die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Die Baumblüthe kann in diesem Jahre unter Umständen schon mit dem Osterfeste zusammenfallen. Vereinzelt blühen schon jetzt Pfirsich- und Aprikosenbäumchen. Bei den Spillingen, Kirschen, Pflaumen und Frühbirnen sind die Knospen vielfach schon so weit entwickelt, daß man ihr Aufbrechen in Kürze erwarten darf. Ein tüchtiger warmer Regen würde jetzt ein ungestümes tropisches Wachsthum erzeugen und die Obstbäume in kürzester Zeit zum Blühen bringen. Solche Voreiligkeit ist in den meisten Fällen verderblich.
Nicht nur im April, noch im Mai sind die alljährlichen Nachtfröste eingetreten. Je weiter die Entwicklung fortgeschritten ist, desto verhängnisvoller ist der Schaden, den ein Sinken der Temperatur unter den Nullpunkt anrichten kann....
Seit 55 Jahren ist ein so zeitiger Frühling nicht zu verzeichnen gewesen, wie in diesem Jahre. 1848 zeigte der Monat März eine ähnliche Temperatur, die in den Tagen vom 16. bis 20. zwischen 18-19 Gr. R. schwankte. Es wurden Versammlungen im Freien abgehalten und Ende März wurde die Hitze fast unerträglich empfunden. Und wie der Frühling, so war auch der Sommer. Eine anhaltende Hitze, die von einer großen Trockenheit begleitet war und bis spät in den September hinein anhielt, gestaltete den Sommer verhängnißvoll für die Landwirthe. Wie damals, ist auch in diesem Jahre der Pflanzenwuchs außerordentlich vorgeschritten und in seiner Entwicklung um einen vollen Monat verfrüht.
Zum heutigen Viehmarkte waren 897 Pferde und 1112 Rinder aufgetrieben. Für Standgeld wurden 419,80 Mark eingenommen, außerdem an Standgeld für Buden 74,75 Mark.

- Der Bismarckturm wird am Geburtstage Bismarcks, am 1. April, wieder erleuchtet werden, und zwar beginnt die Beleuchtung erst nach dem Fackelzuge, halb nach 9 Uhr. – Sonnabend den 3. April, findet im Stadttheater die angekündigte Vorstellung zu Gunsten des Bismarckturms statt. Herr Direktor Hänseler hat in höchst anerkennenswerter Weise diese Vorstellung bereitwillig zugesagt und dafür eine zugkräftige Novität, einen Einakterzyklus von Felix Salten, betitelt „Vom anderen Ufer“ bestimmt. Es sind 3 Einakter: Der Graf, Komödie; Der Ernst des Lebens, Schauspiel; Auferstehung, Komödie. Am Berliner Lessingtheater ist dieser Einakterzyklus mit großem Erfolg aufgeführt worden. Es ist dringend zu wünschen, daß das Theater an diesem Abend recht zahlreichen Besuch aufweist.
Unfall. Von einem leeren Ziegelfuhrwerk, das in schnellstem Tempo fuhr, wurde gestern Nachmittag in der Lubststraße ein 12jähriger Knabe überfahren und erheblich, wenn auch nicht lebensgefährlich verletzt. Als der Kutscher sah, was er angerichtet hatte, hieb er auf die Pferde ein und suchte mit um so größerer Schnelligkeit über den Kastaniengraben zu entkommen. Erst in der Crossener Straße wurde er eingeholt und seine Personalien wurden festgestellt. Es war der Kutscher einer Hermersdorfer Ziegelei.
Atterwasch. (Stiftung.) In den Ostertagen hatten unser Kirchspiel und namentlich die hiesige Dorfgemeinde eine besondere Freude. Das Werk der uns von den Geschwistern Bähr-Atterwasch zum Gedächtnis an ihren im Vorjahr entschlafenen greisen Vater gestifteten Turmuhr ist am ersten Feiertag morgens in Gang getreten. Die Uhr hat drei Zifferblätter, je eins nach Osten, Süden und Westen. Die Blätter sind weiß mit schwarzen Zahlen und heben sich so von der roten Turmfarbe treffend ab. Gelegentlich des Gottesdienstes am 1. Osterfeiertag wurde der Familie Bähr für dies hochherzige und praktische Geschenk öffentlich Dank ausgesprochen.
Das fünfzigjährige Amtsjubiläum. Eine fünfzigjährige Jubelfeier ist zu unserer Zeit in den Berufszweigen mit akademischer Vorbildung eine große Seltenheit geworden: Das Studium und der Vorbereitungsdienst nehmen eine längere Reihe von Jahren in Anspruch. Die seltene und schöne Feier ist nur dem beschieden, der seinen Universitätsbesuch rechtzeitig hat abschließen und sein Amt sehr früh hat antreten können und der imstande gewesen ist, es mit körperlicher Kraft und geistiger Frische bis in ein höheres Lebensalter zu führen. Beides trifft bei unserem Jubilar, dem Herrn Geheimen Rat Dr. Hamdorff zu... [Es folgt ein umfangreicher Text, der die Verdienste würdigt.]
