Strafe entgegen.
Niemaschkleba. (Lappjagd.) Die am 6. d. Mts. von dem Jagdpächter der Niemaschklebaer Gemeindejagd e. Gromm veranstaltete Lappjagd auf Hirsche hatte ein sehr gutes Resultat. Es wurden vier starke und feiste Hirsche, zwei Zwölfender und zwei Achtender, zur Strecke gebracht. Ihre stattlichen Geweihe, von denen einzelne fast einen Meter Spannweite und ebensolche Höhe hatten, waren bis auf eins gefegt.
Hochwasser. Die gewaltigen Regen in den letzten Tagen haben die Neiße ziemlich hoch anschwellen lassen. Die Fülle des Wassers bietet jetzt von der Neißebrücke aus zur Schützenhausinsel gesehen, einen großartigen Anblick. Das Stürzen der Wellen, das durch die Hemmung des Wassers verursacht wird, läßt die elementare Gewalt des Wassers so recht erkennen. Der Wasserstand ist gegenwärtig ein höherer, als er schon einmal im Juni d.J. war. In der Unterneiße ist das Wasser beträchtlich aus den Ufern getreten und hat die Wiesen überschwemmt. Am Koenig-Park und in den Schießständen erscheint die sonst schmale Neiße als ein mächtiger Strom, der mit gewisser Gewalt die Fluten fortwälzt. Der Hafen-Ladeplatz, auf dem sich der Gleisanschluß befindet und der bekanntlich etwas tiefer als der eigentliche Hafen-Lagerplatz liegt, steht völlig unter Wasser. Es scheint aber, daß der Wasserstand seinen Höhepunkt erreicht hat, denn aus dem oberen Neißegebiet kommen bereits wieder Nachrichten, daß das Wasser langsam fällt.
Den bitteren Ernst der Zeit in seiner ganzen Größe scheint ein großer Teil unserer männlichen und weiblichen Jugend zwischen 14 und 17 Jahren noch nicht ganz erkannt zu haben. Unter Gekicher treiben junge Leute allerhand Allotria an öffentlichen Orten. Wenn die Eltern sich einmal mit ihren Jungen und Mädchen hinsetzen und die Karte von Europa ansehen möchten, werden sie finden, daß bereits deutsche Söhne und Brüder im Heer und in der Marine in der vordersten Schlachtlinie stehen und durch das feindliche Blei dahingerafft werden können. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß sehr bald das jetzige auffällige Benehmen der Jugend einen bösen Dämpfer bekommen, das Gekicher in Tränen umgewandelt werden kann. Auch von den weißen Tanzschuhen und der Ballkleidung wird man bald zur Trauerkleidung übergehen, wenn die ersten Verlustlisten kommen. Die Eltern tun gut, ihren Kindern den Ernst der Lage eindringlich beizubringen und sie zu beschäftigen oder zur Beschäftigung bei der Ernte u.s.w. zu geben, als sie untätig auf den Straßen flanieren zu lassen. Daß diese hier gekennzeichnete Beobachtung auch in anderen Orten gemacht worden ist, beweist ein Aufruf, den der Münchener Polizeipräsident an die Frauen und Jungfrauen erlassen hat und in dem er ersucht, in dieser schweren Zeit das Tragen auffälliger Kleider und Hüte zu vermeiden und in den Ernst der Lage sich auch in der Kleidung zu finden.
Butterverkauf .Wenn auch die gegenwärtig besonders erschwerte Beschaffung von Butter einen allgemeinen Verkauf z.Zt. noch unmöglich macht, so ist es der Stadtverwaltung gelungen, wenigstens so viel Butter in die Stadt hereinzubringen, daß die alten Verkaufsmarken vom 27.Juli nunmehr eingelöst werden können. Wegen der Geringfügigkeit der zur Verfügung stehenden Vorräte muß an dieser Beschränkung des Kundenkreises aufs strengste festgehalten werden. Eine Neuausgabe von Verkaufsmarken findet überhaupt nicht statt, sodaß sich alle Versuche erübrigen. So wünschenswert auch ein allgemeiner Butterverkauf an sich ohne Zweifel gewesen wäre, bleibt es doch zu begrüßen, daß die auch beim letzten Verkauf unversorgt gebliebenen Haushaltungen zunächst in den Besitz von Butter gelangen. Für die Gesamtheit der Bevölkerung steht ein allgemeiner Butterverkauf für das Ende der laufenden, spätestens in den ersten Tagen der kommenden Woche in Aussicht.

Hülsenfrüchte statt Fleisch.
Vom städt. Lebensmittelamt wird uns geschrieben; Um die inländischen Bestände zu schonen, kann in der laufenden Woche kein Frischfleisch ausgegeben werden. Als Ersatz dafür wird auf die Fleischmarken der laufenden Woche in den Ausgabegeschäften, in denen die übrigen Lebensmittel abgenommen werden, gegen Vorweis der 10 Abschnitte der Woche vom 8. bis 10. August 200g Graupen abgegeben. Die Fleischkarten sind bis kommenden Dienstag abend bei den Kaufleuten einzureichen und am Donnerstag ist die Ware erhältlich. In der kommenden Woche haben die Fleischmarken vom 08. Bis 10.August keine Gültigkeit mehr zum Fleischbezug.
(Geheimschlachtung. Aus der Untersuchungshaft entlassen.)
Auf dem Bahnhofe in Guben wurde, wie das „Cross-Tagebl.“ berichtet, Reisenden von Polizeiorganen 55 Pfund Hammelfleisch und 21 Pfund Kalbsfleisch abgenommen. Die Reisenden gaben an, daß sie das Fleisch von dem Fleischermeister Br. in Crossen gekauft hätten, und zwar seien je Pfund 6 M für das Hammelfleisch und 5 M für das Kalbfleisch bezahlt worden. Die hiesige Polizei nahm auf diesbezügliche Benachrichtigung hin eine Durchsuchung vor, die tatsächlich noch Teile des geheim geschlachteten Kalbes zutage förderte. Die Sache dürfte ein gerichtliches Nachspiel haben.- Aus der Untersuchungshaft vorläufig entlassen wurde auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft in Guben der Handlungsgehilfe Ho. , der aushilfsweise bei der hiesigen Kreiskornstelle beschäftigt war und dort erhebliche Lebensmittelkartendiebstähle begangen hat.
Regenwolken überzogen heute morgen wieder einmal den Himmel und alles blickte erwartungsvoll aufwärts. Die durstende Erde wurde denn auch wirklich durch einen kräftigen Strichregen angefeuchtet, doch nach einer kleinen Weile stach die Sonne wieder durch die sich verziehenden Wolken und rasch trockneten die Regenspritzer wieder auf. Es ist dies zwar kein Ereignis von „welterschütternder Bedeutung“, doch bei dem regenarmen Sommer sei es pflichtschuldigst registriert und dargetan, daß der Mensch die Hoffnung nicht verlieren soll.