die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Der heutige Viehmarkt war ausnehmend schwach beschickt. Es waren nur 855 Rinder aufgetrieben, besser beschickt war der Pferdemarkt, auf dem 1125 Pferde zum Verkauf gestellt waren. Zigeuner, die zum Vieh- und Pferdemarkt eingetroffen waren, ließen nach ihrer Gewohnheit ein halbes Dutzend Pferde ohne Weiteres in die Wiesen an der Kaltenborner Dubrau laufen, wo sie sich güthlich taten. Diesmal kam ihnen die Sache aber theurer zu stehen. Die Pferde wurden gepfändet und die Zigeuner mußten für jedes Pferd 2 Mark zahlen, außerdem erhielten sie ein polizeiliches Strafmandat über 10 Mark, das sie auch sofort bezahlen mußten.
Chausseebau. Die neue Verbindungschaussee zwischen der Sommerfelder und Guben-Forster Chaussee von Jeßnitz über Kohlo, Wirchenblatt, Weltho, Liebesitz und Reichersdorf geht streckenweise ihrer Vollendung entgegen. Von Jeßnitz bis Kohlo ist sie vollständig fertig, bis Liebesitz sind die Erdarbeiten vollendet und von Reichersdorf ab hat man mit der Steinschüttung und dem Walzen begonnen. Die letzte Strecke hätte schon fertig sein können, wenn nicht die Lieferung der Steine so unregelmäßig und spät erfolgt wäre. Die Fertigstellung des Verbindungsweges nach der Forster Chaussee bei Sadersdorf hat besonders für die Ortschaften Liebesitz und Reichersdorf große Vorteile. Oft sieht man aus genannten Ortschaften 10 bis 14 Wagen hintereinander nach Bahnhof Kerkwitz fahren, um hier ihren Bedarf an Kohlen, Düngemitteln usw. abzuholen. Dieser Verkehr wird sich ohne Frage beim Betriebe der Forst-Gubener Bahn nach Groß-Gastrose noch bedeutend vermehren, und die neue Chaussee wird demgemäß für die an derselben liegenden Ortschaften eine große Verkehrserleichterung sein. Für diejenigen Fuhrwerke freilich, welche von Guben nach Reichersdorf oder umgekehrt wollen, wird ja stets der bei Niemitzsch abbiegende Weg der nächste sein. Leider ist er sehr sandig und uneben, so daß er von Lastfuhrwerken meist nur unter Vorspann zu benutzen ist. Vielleicht verstehen sich die Interessenten mit der Zeit dazu, diesen Weg im Anschluß an die neue Chaussee mit einer festen Schüttung zu versehen.
Grobe Ausschreitungen wurden Sonntag abend in der Sprucke durch 3 Ulanen verübt, die auf einem Dorfe der Umgebung einquartiert waren. Sie rasselten dabei sehr mit dem Säbel und erschreckten friedliche Einwohner. Ihre Namen sind ermittelt und dem Regiment ist Anzeige von ihren Heldentaten erstattet worden.
