die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Vom Wetter. "Gutes und Böses prophezei´n - durcheinander muß der Prophet; - Eins von Beiden trifft immer ein, - daß er nie mit Schanden besteht!" Dieses Wort Friedrich Rückerts sollten die Wetterpropheten sich künftig als Lehre dienen lassen. Denn alle, die das Wetter für den Winter 1902/03 vorausgesagt haben, sind schlechte Propheten gewesen; die einen meinten, wir würden einen sibirischen Winter bekommen, die anderen sprachen von einem warmen Winter. Nun erleben wir, daß keiner Recht hat; zeitweise war uns strenger Frost beschieden, dann wieder wehte fast Frühlingsluft. Am tollsten aber treibt es der Februar; goldigster Sonnenschein lockte schon, so daß einige Vorwitzige bereits vom Frühling sprachen, kaum aber war das Wort heraus, verfinsterte sich der Himmel und Regenmassen gingen hernieder. Auch heftige Stürme setzten ein, und hierauf kamen Graupelschauer und Schneefälle. Das alles hinderte indessen nicht, daß bald darauf Frau Sonne uns wieder anlächelt und das Quecksilber im Thermometer plötzlich 5 Grad unter den Nullpunkt sinkt. Der April könnte nicht launischer sein als dieser Februar, der dafür sorgt, daß der tückische Gast Influenza bei uns bleibt und sich recht breit macht, sehr zu unserem Verdruß.
Wie Moltke über lange Reden dachte. Es ist bekant, daß Moltke den Offizieren des Generalstabes, die ihm statt kurzer Arbeiten voluminöse Hefte überreichten, sie mit dem Bemerken zurückgab, sie hätten heute wohl nur wenig Zeit gehabt, da sie so viel geschrieben hätten. Neu dagegen ist die Unterhaltung mit dem "großen Schweiger", die ein ehemaliger Parlamentarier in der "Köln. Ztg." über Moltkes Kritik des Redeflusses mittheilte. Er erklärte, er verstehe einfach nicht, wie Abgeordnete so unbescheiden und rücksichtslos sein könnten, ihren Kollegen des Anhören langweiliger Reden zuzumuthen. Das sei geradezu die kostbare Zeit der Zuhörer gestohlen. Wer eine Rede wohldurchdacht und gründlich vorbereitet habe, könne durchweg innerhalb höchstens 20 Minuten die wichtigsten parlamentarischen Fragen erörtern; wer länger rede, pflege in der Regel seinen Stoff nicht zu beherrschen, sei unklar im Denken oder sei zu faul, um rechtzeitig seine Rede vorzubereiten und gründlich durchzuarbeiten.
Probefahrten mit der elektrischen Straßenbahn wurden heute Vormittag unternommen. Die Wagen durchfuhren mit Schnelligkeit die Straßen; anscheinend klappte alles gut. Natürlich erregten die Wagen allgemeines Aufsehen und große Menschenmengen, unter denen die Jugend stark vertreten war, sammelten sich überall an, wo ein Wagen anhielt.
Auf dem hiesigen Einwohner-Meldeamt sind im Jahr 1904 5593 Personen angemeldet worden (515 mehr als im Vorjahre.) Zur Abmeldung sind 4843 Personen gelangt (235 mehr als im Vorjahre). Die Einwohnerzahl betrug am 31. Dezember 1904: 35601. Die Stadt ist im vergangenen Jahre um 1004 Seelen gewachsen.
Frühlingsahnen. Wie weit in diesem Jahre die Vegetation bereits fortgeschritten, zeigt ein Spaziergang über den alten Kirchhof: Schneeglöckchen und Krokus stecken überall die Köpfchen hervor und Meisen, Finken und Stare lassen bereits ihr Lied erschallen. Wenn nun auch nicht gesagt werden soll, daß der Winter endgültig vorüber ist, so ist es doch nicht ausgeschlossen, daß nach einem kurzen Nachwinter im März dauerns schönes Frühlingswetter eintritt, wie dies im Jahre 1869 der Fall war, wo bereits im April die ganze Baumblüte vorüber war und um den 20. Mai frühe Gubener Kirschen auf den Markt gebracht wurden.
Gr.-Gastrose, Anschaffung eines Leichenwagens. Einem seit langem fühlbaren Bedürfnis ist durch die hiesige Gemeinde abgeholfen worden. Da Gr.-Gastrose noch keinen eigenen Friedhof besitzt, sondern in Niemitzsch beerdigen muß, mußte bei Begräbnissen ein meist primitives Fuhrwerk benutzt werden, da in vielen Fällen die Benutzung eines Leichenwagens, der bei Gubener Fuhrgeschäften bestellt werden mußte, für Minderbemittelte, der immerhin beträchtlichen Kosten wegen, unterbeleiben mußte. Diesem Übelstande ist nun durch Anschaffung von elektrischem Licht eines eigenen Leichenwagens seitens der hiesigen Gemeinde abgeholfen worden. Der Leichenwagen kann gegen eine mäßige Gebühr, deren Höhe noch festgesetzt werden soll, benutzt werden...

Stadttheater. Morgen findet die letzte Aufführung von „Fledermaus“ statt. Die Rolle des Alfred singt nach längerer Erkrankung Herr Walter. Donnerstag geht zum ersten Male „Polnische Wirtschaft“ in Szene. Das Stück ist teilweise mit neuen Gesangstexten versehen und liegen die Hauptrollen in Händen der Damen Waldow, Holbein, Marren, der Herren Marberg, Lorenz, Jahn und Melzer. Spielleitung: S. Heinzel.
Stadttheater.Die lustige Studenten -Operette „Es zog ein Bursch hinaus“ wird am Freitag Abend zum letzten Male gegeben. Für Sonntag Nachmittag wird das neue Kindermärchen von R. Büttner „Der Froschkönig“ oder „Der eiserne Heinrich“ einstudiert : abends zum vierten Male „Die Tänzerin“, Operette von H. Betscch. Schillers Freiheitsdrama „Wilhelm Tell“ wird in der nächsten Woche mit Herrn Hans Mühlhofer vom Staatstheater Berlin in der Titelrolle gegeben werden.