die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Gr.-Gastrose. Dem königl. Oberförster Ladi in Jänschwalde ist ein seltenes Jagdglück zuteil geworden. Es gelang ihm, in der königlichen Taubendorfer Forst in früher Morgenstunde einen balzenden Auerhahn anzuspringen und ihn zu erlegen. Es ist ein Prachtexemplar von ca. 1 m Länge und 1,10 m Flugweite. Da das Auerwild, das in den Gebirgsgegenden Süddeutschlands heimisch ist, bei uns eine große Seltenheit bedeutet, so repräsentiert der zur Strecke gebrachte Auerhahn einen hohen Wert in den Augen des Waidmannes.
Die Baumblüte hat ihren Anfang genommen. Die Aprikosen- und Pfirsichbäume haben ihre Blüten entfaltet, auch die Spillinge, und auch bei den Kirschen schimmert durch die grünen Blätter des Deckkelches das helle Weiß der Blütenblätter schon hindurch, während die andern Obstsorten und der Schlehdorn noch zögern, sich in das Blütengewand zu hüllen. Wenn das warme Wetter, das der Mai endlich gebracht hat, nur einigermaßen anhält, würde sich in wenigen Tagen die ganze Blütenpracht entfalten. Der April war bis zu seinem letzten Lebenstage ein kühler und ungemütlicher Geselle, und die Entwicklung der Vegetation ist im Vergleich zu den Vorjahren recht zurückgeblieben. Die Spargelernte ist bis jetzt noch äußerst gering und der Salat im Freien sieht auch noch recht trostlos aus; Salat wird zwar zu Markte gebracht, aber aus den Frühbeeten. Alles harrt der warmen belebenden Sonnenstrahlen. Es scheint ja, als ob der Mai von der Wetterpolitik des April sich abwenden wollte. Möchte er dies gründlich tun!
Baumblütensonntag. Verschiedene Anzeichen der letzten Woche ließen gelinde Zweifel auftauchen, daß der eigentliche Baumblütensonntag in diesem Jahre illusorisch werden würde. Aber der Erfolg des gestrigen Sonntags hat glücklicherweise alle Bedenken zunichte gemacht zum Segen der hiesigen Geschäftswelt, namentlich der Berglokale, die umfangreiche Vorkehrungen zur Bewirtung der Gäste getroffen hatten. Schon die Frühzüge brachten zahlreiche Gäste, so daß sich der Verkehr immer mehr steigerte und mit dem Eintreffen der Sonderzüge seinen Höhepunkt erreicht haben dürfte. Das Wetter war besonders günstig, lachender Sonnenschein strahlte den ganzen Tag mit geringen Unterbrechungen hernieder und versetzte die Gäste, deren Zahl wohl über 5000 gewesen sein dürfte, in die angenehmste Stimmung. Am Bahnhof herrschte ein großer Andrang, der nach Eintreffen des Berliner Sonderzuges einen hier seltenen Umfang annahm. Pünktlich um 9 Uhr 21 Minuten fuhr der Sonderzug aus Berlin ein und schon ehe er zum Stehen gebracht war, erklangen durch die Luthersche Kapelle flotte Begrüßungsweisen. Als sich der Zug entleert hatte, setzte sich die Kapelle an die Spitze und geleitete die Teilnehmer mit Musik in den Garten des Hotel „Kronprinz“. Hier wurden die alten Freunde begrüßt und neue Bekanntschaften geschlossen, überall sah man kleine Gruppen von Personen, die sich freundlich lächelnd die Hand schüttelten. Nachdem sich die Gäste von der Fahrt durch einen Imbiß und frischen Trunk gestärkt hatten, ergriff Herr Stadtrat Zabel das Wort zu einer Begrüßungsansprache namens der Stadt. Er pries die unversiegbare Liebe und die Sehnsucht zu unserer lieben alten Heimatstadt, die durch den alljährlich sich steigernden Besuch immer wieder aufs neue zum Ausdruck kommen. Seine Worte klangen, nachdem er dem Verein der Gubener für die mühevollen Vorbereitungen gedankt hatte, in ein Hoch auf die Stadt Guben aus. Hieran schloß sich eine Ansprache des Vorsitzenden des Vereins der Gubener, Herrn Koch, in der er die alte Treue der ehemaligen Gubener versicherte. Nachdem man noch die Sonderzüge aus Frankfurt a. O., Cottbus und Forst abgewartet hatte, teilten sich die zahlreichen Gäste in vier Gruppen und unter ortskundiger Führung nahmen sie nach verschiedenen Richtungen hin ihren Rundgang auf. Verschiedene Gesellschaften hatten sich ebenfalls hier ein Stelldichein gegeben; so bemerkten wir den Verein Mark Brandenburg, eine größere Anzahl Buchhändler aus den Städten der Lausitz mit ihren Damen, Radfahrvereine usw. – Die Berggassen wurden von früh an nicht leer, lebhaft plaudernde und scherzende Spaziergänger wogten in großer Zahl hindurch, auch die Berglokale waren infolgedessen alle überfüllt und mit Befriedigung dürften die Besitzer auf den geschäftlichen Erfolg zurückblicken. Daß naturgemäß auch der Verkehr in den Straßen der Stadt ein großer war und alle Verkehrsmittel in Betrieb gesetzt wurden, soll nicht unerwähnt bleiben. Gegen Abend machten sich zahlreiche Freunde eines guten Obstweines auf, sich an ihm an der weitbekannten Quelle, der Kelterei Poetko, gütlich zu tun. Auf dem Hofe, ähnlich dem Müchener Hofbräuhaus, waren Tonnen aufgestellt, um die herum es lebhaft zuging. Unaufhörlich floß der Apfelwein aus seinen großen Fässern und labte die vom Spaziergang trocken gewordenen Kehlen. Auch verschiedene Sektkorken knallten unter Jubel in die Luft. – Haben wir nun bis hierher wohl alles pflichtgemäß registriert, so bleibt noch zu erwähnen, daß unzählige Gäste mit photographischen Apparaten ausgerüstet waren und die Stadt Guben dürfte selten so oft geknipst worden sein wie gestern. Hoffentlich halten die gemachten Aufnahmen die Erinnerung an den gestrigen Sonntag bis zum nächsten Jahre wach und veranlassen alle Gäste, im nächsten Jahr wiederzukommen und noch mehr Freunde mitzubringen. - Abends hatten sich die Gäste in der ganzen Stadt zerstreut und erst die Abfahrt der Züge vereinigte alle wieder am Bahnhof, wo wiederum ein kolossaler Andrang wogte. Allen Gästen rufen wir ein frohes Wiedersehen im nächsten Jahr zu!


Der Unterhaltungsabend der Jugendkompanien, der mit so großen Beifall aufgenommen worden ist, wird am Sonnabend, den 4.Mai, im großen Saale des Schützenhauses wiederholt. Die Spielfolge verzeichnet neben den Hauptdarbietungen deklamatorischer, musikalischer und theatralischer Art auch turnerische Aufführungen und Reigen. Infolgedessen werden auch diejenigen erneutes Gefallen finden, die bereits den ersten Abend besucht haben. Alle Eltern und Freunde der Jungmannen, die bei der Erstaufführung keinen Platz erhalten haben, finden am Sonnabend Gelegenheit zum Besuch. Die Darbietungen sind vielseitig und gut vorbereitet.