Enthüllung des Clausnitzer-Denkmals. Auf dem Jerusalemer Kirchhof in Berlin, wo seit fast zwei Jahren der frühere Vorsitzende des Deutschen Lehrervereins Clausnitzer ruht, wurde diesem verdienten Manne gestern Nachmittag ein schlichtes Grabdenkmal geweiht. Bekanntlich wurde Clausnitzer in Groß-Breesen geboren…
Eine empfindliche Strafe für Wackel- und Schiebetänzer Von allen Unsitten der Großstadt, die sich nach der Provinz verpflanzen, sind die in letzter Zeit viel genannten Wackel- und Schiebetänze das häßlichste, was je seinen Ausgang aus der Großstadt nahm. Ursprünglich glaubte man es mit einer vorübergehenden Erscheinung zu tun zu haben, nachgerade ist dieses Treiben aber zu einem allgemeinen Aergernis ausgewachsen, das zu beseitigen nicht nur die Polizei unternommen hat, sondern auch die Saalbesitzer als ihre Aufgabe betrachten. Da die genannten Tänze ausarteten, ließ die Polizei in allen Lokalen Plakate anbringen, laut denen die geschmacklose Tanzweise verboten und jede Uebertretung mit Strafe bedroht wurde. Es gab aber noch immer Tänzer und Tänzerinnen, welche an diesem Auswuchs der Tanzsitte Gefallen fanden, und so sah sich die Polizei genötigt, dem Uebel einmal energisch zu Leibe zu gehen, in den Sälen Razzia zu halten und die Uebertreter des Verbots wegen Erregung öffentlichen Aergernisses zur Anzeige zu bringen. Gestern hatten sich nun unter der Anklage, ein öffentliches Aergernis erregt und groben Unfug verübt zu haben, vor dem hiesigen Schöpffengericht der 21jährige, noch unbestrafte Dentist Wilhelm Sch. Aus Crossen a.O. und die 19jährige Weberin Margarete G. aus Guben zu verantworten, da sie in einem hiesigen Lokal den Wackel- und Schiebetanz tanzten. Die Oeffentlichkeit war während der Verhandlung ausgeschlossen. Sch. hat, wie er angab, den Tanz wiederholt getanzt, ohne daß jemand Anstand daran genommen hätte; er gab aber zu, daß der Tanz gegen die gute Sitte verstoße. Die G. wollte nichts Unpassendes dabei gefunden haben; die jungen Mädchen, die ihn nicht mittanzten, blieben als „Mauerblümchen“ sitzen. Durch die Zeugen wurde bekundet, daß gerade dieses Paar es besonders schlimm trieb. Der Amtsanwalt beantragte gegen Sch. zwei Wochen Gefängnis und gegen die G. 25 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof erkannte jedoch wegen Erregung öffentlichen Aergernisses bezw. wegen Verstoßes gegen die guten Sitten gegen Sch. nur auf 80 M, gegen die G. auf 15 M Geldstrafe oder für je 5 M einen Tag Gefängnis. – Es stehen noch weitere Fälle zur Aburteilung. Hoffentlich lassen sich alle Tänzer und Tänzerinnen das Urteil zur Warnung dienen und unterlassen diese unanständige Tanzweise. Die Kontrolle wird nach wie vor streng geübt.
Ausfall des Schulunterrichts.
Der Kaiser hat angeordnet, daß heute der Unterricht in den Schulen ausfallen sollte, um dadurch den Lehrern und Schülern seinen Dank für Ihren Anteil am Gelingen der dritten Kriegsanleihe zum Ausdruck zu bringen. (Siehe auch Hauptblatt. D. Red.) Diese Anordnung des Kaisers erreichte die hiesigen Schulleitungen aber so spät, daß die Schüler und Schülerinnen dieser zweifellos mit Freuden begrüßten Anordnung nicht mehr teilhaftig werden konnten. Lehrer und Schüler werden sich indessen des glänzenden Erfolges der dritten Kriegsanleihe, zu dem sie in erheblichem Maße beigetragen haben, erfreuen, wenn sie auch nicht mehr von der Anordnung berührt wurden, mit der der Kaiser ihnen seinen Dank zum Ausdruck brachte.


Junghähnels Sänger hatten hinsichtlich des Besuchs bei ihren gestrigen Gastspiel im Schützenhause auch unter der Flut der Veranstaltungen zu leiden. Dessenungeachtet unterhielten die vielseitigen Mitglieder der Gesellschaft das Publikum aufs beste. Stürmische Lachsalven erfüllten bei den mannigfaltigen Darbietungen den Saal und gaben der lustigen Herrengesellschaft erneut den Beweis eines großen Wohlwollens. Ueber die sorgfältige Aufmachung der Junghähnelschen Gastspiele ist kein Wort mehr zu verlieren, die langjährige Einkehr der Gesellschaft in Guben hat bereits zur Genüge den Beweis der Zufriedenheit erbracht.