die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Der Skatbrunnen in Altenburg: Seit einigen Tagen besitzt die Haupt- und Residenzstadt Sachsen-Altenburgs ein Monument, so originell wie kaum eine zweite Stadt der Welt: einen veritablen öffentlichen Skatbrunnen, errichtet aus einem 17000 Mark betragenden Legat des Altenburger Rentiers Stendemann, entworfen von Professor Pfeifer-München. Das Denkmal, das am 29. September enthüllt wurde, soll das edle Skatspiel, das "vornehmste, geistreichste, anregendste und weitesverbreitete Kartenspiel" verherrlichen und zwar in der Stadt, in wel-cher es nach allgemeiner Annahme von dem Advokaten Hempel anno 1817 erfunden wurde. Professor Pfeifer hat seine schwierige Aufgabe (an der Konkurrenz beteiligten sich 37, zum Teil namhafte Künstler) glänzend gelöst und das Ideal mit dem Derb-Volkstümlich-Humoristischen geistreich zu verbinden gewußt. Der graziöse Unterbau, in seinem oberen Teile in den vier Kartenfarben gehalten, trägt zunächst zwei Muschelbecken, in welche zwei kleine Schweine als Symbol des Glücks das Wasser speien, und sodann ein stattliches Postament mit den vier Wenzeln, die als vier robuste "Jungen" mit einander um den Sieg ringen und zum Teil sich in der Hitze des Gefechts drollig überpurzeln. Die Figuren, in Tone gehalten, zeichnen sich durch sehr lebendige Modellation aus. So symbolisiert das Denkmal glücklich den edlen Eifer des Spiels, aber auch die blinde Leidenschaft desselben.
Eine aufregende Szene ereignete sich kürzlich in einem Frauen-Coupee auf der Bahnstrecke Guben - Crossen. Eine der mitfahrenden Frauen hatte in einem Korbe zugedeckt einen 11pfündigen Wels. Der Fisch sprang, das Tuch zurückschlagend, aus dem Korbe auf eine junge Dame zu. Vor Schreck schnellte diese auf, eilte zur Tür und riß diese auf, um hinauszu-springen. Einigen Frauen gelang es noch rechtzeitig, sie am Kleide festzuhalten, damit sie nicht hinausstürze. So festgehalten kam sie zu Falle, und der Oberkörper hing zur Tür hinaus. Dank dem schnellen Zugreifen der Frauen wurde ein größeres Unglück verhütet. Die junge Dame erklärte dann, daß sie vor Schreck nicht gewußt habe, was sie tue.
Der Schuster Voigt, bekannt durch seinen Köpenicker Streich, bereist gegenwärtig die Städte der Niederlausitz und sucht die Leute dadurch auszunutzen, daß er Ansichtskarten mit und ohne Autogramme verkauft. Anläßlich seiner Anwesenheit in Sorau wurde in der Presse bereits zum Ausdruck gebracht, daß durch die Unterstützung dieses Mannes lediglich das Verbrechertum beschönigt und der Vagabondage Vorschub geleistet wird. Sollte sich Voigt auch in Guben blicken lassen, so wird er bei dem gesunden Sinn unserer Bürgerschaft wohl wenige finden, die zur Kategorie derjenigen zu rechnen wären, die „nicht alle werden.“
Der Armenhaus - Erweiterungsbau, der in seiner Gesamtanlage die Bezeichnung „Pflegeheim“ erhalten hat, ist am 1. Oktober fertiggestellt worden und wird jetzt seiner Zweckbestimmung übergeben. In dem Neubau sind, ähnlich wie im Bürgerheim, Einzelzimmer vorgesehen. Die Bauanlage ist mit Mittelkorridor ausgeführt und die Zimmer haben erfreulicherweise sämtlich Sonneneinfall. Der Neubau ist mit dem alten Bauteil zu einer Baugruppe gestaltet, die wohl einfache Bauformen zeigt, aber nach der Straße wie nach dem Hofe einen wohlgefälligen Eindruck macht. Einen besonderen Reiz erhielt die Baugruppe durch das ausgeführte Mansardendach, dessen Geschoß für Wohnzwecke vollständig ausgenutzt ist. Außer