die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Die hiesigen Fernsprechtheilnehmer sind zum Sprechverkehr mit Altona (Elbe), Bergedorf, Blankenese, Brandenburg (Havel), Dessau, Hamburg und Harburg (Elbe), zugelassen worden. Die Sprechgebühr beträgt 1 Mark.
Die Schaustellung von Barnum & Bailey gab, wie bereits mitgetheilt, statt der angekündigten zwei Vorstellungen nur eine, und zwar um 2 Uhr Nachmittags, eine nicht sehr günstige Zeit. Mehrere tausend Menschen waren trotzdem und trotz der Hitze hinausgewandert. Zunächst gelangte man in das große Manegeriezelt, das thatsächlich eine prachtvolle zoologische Ausstellung enthält. Man sieht dort, wie bereits gestern erwähnt, eine Schaar Kameele und eine beträchtliche Anzahl riesiger Elephanten. Ferner Raubthiere aller Art, kostbare Vögel und andere lebende Wesen aus allen Zonen, die zum Theil in mit reichen Verzierungen geschmückten Wagen untergebracht sind. Ferner befindet sich in diesem Zelte in der Mitte auf einer erhöhten Schaubühne eine Anzahl menschlicher Mißgeburten und Abnormitäten, die in Amerika wohl mehr Anziehungskraft ausüben als in Deutschland, wo die meisten dieser zur Schau gestellten Menschen für unglückliche Wesen angesehen werden, die unser Mitleid verdienen. Von diesem Zelt gelangt man in das große Zelt für die Schaustellungen, das in seiner Größe selbst die höchsten Erwartungen übertrifft. Die paar tausend Menschen verschwanden geradezu in diesem Riesenraume; viele tausende Plätze blieben unbesetzt. Amphitheatralisch bauen sich die Sitze rings auf, so daß man wohl von jedem Platze aus gut sehen kann – wenn das Auge soweit reicht. Drei Manegen und dazwischen zwei Bühnen sind aufgestellt, und es kommt oft vor, daß nicht nur an allen diesen zu gleicher Zeit gearbeitet wird, sondern daß man auch noch an den zahllosen Seilen, Trapezen und Strickleitern u.s.w., die von oben herabbaumeln, überall arbeitende Künstler sieht. Das Auge vermag der Fülle und Mannigfaltigkeit des Dargebotenen gar nicht zu folgen, und während man seine Aufmerksamkeit einer Production zuwendet, die man gerade ins Auge gefaßt, wird man durch lauten Beifall von der anderen Seite darüber belehrt, daß dort ein Kunststück ausgeführt worden ist, das man völlig übersehen hat. Von Akrobaten wimmelt es in der Luft und auf dem Boden. Keine Pause giebts, ununterbrochen reiht sich eine Production an die andere an drei, vier, einem halben Dutzend verschiedenen Stellen, sodaß die Zuschauer kaum zu Athem kommen und nicht wissen, wohin sie ihre Aufmerksamkeit wenden sollen. Was nun die Güte der Leistungen anbetrifft, so werden fleißige Cicusbesucher gewiß schon speziell die Reitkünste ebenso gut und besser in den bekannteren deutschen Circussen gesehen haben. Hier, bei Barnum und Bailey, soll die Masse wirken, die Güte der einzelnen Productionen leidet darunter, allerdings nicht immer, so z.B. leisten die Luftakrobaten Außerordentliches. Auch die rätselhaften Bewegungen eines Menschen in der geschlossenen Kugel, der waghalsige Rutsch eines Japaners auf einem Seil von fast ganz oben zur Erde und vieles andere, was wir gar nicht aufzählen können, sind durchaus interessante Leistungen. Viele dieser Productionen bekommt man in größeren Spezialitätenbühnen gewiß ebenfalls zu sehen, in solcher Reichhaltigkeit und Mannigfaltigkeit allerdings nicht. Mit zum Besten gehörten die verschiedenen Wettrennen in dem großen freien Raum zwischen Manegen und Bühnen und dem Zuschauerraum, wobei sich nur das Terrain stellenweise etwas hinderlich erwies. Das Terrain bildete überhaupt den wunden Punkt und hat bekanntlich auch die Direktion veranlaßt, die Abendvorstellung ausfallen zu lassen. Da sie selber den größten Schaden davon hatte, indem für die zweite Vorstellung mit Sicherheit auf einen viel stärkeren Besuch zu rechnen war und der Circus nun doch einmal aufgebaut war, wird man ihren Angaben wohl Glauben schenken müssen, daß sie lediglich der in der That miserablen Zufuhrwege und des sandigen unebenen Terrains wegen die Abendvorstellung ausfallen ließ, um noch bei Tage die Wegschaffung des gesammten Materials zu ermöglichen; das Wegräumen erforderte hier trotzdem viel mehr Zeit, als die Circusleitung gewöhnt ist; wäre Abends noch gespielt worden, so wäre der ganze genau festgelegte Reiseplan gefährdet worden. Ist uns doch von Augenzeugen versichert worden, daß bis 22 starke Lastpferde vor einen Wagen gespannt werden mußten, um ihn auf festen Boden zu schaffen. Die zahlreichen Besucher von auswärts, die gegen Abend eintrafen, waren allerdings nicht wenig entrüstet, daß ihre Reise umsonst war. So mangelhaft das Terrain war, ein Uebelstand hätte unseres Erachtens aber doch beseitigt werden müssen; der Zugang führte von der Straße weg direkt über eine Schuttabladestelle, auf der noch allerlei Gerümpel, Topf- und Glasscherben und dergl. lag; über alles das musste das Publikum hinweg. Wen hier die Schuld trifft, wissen wir nicht, halten es aber für eine große Rücksichtslosigkeit, daß diese Stelle nicht gesäubert worden war.
