die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Naemi Wilke-Stift. Ein Überblick über die Arbeit im Krankenhause des Naemi Wilke-Stiftes dürfte wohl manchem Leser dieses Blattes willkommen sein. Am Anfang des Jahres 1905 waren 22 Kranke im Hause, nämlich 13 männliche und 9 weibliche. Dazu kamen im Laufe des Jahres 204 männliche und 206 weibliche Patienten, sodaß die Gesamtzahl aller Verpflegten 432 betrug. Davon waren 1. Klasse 13 m., 10 w., zusammen 23 Patienten, 2. Klasse 14 m., 24 w., zusammen 38; 3. Klasse 192 m., 179 w., zusammen 371. Geheilt oder gebessert entlassen wurden 163 m., 170 w., zusammen 333, ungeheilt entlassen wurden 27 m., 21 w., zusammen 48 Patienten. Es starben 11 m., 13 w., zusammen 24 Kranke. An Operationen wurden 163 chirurgische, 85 Augenoperationen, 51 gynäkologische und 32 Nasen- und Halsoperationen, zusammen 331 Operationen ausgeführt. Da die Herren Ärzte, welche im Stift arbeiten, dabei vielfach gemeinsam tätig sind, vielen von den Operationen 230 auf den ersten Anstaltsarzt, Dr. Ayrer, 130 auf Dr. Schultze; 50 führte Dr. Balack und 22 Dr. Goldschmidt aus. An Verpflegungstagen wurden 10 263 gezählt. Durchschnittlich blieb ein Kranker 231/2 Tage im Krankenhause. Am 31. Dezember hielten sich 27 Patienten im Hause auf. Die Pflege liegt in den Händen lutherischer Diakonissen. Für die Männer ist in Wärter eingestellt.
Die gestern erwähnte Herabsetzung der Arbeitszeit in den Berlin-Gubener Hutfabriken bezieht sich nur auf die Abteilung Lißner, nicht auf das Stammhaus der Gesellschaft. In letzterem sind mit den Arbeitern gleichfalls bereits Verhandlungen über die Herabsetzung der Arbeitszeit gepflogen worden, doch ist man noch nicht zu einem endgültigen Beschluß gekommen.
Schlagsdorf. (Brückenbau) Über den Verlauf der kürzlich an Ort und Stelle gepflogenen Konferenz von Vertretern der Staats-, Kreis- und Lokalbehörden über den Neubau der Schlagsdorfer Neißebrücke, worüber wir bereits ausführlich berichtet haben, wird uns heute noch ergänzend geschrieben, daß vorbehaltlich der Genehmigung der maßgebenden Instanzen vereinbart worden ist, die neue Brücke möglichst neben der jetzigen alten Brücke nach der Eisenbahnhaltestelle zu erbauen, so daß die alte Brücke während der Bauzeit weiter benutzt werden kann und die Herstellung einer Notbrücke sich erübrigt. Die Verlegung der Brücke macht auch eine Verlegung der Zufahrtstraße notwendig. Ob die Brücke in Beton (wie die Groß-Gastroser und die Markersdorfer Neiße-Brücken) oder in Eisen und evtl. mit Holzbelag errichtet werden soll, darüber steht die Entscheidung noch aus. Für die Benutzung der alten Brücke, die bekanntlich der Staat unterhalten muß, der infolgedessen auch den Neubau ausführen lassen muß, wird in Schenkendorf noch ein Zollgeld erhoben. Ob dieses auch für die neue Brücke weiter beibehalten werden wird, steht noch dahin. Der Neubau der Brücke soll, sobald die Platz- und Kostenfrage sowie die Bauart von den maßgebenden Behörden endgültig entschieden sein wird, ungesäumt in Angriff genommen werden, zumal die alte Brücke schadhaft und für schweres Fuhrwerk nur mit Gefahr zu passieren ist.
Grabkow. (Begräbnisplatz.) Die hiesige Gemeinde, die ihre Toten auf dem einige Kilometer entfernten Atterwascher Kirchhof beerdigt, hat beschlossen, einen eigenen Begräbnisplatz einzurichten und hierzu einen Teil des 15 Morgen umfassenden Gemeindegrundstücks zu verwenden.
Der Gubener Zitherklub veranstaltet am Sonntag, den 5. März, im „Hotel Kronprinz“ ein Konzert. Diese Konzerte, die sich großer Beliebtheit erfreuen, hatten bisher stets einen recht großen Besuch zu verzeichnen. Ein sorgfältig ausgewähltes Programm, in dem zur Abwechslung auch Gesangsvorträge sowie ein echter oberbayerischer Schuhplattler vorkommen, bürgt für einige genußreiche Stunden. Der Besuch kann umsomehr empfohlen werden, als der Reinertrag dem Verschönerungsverein überwiesen wurde.





Eine Schiffstaufe mit Hindernissen. Die Flensburger Schiffswerft hat gestern vormittag ihre gesamte Arbeiterschaft, etwa 2000 an Zahl, ausgespert. Ein für die Aktiengesellschaft Hugo Stinnes in Hamburg erbauter, 12 000 Tonnen großer Dampfer sollte gestern von Stapel laufen. Das Schiff sollte den Namen Tirpitz erhalten, womit sich jedoch die Mehrheit der Arbeiterschaft nicht einverstanden erklärte. Da ein Vermittlungsvorschlag ergebnislos verlief, griff die Direktion zu der genannten Maßnahme. Staatssekretär a.D. von Tirpitz, der mit Stinnes und anderen Persönlichkeiten auf der Werft erschien, taufte das Schiff auf seinen Namen. Der Stapellauf erfolgte indessen nicht.