Stadttheater in Guben. Zum letzten Male senkte sich gestern abend der Vorhang in der diesjährigen Schauspielsaison, die mancherlei Änderungen im hiesigen Theaterwesen brachte. Der Abschluß war vom ernsten künstlerischen Anspruch aus durch die Aufführung von Ibsens „Volksfeind“ ein ebenso würdiger, wie der Anfang mit Shakespeares reizvollem Lustspiel „Viel Lärm um nichts“ vielversprechend war. Der Unterschied lag nur darin, daß der erste Abend ein volles Haus, der letzte nur ein mäßig besetztes zeigte. Im Großen und Ganzen hat das erste Genossenschaftstheater, dessen Verwirklichung in den Reihen der Genossenschaft deutscher Bühnenangehöriger große Freude ausgelöst hat, in der ersten Etappe seines Bestehens das gehalten, was es versprochen hat. Das Repertoire trug jedem Geschmack Rechnung, aber in dem Besuch der einzelnen Vorstellungen trat die Neigung des Publikums eklatant in die Erscheinung. Nicht die sorgfältig vorbereiteten klassischen Werke und die Neueinstudierungen geistvoller älterer und neuerer Autoren zeigten den gewünschten Zudrang, sondern oberflächliche Erzeugnisse, die auf literarischen Wert keinen oder wenig Anspruch machen können, erwiesen sich als „Zug- und Kassenstücke“. In der letzten Saison unter Herrn Direktor Hänseler war die abgeschmackte Posse „Autoliebchen“ das sogenannte Kassenstück, in der gegenwärtigen Saison konnte jene Durchschnittsarbeit der Possenproduktion „Wie einst im Mai“ - sage und schreibe - 11 Aufführungen erleben! Eine derartige Verflachung des Geschmacks ist bedauerlich...
Ein bedauerlicher Unfall mit tödlichen Ausgang ereignete sich in der Nacht zum Sonntag im Gasanstaltsbetriebe. Dort war der Arbeiter Schulz aus Cuschern, ein Kriegsteilnehmer, mit der Entleerung eines Ofens beschäftigt. Wahrscheinlich hat der sonst vorsichtige und gewissenhafte Arbeiter nicht mit einer Volladung gerechnet und ist nicht rechtzeitig zurückgetreten. Durch eine Stichflamme scheint er ergriffen zu sein, die ihn schwere Brandwunden beibrachte, sodaß er in das städtische Krankenhaus überführt werden mußte, wo er seinen Wunden erlag. Da der Vorfall keine unmittelbaren Zeugen hatte, dürfte er nicht aufzuklären sein.
Ein Ziegendieb hat in der Nacht zum Sonntag auf einem Grundstück in der Karrgasse 1 Ziege und 2 Zickel an Ort und Stelle abgeschlachtet und gestohlen. Es sei hierbei erneut darauf aufmerksam gemacht, die Ställe mit der Wohnung durch eine elektrische Alarmvorrichtung zu versehen, damit die überhand nehmenden Diebstähle durch Abfangen der Täter auf frischer Tat verringert werden.
Besondere Leerung der Briefkasten am 31. März. Mit dem Inkrafttreten des neuen Postgebührengesetzes am 1. April unterliegen die in der Nacht vom 31. März zum April um 12 Uhr 1 Minute und später eingelieferten Sendungen usw. den neuen Tarifsätzen. Der Reichspostminister hat zur Vermeidung von Beschwerden angeordnet, dass die Hausbriefkasten der Postanstalten und die Briefkasten der Bahnposten, soweit Kräfte dazu im Dienst sind, um 12 Uhr nachts geleert werden. Sendungen aus Briefkasten, die nicht um Mitternacht geleert werden können, sind bei der ersten Leerung am 1.April nicht als unzureichend freigemacht anzusehen.
Lichtbildervortrag. Der Verein Heimatschutz und der Verein zur Pflege der Lichtbildkunst haben sich vereint, um in einem Lichtbildervortrag „das schöne Guben und seine Umgebung“ in Wort und Bild zu schildern. Der große Schützenhaussaal, in dem der Vortrag gestern Abend stattfand, war bis auf den letzten Platz besetzt: Spätkommende mussten sogar wegen Ueberfüllung des Saales wieder umkehren. Herr Professor Dr.Roes wies in einleitenden Vortrage auf die Bestrebungen der beiden genannten Vereine hin, die sich in der Pflege der Liebe zur Heimat durch bekanntmachen ihrer Schönheiten begegneten und rührte dann in etwa 70 ausgezeichneten Lichtbildern, die er nach verschiedenen Gesichtspunkten erläuterte, reizvolle Straßen- und Landschaftsbilder aus unserer Stadt und ihrer näheren Umgebung vor.Bei den von der Liebe zu unserer engeren Heimat und der Freude am Schönen und künstlerischen beseelten Ausführungen des Vortragenden dürfte vielen erst die Erkenntnis darüber aufgegangen sein, daß Guben mit vollem Recht den Beinamen „Perle der Niederlausitz“ führt. Wir kommen auf den Vortrag noch zurück.