einer Reihe gemütlicher Wohnzimmer ist in ihm auch ein Betsaal vorgesehen, der sich früher in dem alten Gebäude befand, dort aber jetzt zu Wohnzwecken ausgenutzt ist. Die veraltete unzulängliche Küche ist nach dem Neubau verlegt und befindet sich im Untergeschoß, von wo aus das ganze Gebäude durch Zentralheizung erwärmt wird. Die elektrische Lichtanlage ist jetzt über das ganze Gebäude ausgedehnt worden. Das Gebäudeinnere ist, entsprechend dem Charakter der damaligen Bauzeit, in den einfachsten Formen gehalten, macht aber durch die warme Tönung der Wandflächen und durch das in einfacher Holzarchitektur durchgebildete Treppengeländer der feuersicheren Treppenanlage durchweg einen behaglichen Eindruck. So schwierig es für die städtische Hochbauverwaltung war, die Bauanlage bei dem jetzigen Arbeitermangel und der erheblichen Preissteigerung rechtzeitig fertigzustellen, so erfreulich ist es andererseits, daß die Stadtverwaltung die ganze Bauausführung im Rahmen der bewilligten Mittel fertigstellen und eine Einrichtung schaffen konnte, die der Volkswohlfahrt zugute kommt.

Die Sicherheit unserer Sparkassen. Trotz aller Erklärungen von berufener Seite trifft man, wie geschrieben wird, immer noch wieder in der Bevölkerung auf die Ausstreuung, die Regierung werde eines Tages die Sparkassenguthaben beschlagnahmen. Die Folge davon ist, daß Leute, die diesem Gerede glauben, ihr Geld zu Hause zurückhalten. Demgegenüber kann nur aufs neue und entschiedenste betont werden, daß es sich um ein ganz unsinniges Gerücht handelt. Die Regierung denkt nicht an solche, oder auch nur irgendwie ähnliche Maßnahmen, und in unseren Sparkassen sind die Einlagen so sicher aufgehoben, wir nur irgendwo auf der Welt. Jeder, der auf derartiges Gerede trifft, sollte ihm mit allem Nachdruck entgegentreten. Auch solche Ausstreuungen können nur von Leuten ausgegangen sein, die das Vertrauen der Bevölkerung erschüttern und so der Kriegsanleihe und damit dem Vaterlande schaden wollen.
Die Einreise nach Polen. Infolge der Auflösung der Generalkommandos ist die bisher diesen zustehende Erteilung der Genehmigung zur Einreise in das besetzte Gebiet der Provinz Polen vom 10.Oktober d.J. den Landräten und den Polizeiverwaltungen der kreisfreien Städte übertragen worden. Alle Anträge sind daher künftig an diese Stellen zu richten. Zuständig ist die für Wohnsitz oder Aufenthaltsort in Betracht kommende Behörde. Die Anträge müssen unter Vorlegung eines mit Lichtbild des Antragstellers versehenen Ausweises, am besten eines Reisepasses, gestellt werden.
Familienkonzert.
In Anbetracht, des Umstandes, dass der Mittwoch theaterfrei ist, beabsichtigt Herr Musikdirektor Lüddecke an diesem Tage mit seinem Konzert-und Theaterorchester im großen Saal des Schützenhauses Familienkonzerte mit nachfolgendem Tanzkränzchen bei mäßigen Eintrittspreisen zu veranstalten und hofft dabei auf wohlwollende Förderung und Unterstützung seines Planes durch das Publikum. Das erste derartige Konzert findet bereits diesen Mittwoch, also am 5. Oktober, statt. (siehe Anzeige)

Im Stadttheater erneuert Käte Baste, welche bereits in voriger Spielzeit mit eigenem Ensemble der „Intimen Künstlerspiele“ hier mit Erfolg gastierte, die Bekanntschaft mit dem hiesigen Publikum. Das Personal des Ensembles setzt sich, wie uns mitgeteilt wird, aus sehr guten Kräften zusammen. Fräulein Trude Koenen vom Lessingtheater, die in voriger Spielzeit gut gefallen hat, ist auch wieder in schöner Rolle vertreten.