die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Dauermarsch: Eine ganz ungewöhnliche Leistung im Gehen vollbrachte am vergangenen Sonntag Herr Buchhalter C. Sasse, Mitglied des hiesigen Vereins Turnerschaft. In Begleitung eines Radfahrers und eines jüngeren Mitgliedes des Vereins ging Herr S. früh 2 Uhr 3 Minuten von der Stadtmühle weg und kam um 5 ¾ Uhr in Crossen a.O. an. Während hier der jüngere den Marsch aufgab und nach Hause fuhr, setzte Herr S. seinen Weg nach Grünberg in Schl. Fort, dass er Vormittag 10 Uhr erreichte. Nach 3 stündiger Rast trat Herr S. den Heimweg an und kam Abends 9 ¾ Uhr in bester Verfassung hier wieder an. Herr S. hat hiernach für den ganzen Weg (120 Kilometer) nur 16 ¾ Stunden gebraucht. Nicht jedem ist ein solcher „Spaziergang“ zu empfehlen, er zeigt aber, was bei vorheriger Uebung und Willenskraft auf diesem Gebiet geleistet werden kann.
Das Gähnen im Parlament: Englische Blätter melden den interessanten Fall einer parlamentarischen Ordnungsstrafe, den alle Freunde des parlamentarischen Ernstes und Anstandes mit tiefer Genugthuung, vielleicht auch mit Bedauern zur Kenntniß nehmen werden, mit Bedauern, weil sich der Fall blos in Japan ereignet hat. Dort wurde nämlich ein Abgeordneter deshalb zu drei Tagen Haft und einer Geldstrafe verurtheilt, weil er sich in einer Sitzung des Parlaments besonders hervorgethan hatte. Der öffentliche Ankläger, der diese interessante Entscheidung provoziert hatte, hob ausdrücklich hervor, daß die offen zur Schau getragene Theilnamslosigkeit jenes Abgeordneten, sein Gähnen, das den Mangel an Interesse an den parlamentarischen Vorgängen jener Sitzung zum Ausdruck brachte, demoralisierend wirken müsse, ganz abgesehen davon, daß es heilige Pflicht des Abgeordneten sei, sich für alle Funktionen des Legislaturkörpers, dem er angehört, zu interessieren. - So geschehen in Japan. In europäischen Parlamenten ist das Gähnen eine so alltägliche und häufige Erscheinung, daß man deswegen nicht gut Strafen verhängen kann.
Wie Gänse einen Hund züchtigten, darüber wird aus einem Dorfe bei Eberswalde folgende ergötzliche Geschichte berichtet: Eine Bäuerin trieb auf der Dorfstraße eine kleine Herde von Gänsen vor sich her, als aus einem Hause heraus ein kläffender Rattenfänger sich auf die Schar stürzte. Im ersten Schreck stob die Herde laut schreiend auseinander. Dieser leichte Sieg mochte den Köter ermutigen; in schnellen Sätzen verfolgte er die geflügelte Schar. Da, eben hatte er eine der Gänse beim Flügel gepackt, drehte sich diese schwerfällig herum und hieb mit dem Schnabel nach dem Hunde. Einen Augenblick stand dieser wie erstarrt da, dann wollte er sich auf den Gegner stürzen. Da aber wirbelten ihm auch schon die Flügel der Gans um die Ohren; sichtlich war dem Rattenfänger Hören und Sehen vergangen, er drehte sich bloß noch um seine eigene Achse. Angesichts der Tapferkeit ihrer Genossin mochten sich die übrigen Gänse ihres angstmeierischen Betragens schämen. In wirrem Knäuel stürzten sie mit weitgeöffneten Schnäbeln zischend heran; wie auf Befehl schlossen sie einen engen Kreis um den frechen Angreifer und nun regnete es auf den kläglich heulenden Hund von allen Seiten Schnäbelhiebe und Flügelschläge. Inzwischen hatte sich ein Häuflein Neugieriger um die kämpfende Gesellschaft gebildet. Mit Staunen verfolgten die den Verlauf des Kampfes, als sich durch die Menge ein junger Bursche Bahn brach, um den Hund, sein Eigentum, dem Verderben zu entziehen. Kurz entschlossen aber wendete sich die eine Hälfte der Gänse mit drohen aufgerissenen Schnäbeln gegen den Jüngling, der unter lautem Gelächter der Zuschauer zurückwich, während die andere Hälfte den Kampf mit dem heulenden Hund fortsetzte. Es war kaum noch eine Kampf zu nennen, richtiger war es ein regelrechtes Standrecht, das die schnatternden Vögel über den Friedensstörer abhielten. Der Rattenfänger wurde sichtlich matter unter den Schlägen, schon torkelte er wie ein Betrunkener hin und her, und nun legte er sich gar mit heraushängender Zunge auf die Seite. Die Rachsucht der geflügelten Schar war aber noch nicht befriedigt, und sicher hätte der Hund den kühnen Angriff auf die Ruhe der Gänse mit dem Leben bezahlen müssen, wen nicht jetzt die Bäuerin, die Eigentümerin der Gänse, dazwischengetreten wäre. Sie zwang mit kräftigen Schlägen ihre Schützlinge, die Züchtigung des Hundes einzustellen. Als dieser sah, daß er Luft bekommen hatte, erhob er sich mühsam und schlich mit eingeklemmtem Schwanze lautlos davon. Wie auf Befehl wendeten jetzt sämtliche Gänse ihre langen Hälse nach der Richtung, in der der Besiegte verschwand und brachen in eine betäubendes Schreien aus - ein ohrenzerreißendes Siegesgeschmetter!