Respektabler Bergsport. Eine erfolgreiche Besteigung des Groß-Venedigers – in diesem Jahre überdies die erste - führten mehrere Herren unserer Stadt dieser Tage aus. Der Groß-Venediger erhebt sich 3600 Meter hoch und ist der zweithöchste Berg der Hohentauernkette, deren höchster, der Groß-Glockner, 3800 Meter hoch ist. Was die Besteigung des mit ewigem Schnee bedeckten Groß-Venedigers besonders lohnen macht, ist seine ausnahmsweise schöne Gletscherentwicklung. An die kraft und Ausdauer des alpinen Hochtouristen stellt eine solche Ersteigung ungewöhnlich große Anforderungen; außerdem gehört dazu eine für das Hochgebirge vorschriftsmäßige und zuverlässige Ausrüstung. Der Auf- und Abstieg nahm nicht ganz vier Tage in Anspruch, und zwar wurde die Tour unter Begleitung mehrer Bergführer von der nördlichen Seite her, aus dem Pinzgautal und Sulzbachtal unternommen. Dieser Aufstieg gilt als der schwierigere, hat aber den Vorzug der kürzere zu sein.
Die Sparkasse und das Standesamt werden im Laufe des Winters nach dem von der Stadt angekauften Grundstück Lindengraben 18 verlegt werden. Die Stadtverordneten genehmigten gestern die Kosten zum Ausbau des Grundstücks für diese Zwecke, auch die Kosten für die Errichtung einer Stahlkammer für die Sparkasse, lehnten dagegen die Einrichtung verschließbarer, an das Publikum zu vermietender Sicherheitsfächer (Safes) für die Sparkasse ab.
Ringkämpfe im Hotel Kronprinz. Zu welcher Beliebtheit es der Berliner Barkowski bei dem hiesigen Publikum gebracht hat, konnte man gestern wieder erkennen, als er nach 1¼ stündigem schweren Kampfe den Dänen Petersen auf beide Schultern rollte und der Beifall gar kein Ende nehmen wollte. Barkowski hat aber auch eine unerschütterliche Ruhe beim Ringen, an welcher selbst die Brutalitäten Petersens scheitern. In der 75. Minute des Kampfes muß Barkowski in die Brücke gehen. Petersen versucht nun durch Aufbietung aller Kraft diese einzudrücken. Plötzlich klemmt Barkowski die Arme des Gegners ein und durch doppelten Armzug ist Petersen besiegt. Vorher rang noch Paradanoff gegen Eggenberg. Sieger Paradanoff nach einer Gesamtkampfdauer von 55 Minuten. – Heute ist nun der letzte Tag der Konkurrenz, und zwar ringen um den ersten und zweiten Preis die beiden bisher unbesiegten Paradanoff gegen Barkowski. Um den dritten Preis Petersen gegen Eggenberg. Nachdem findet die Verkündigung der Sieger und Preisverteilung statt.

Postkurierdienst mit deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen. Jedem Kriegs- und Strafgefangenen in Rußland ist es jetzt gestattet, 2 mal monatlich eine Postkarte an die Angehörigen zu schreiben. Diese Postkarten werden von den einzelnen Bezirkskommissionen an das deutsche Fürsorgekomitee in Moskau gesandt und von hier an die
Postüberwachungsstelle Berlin zur Sendung an die Angehörigen weitergegeben. Umgekehrt dürfen die Angehörigen, soweit sie im Besitze einer genauen Adresse sind, monatlich 2 Postkarten (keine Briefe und Pakete) senden, die in der Kriegsgefangenenfürsorgestelle des Roten Kreuzes (Gymnasium) erhältlich sind und von dieser an die Postüberwachungsstelle Berlin weitergeschickt werden.
Die Lichtspiele an der Neißebrücke bereiten für ihre Besucher eine neue Ueberraschung vor. Wie uns mitgeteilt wird, wird in den nächstmöglichen Spielplan und zwar vom 27. Bis 29. Juli ein Abendprogramm: Die Alpen in Bild und Lied, ferner ein Jägerdrama eingereiht. In bezaubernder Naturpracht bietet sich dem Auge Bild um Bild der reizvollsten Alpenländer. Herrlich koloriert sehen wir Berge, Grotten, Wasserfälle, Bergfelsen, dazwischen die Herden auf der Alm, Abend- und Morgenröte, Sonnenaufgang. Die Wirkung des Films wird noch erhöht durch die Gesänge des Jodlerpaares Jahoda. Das Sängerpaar bringt Jodler, wie man sie nur in den südlichen Bergländern kennt, zu Gehör, aber auch bekannte Ländler, das „Hoch vom Dachstein“ und das „Berner Oberland“ und sonstige Melodien der Kinder der Berge wird man hören. Durch Gesang und Bild wird eine Wirklichkeit geschaffen, die jeden Besucher in Entzücken versetzen wird.