die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Eine Maikäferinvasion von ungeheurem Umfang wird aus Speyr gemeldet. Braune Heerscharen sind über die junggrünen Bäume und Sträucher hergefallen, zahlreicher als die Armeen sämmtlicher Großmächte. Viele Bäume sind schon kahl gefressen. Die liebe Jugend hat an den "Braunröcken" ihre Freude, nicht aber der Landmann und Gutsbesitzer. Die Gemeinden treffen alle Vorkehrungen, die Schädlinge zu dezimiren. Um den Maikäferfang möglichst zu fördern, werden aus der Stadtkasse 5 Pf. Für den Liter Maikäfer bei der Ablieferung bezahlt.
Die Baumblüte, die im vorigen Jahre ungewöhnlich früh eintrat, kommt in diesem Jahre ungewöhnlich spät. Obwohl an den frühblühenden Bäumen die Knospen allmählich überall herauskommen, wurde im April noch nirgends von Baumblüte etwas wahrgenommen, eine für unsere Berge ungewöhnliche Erscheinung, denn in günstigen Jahren blühten oft schon Ende März Aprikosen und frühe Kirschen Anfang April. In diesem Jahre werden spätere Sorten, namentlich Aepfel, selbst bei günstiger Witterung, kaum viel vor Pfingsten blühen.
Errichtung eines Säuglingsheims
Auf der Tagesordnung der nächsten Stadtverordneten-Versammlung steht, wie schon kurz vorgemerkt wurde, u. a. auch der Punkt „Annahme von Zuwendungen“. Es handelt sich um die Zuwendungen der Berlin-Gubener Hutfabrik Akt.- Ges. vorm. A. Cohn und des Direktors der Firma, Herrn Stadtrats Herm. Lewin, im Betrage von je 25 000 M. Am 17. April d. J. konnte bekanntlich die Berlin-Gubener Hutfabrik Akt.-Ges. vorm. A. Cohn das Jubiläum ihres 25jährigen Bestehens feiern. Bei diesem Anlaß hat der Vorstand der Firma in Ausführung eines General-Versammlungs- und Aufsichtsrats-Beschlusses der Gesellschaft vom 29. März 1913 einen Betrag von 25 000 M zur Errichtung eines Säuglingsheims der Stadtgemeinde Guben mit der Maßgabe zur Verfügung gestellt, daß die Firma das Kapital noch 2 Jahre behält und es bis dahin vom 30. April d. J. ab der Stadt mit 8 % verzinst. Am 1. Mai 1915 wird alsdann das Kapital von der Stadt übernommen. Das Säuglingsfürsorgeheimgehört zu den Wohlfahrtseinrichtungen, deren Gründung anläßlich des Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers und Königs geplant ist. Die Verwirklichung des Projekts ist dadurch sicher gestellt, daß auch Herr Stadtrat Lewin hierfür anläßlich seines 25jährigen Jubiläums als Direktor der vorbezeichneten Aktiengesellschaft der Stadt eine dankenswerte Zuwendung von 25 000 M gemacht hat, sodaß also 50 000 M. zur Verfügung stehen. Die Ausführung des Projekts ist bereits mehrfach Gegenstand der Beratung der verstärkten Wohlfahrtsdeputation gewesen. Nähere Bestimmungen über die Errichtung werden nach Einholung der für die Annahme der Schenkung erforderlichen landesherrlichen Genehmigung getroffen.

Die Rettungsringe zur Rettung Ertrinkender befinden sich im Märk. Elektr.- Werk an der großen Neißebrücke und im Zentral- Hotel, Alte Poststr.
Unwahres Gerücht. In den letzten Tagen ging hier das Gerücht um, daß zum 1.Mai 50 Mann Regierungstruppen nach Guben beordert seien. Auf eine Anfrage in der gestrigen Stadtverordneten-Versammlung (siehe den Bericht) erklärte der Oberbürgermeister, daß ihm von einer derartigen Maßnahme nichts bekannt sei.
Mutige Tat eines Schülers. Am Sonntag fiel ein 6 jähriger Knabe in die Lubst, die an der Unfallstelle tief und strömig ist. Der 12 jährige Schüler Karl Doms, der sich in der Nähe befand, sprang dem Knaben sofort nach und rettete ihn an das Ufer. Diese mit Mut und Entschlossenheit ausgeführte Tat ist lobend anzuerkennen.
Cottbus 20.April. (Bluttat) Wie gestern Abend in später Stunde der Landwirt und Viehhändler Quißke in Kunersdorf bei Cottbus mit Sohn und Tochter aus Cottbus, wo sie Besorgungen erledigt hatten, heimkehrten, fanden sie die Ehefrau Quißke mit durchschnittenen Halse im Bette liegend tot vor. Ehemann und Sohn hatten sich schon früh morgens, die Tochter am Nachmittag nach Cottbus begeben. Die Bluttat scheint am späten Nachmittag verübt worden zu sein. Der Verdacht der Täterschaft richtet sich gegen einen Mann im grauen Militäranzug, der im Dorfe Geflügel einkaufen wollte.
Die alte Neißebrücke soll demnächst abgebrochen werden. Um nun denjenigen, die gerne eine Erinnerung an das alte Bauwerk haben möchten, zu dienen, hat der durch seine perfektypischen und landschaftlichen Zeichnungen bekannte Ober-Telegraphen- Sekretär Schünke hier die Brücke abgezeichnet und ist bereit, die Zeichnung, falls sich Liebhaber dafür finden, vervielfältigen zu lassen. Das Original, eine äußerst sauber ausgeführte Federzeichnung, die die Holzkonstruktion der alten Brücke deutlich hervortreten lässt, ist in der Buchhandlung von Julius Deutz ausgestellt.