die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Gestern fand eine Besichtigung der Kläranlage durch die Kanalisations-Kommission unter Führung des Herrn Oberbürgermeister Bollman statt. Der Erbauer der Kanalisation Herr Ingenieur Rosenquist erklärte die höchst sinnreich eingerichtete Anlage, deren Betriebseröffnung in kurzer Zeit stattfinden wird. Die Bauten sind fast vollständig fertiggestellt, die Maschinen sind montiert und warten nur noch auf den elektrischen Strom, dessen Leitung durch die Umgehung des Koenigsparkes noch nicht vollständig ausgeführt werden konnte, da durch die Führung durch die Eichholzstraße einige Stützen mehr gebraucht werden. Die geringe Verzögerung, welche durch die veränderte Führung, die auf alle Fälle besser als die ursprünglich projektierte angesehen werden muß, ist ohne Bedeutung, da auch noch an dem Abführungskanale gearbeitet wird. An den Kanälen im Stadtgebiet wird eifrig gearbeitet, so daß der Bau der gesamten Kanalisation, unter der umsichtigen Leitung des Herrn Rosenquist, bedeutend früher beendet sein wird, als man angenommen hat.

Zum Schutz der Pferde. Von dem Tierschutzverein sind an die Besitzer von Pferden jetzt Strohhüte abgegeben, um die Pferde bei der jetzigen heißen Jahreszeit gegen Hitzschlag zu schützen. Es sind diese Hüte derselben Art, wie man sie in größeren Städten schon seit Jahren eingeführt hat.

Im Lichtspiel- Theater, Gasstraße, wird jetzt der großzügige Aufklärungsfilm „Es werde Licht!“, den Richard Oswald und E. A.. Dupont mit Unterstützung der Aerztlichen Gesellschaft für Sexualwissenschaft und unter Mithilfe des bekannten Forschers Dr. Iwan Bloch geschaffen hat, aufgeführt. Gibt der erste Teil der eigenartigen und für das Volkswohl hochwichtigen Unternehmung eine eindringliche Mahnung, mit allen Kräften gegen gefährliche Bluterkrankungen zu Felde zu ziehen, so zeigt der zweite Teil in überaus packender und dramatischer Weise ein Bild der Größe der Gefahr der geschlechtlichen Ansteckung.
Kann ärztliche Zunft in der Mehrzahl der Fälle langjährige und gewissenhafte Behandlung die Erkrankten der Heilung zuführen, so wird eine erfolgreiche Behandlung doch nur durch rastlose Aufklärung und Schärfung des Verantwortlichkeitsgefühls des einzelnen möglich sein. Und zu diesen Zweck ist, der die Ansteckungsgefahren
so vorzüglich zeigende Film, ganz besonders geeignet. Die Zuschauer stehen völlig im Bann der Vorführung, die durchaus dazu angetan ist, das erhoffte Licht zu verbreiten zum Wohle der Menschheit.
Ein Extra-Marienkonzert veranstaltet am Dienstag abend Kapellmeister Kirmse mit seiner eignen Kapelle im Schützenhause. Herr Kirmse dürfte der Gubener Einwohnerschaft noch von seiner Tätigkeit als Musikleiter der Kapelle des Grf.- Vatl. Gren.- Regts. Nr.12 bekannt sein, wo er sich als tüchtiger Musiker gezeigt hat. Näheres ist aus den Plakaten und Anzeigen ersichtlich.
Geäußerte Hoffnung. Als gestern mittag sich der Himmel schwarz überzog, freute sich, im Gegensatz zu sonst. Alt und Jung, Städter und Landmann, auf den langersehnten Regen. Leider mußten die schwarzen Wolken, die sich erlösungsverheißend am Firmament zeigten, wieder der sieghaften Dundstagssonne weichen. Am späteren Nachmittag bewölkte sich nochmals der Himmel. Diesmal gab es wirklich eine kleine Dusche, durch die wohl die erhitzte staubige Luft gereinigt wurde, mehr aber auch nicht. Das durstende Land hat wenig davon profitiert, auch die Abkühlung war kaum nennenswert. Der Hoffnung auf Regen müssen wir nach wetterwissenschaftlichen Mitteilungen noch für geraume Zeit entsagen. Zwar ist in den letzten Tagen der vergangenen Woche ein tiefes Minimum, das vom Nordmeer nach Skandinavien zog, nicht spurlos am übrigen Europa vorübergegangen. Frische Nordwestwinde brachten etwas Abkühlung, aber das erquickende Naß, das der verdüsterte Himmel verhieß, ist nur in mehren Regenfällen der deutschen Küste zugute gekommen: im Binnenlande waren nur vereinzelte kurze Gewitter und etwas Regen zu verzeichnen. Nachdem ein neues Maximum sich über Mitteleuropa ausbreitet, haben in Deutschland sich dementsprechend die Winde nach gedreht und sie führen eine neue beträchtliche Erwärmung herbei. Aussicht auf Regen besteht, von etwaigen Gewitterstörungen abgesehen, für das ganze Binnenland auch jetzt noch nicht. Immerhin kann angesichts der großen Hitze das zurzeit noch fast ganz Europa beherrschende Hochdruckgebiet rasch zerfallen, und deshalb läßt sich die weitere Entwicklung der Wetterlage über mehrere Tage hinaus zurzeit nur schwer voraussehen.