Kanonenkugeln aus dem dreißigjährigen Kriege. Als im April 1642 der schwedische General Stalhandschk Guben belagerte, das von sieben Kompanien sächsischer Truppen besetzt war, wurden vom Kornhebbel her und bei der dortigen kleinen Kirche auf etwa 100 Schritt Entfernung 241 Kannenschüsse abgegeben, wodurch die Bastei des Crossener Tors schwer beschädigt wurde. Die Kugeln rollten zum Teil in den Stadtgraben und versanken in dessen morrastigem Grunde. Bei Anlegung der Baugrube für das an der Ecke der Königstraße und des Kastaniengrabens zu errichtenden Hauses sind jetzt in einer Tiefe von 5 Metern einige eiserne Kanonenkugeln ausgegraben worden, von denen zwei bereits gestern im städtischen Museum ausgelegt waren. Die Chronik berichtet, daß in der Außenwand der dortigen Bastei, die samt dem viereckigen Torturm vor 80 Jahren abgetragen worden ist, zur Erinnerung an den erwähnten Vorgang einige eiserne und steinerne Kugeln halb eingemauert waren, ebenso wie in Cottbus am alten Spremberger Tore und in anderen Niederlausitzer Städten. Es wäre gewiß eine interessante und belebende geschichtliche Erinnerung, wenn von den jetzt aufgefundenen Geschützkugeln der Besitzer einige dem Neubau auf der Grabenseite einfügen und mit der oben genannten Jahreszahl 1642 versehen lassen wollte.
Anlage der Wasserleitung in der Kupferhammerstraße. In der kommenden Stadtverordneten-Sitzung am Freitag kommt u.a. die Anlage der Wasserleitung in der Kupferhammerstraße zur Beratung. Es hat sich, wie der Magistrat in er Vorlage bemerkt, aus wirtschaftlichen und hygienischen Gründen die Notwendigkeit herausgestellt, in die Kupferhammerstraße Wasserleitung zu legen und auch die Anwohner der Straße haben sich mit der Bitte um Legung der Leitung an den Magistrat gewandt…. Die Leitung wird in der Weise verlegt werden, daß sie in der Grünstraße an die dort bereits vorhandene Wasserleitung angeschlossen und dann den Verbindungsweg zwischen der früher Adersschen Schneidemühle und an der Bahn entlang durch die Cottbuser Straße und Kupferhammerstraße geführt wird.
Jadlowker im Stadttheater als Gast. Dem Benehmen nach singt in der Aufführung von „Kavalleria rusticana“ am Freitag, dem 5.November, der berühmte Kammersänger Jadlowker ,der im vorigen Jahre hier ein Konzert mit großen Erfolge veranstaltet hat, die Rolle des Turiddu und Hofopernsänger Schmalnauer von der Staatsoper in Dresden den Alfio. Ein bedeutendes Theater-Ereignis steht also bevor.
Telegraphenlinien. Die Pläne über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie an dem Wege von Döbern-Sachsdorf und Sachsdorf- Laaso nach Dobern, von Laaso nach Zschiegern und von Schöneich nach Sachsdorf liegen beim Postamt in Guben vom 28. Oktober ab 4 Wochen aus.