die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Lübben: Ein außerordentlich starker Verkehr herrschte während der Feiertage im Spreewalde. Die Folge war ein völliger Mangel an Fahrzeugen. Die noch aufzutreibenden Fährleute stellten, ohne sich nur im geringsten an die Fährmannsordnung zu binden, an die Touristen unverschämte Forderungen, z.. für die Waldtour Lehde, Wotschofska, Kannomühle, Eiche, Pohlenzschänke, Burgscher Kanal, Lübbenau 15 - 20 Mk., und nach Wotschofska 4 - 5 Mk. Kein Wunder also, wenn den Ankommenden bei diesen horrenden Preisen die Lust auf eine größere Fahrt verging und jeder, um wenigstens etwas vom Spreewalde gesehen zu haben, mit dem Omnibus nach Wotschofska oder Lehde zu gelangen versuchte. Im Glanzpunkte des Spreewaldes, im eigentlichen Hochwalde, herrschte ein Riesenverkehr. Eine ununterbrochene, fast endlose, bunte Reihe von Fahrzeugen zog unter dem grünen Waldesdome dahin. Die Briefkästen in den Lokalen vermochten die Unmasse der Ansichtspostkarten nicht mehr zu fassen und Hunderte mußten die Gastwirte dem Postboten persönlich übergeben.
Zirkus Blumenfeld. Das Interesse, das zirzensischen Spielen überall im Volke entgegengebracht wird, ist ein sympathisches Zeichen unserer Zeit, in der die Verweichlichung der Jugend vielfach recht schlechte Blüten zeitigt. Wer an strotzender Körperkraft, Agilität und wohlgestalteten Körperformen, sowie an dem Anblick edler Tierschönheiten Wohlgefallen findet, der besucht immer gern einen Zirkus, vorausgesetzt, daß das betreffende Unternehmen stark aus dem Rahmen der vielen kleinen reisenden Zirkussen heraustritt. Dieses starke Hervortreten bemerkt man auffallend bei dem Zirkus Blumenfeld. Bei ihm wird weniger Wert auf schreiende aufdringliche Reklame, als auf erstklassige Leistungen gegeben. Dieses Prinzip hat dem Unternehmen einen großen Stab von Freunden in allen Orten gesichert, wo es mit seinen Darbietungen auftritt. Seit dem letzten Hiersein vor zwei Jahren hat sich der Zirkus hinsichtlich der Bequemlichkeit und Sicherheit des Publikums noch wesentlich wieder verbessert. Die ganze Aufmachung ist eine durchaus würdige. Die Eröffnungsvorstellung am Sonnabend zeigte eine starke Besucherzahl und über die Darbietungen ist durchweg nur gutes zu sagen. Namentlich treten die Dressuren eines exzellenten Pferdematerials auffallend in die Erscheinung und kein Großstadtzirkus ist in der Lage, etwas besseres vorzuführen. Direktor Blumenfeld mit seinen Freiheitsdressuren, inmitten einer zu immer größerer Zahl anwachsenden herrlichen Gruppe von Tieren, bot ein prächtiges Bild. Das Auge vermag die Fülle in der Manege kaum zu fassen. Eine weitere durchaus neue Dressur, die als ein Erfolg auf diesem Gebiete bezeichnet werden muß, ist die Vorführung der Oldenburger Bullen durch die Gebrüder Blumenfeld. In Gemeinschaft mit einer arabischen Schimmelstute führten die beiden schwerfälligen Tiere exakt ihre Künste vor und erregten die Bewunderung der Zuschauer. Der tüchtige Schulreiter Otto Schumann ist uns schon von früher bekannt; seine Künste im Reiten der hohen Schule haben sich, trotzdem sie früher auf der Höhe waren, noch vermehrt. Das Glanzstück des Programms sind die historischen Ritterspiele, die nach einem Turnier aus dem Jahre 1380 von Direktor H. Blumenfeld arrangiert und inszeniert sind. Sie veranschaulichen unter Entfaltung großer Kostümpracht und kaleidoskopischem Wechsel farbenreicher Bilder den Verlauf der ritterlichen Turniere im Mittelalter. Es wohnt dieser Darstellung ein historischer und erzieherischer Wert inne. Die sonstigen Spezialitäten zeigen hier noch nicht gesehene Triks, eine kleine exotische Seiltänzerin bewegt sich mit einer verblüffenden Sicherheit auf dem straffen und schwankenden Drahtseil. Auch auf dem Gebiet des Zirkusulks wird Gutes geleistet, namentlich sind die Zuschauer von dem Verlauf der „Macht des Tanzes“ bestürzt. Alles in allem kann der Besuch wärmstens empfohlen werden. - heute abend findet die Abschiedsvorstellung statt, jedoch sei ausdrücklich hervorgehoben, daß diese Vorstellung genau so reichlich und wechselseitig ist, wie die vorhergegangenen Vorstellungen. Es ist dies auch ein besonderer Vorzug des Zirkus Blumenfeld.
Aus Guben und Umgebung
Für die Bautätigkeit in Guben ist das Frühjahrswetter äußerst förderlich gewesen. Nicht nur, daß mehrere Bauten aus dem Vorjahre fertiggestellt sind und schon im vorigen Monat bezogen werden konnten, sondern es sind auch die in den ersten Monaten dieses Jahres begonnenen Bauten soweit gefördert worden, daß mit der Fertigstellung in den nächsten Monaten gerechnet werden kann. Besonders rege ist wie immer die Bautätigkeit in den Außenbezirken. Im neuen westlichen Stadtteil, Grünstr., Deulowitzerstr., Pestalozzistr. usw. werden Wohnhäuser vorwiegend mit Wohnungen von 2 bis 4 Zimmern gebaut. Im Innern der Stadt und im Norden, sowie im nordöstlichen und südöstlichen Teil (Bergviertel) entstehen mehrere moderne Häuser im Landhausstil, die größere, mit allen neuzeitlichen Komfort ausgestattete Wohnungen enthalten werden. Einige Fabrik-An- bzw. Neubauten, die früher begonnen, sind jetzt betriebsfähig, während das neue Verwaltungsgebäude der Berlin-Gubener Hutfabrik A.-G. in der Uferstraße im Bau rüstig vorwärts schreitet. Auf der Gr. Wiese wird demnächst der Bau einer Villa in Angriff genommen werden. Die Stadtverwaltung selbst ist zur Zeit an der Bautätigkeit mit dem Bau der 6. Volksschule, ferner mit dem Bau des Stadtmuseums in der Königsstraße und mit dem staatlichen Eichamte an der Gasstraße usw., beteiligt. Ein hiesiger Architekt will in der kleinen Teichbornstraße fünf schmucke Wohnhäuser mit Vorgärten errichten lassen.


