die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Die landespolizeiliche Abnahme der elektrischen Straßenbahn findet am 23. Februar statt.
Faschingsfrühling: Wieder einmal geht es regelwidrig zu in der Natur. In der zweiten Hälfte des Februar geht gewöhnlich, wie der Dichter sagt, das erste leise Frühlingsträumen still durch die Welt; statt dessen fragen jetzt die Menschen einander, wann endlich der Winter kommen werde. Sie fürchten , daß der Februar und der März ihre Rollen vertauscht haben. Eine rechte Freude gewährt dieser eigenartige Winterlenz nicht; denn die Überzeugung herrscht, daß der Kalenderfrühling des irrigen Glaubens sein werde, er müsse die vom Winter begangenen Versäumnissünden wett machen und uns mit Schnee und Kälte traktieren. Auch sind diese milden Tage zumeist trübe und windig. Wir haben jetzt schon mehrere sonderbare Winter hintereinander verlebt, und die Erfahrung lehrte, daß nach warmen Winterwochen eine Reaktion eintrat, die der vorzeitig entwickelten Vegetation gefährlich wurde.
Ein Semmeldieb ist in der Person eines 9jährigen Schülers L., am Kastaniengraben wohnhaft, ermittelt worden. Der Bursche stellte es schlau an, indem er am frühen Morgen mit einer Laterne und einem großen schwarzen Beutel von Haus zu Haus ging und sich die Frühstücksbeutel aneignete. Wer ihn traf, hielt ihn für einen Bäckerjungen, der Frühstück austrägt. Er gab an, im Auftrage seiner Mutter gehandelt zu haben. Bei einer Hausdurchsuchung wurden 11 Semmelbeutel vorgefunden; bei einzelnen, die ein eingesticktes Kennzeichen hatten, war dies ausgetrennt. Interessenten können sich die Beutel auf dem Polizeibureau ansehen.
Was man in Straßenbahnwagen soll und nicht soll.
Du sollst, wenn Du einsteigen willst, nicht den Aussteigenden den Weg versperren.
Du sollst, wenn Du aussteigen willst, nicht fünf Minuten vor dem Anhalten Dich an den Ausgang stellen, wie eine Schildwache.
Du sollst niemals, wirklich niemals, während der Fahrt auf- und absteigen.
Du sollst nicht Goldstücke und Hundertmarkscheine beim Schaffner wechseln wollen. Lege Dir einen Nickel zurecht, ehe Du einsteigst.
Du sollst, als Raucher, nicht mit erlöschenden Zigarrenstummeln die Luft im Wagen verpesten
Du sollst, als Nichtraucher, Dich hüten, Wutblicke zu schleudern, wenn Dir auf der Plattform Tabaksqualm ins Gesicht weht. Der Raucher hat keinen anderen Platz.
Du sollst beim Einsteigen nicht von Deinen Begleitern Abschied nehmen, als reisest Du nach Amerika, und nicht Grüße an alle Verwandten und Freunde noch andere wortreiche Aufträge austeilen.
Du sollst dem Wagenführer nicht Anekdoten erzählen und Gespräche über das Wetter mit ihm führen. Der hat an andere Dinge zu denken.
Du sollst im Wagen nicht deinen nassen Regenschirm an anderer Leute Knie lehnen.
Du sollst, wenn jemand Platz begehrt, der durch Zusammenrücken nicht erzielt werden kann, nicht wie festgeleimt auf Deinem Sitz verharren und träumen.
Du sollst nicht bloß jungen hübschen Mädchen Platz machen, wenn es nötig ist, sondern vor allem älteren Damen.
Du sollst, wenn Du ein Mann bist, schöne Frauen nicht anstarren, als möchtest Du sie vor Liebe aufessen.
Du sollst, wenn Du ein Weib bist, nicht die Toilette Deiner Nachbarin von der Hutnadel bis zum Rocksaum studieren wie ein Kleidermodell.
Du sollst Deinen Mitmenschen nicht auf die Zehen treten, wenn Du in den Wagen gehst.
Du sollst nicht Dein Frühstück im Wagen verzehren, das sieht meist unappetitlich aus.
Du sollst Dir nicht mit Deinem Gegenüber oder Nachbarn Familiengeschichten so laut erzählen, dass alle Fahrgäste es hören.
Du sollst nicht Käse oder Räucherfische in den Wagen mitbringen.
Du sollst nicht spucken, Du sollst nicht spucken, Du sollst nicht spucken.
(„Praktischer Wegweiser für jede Familie“, Verlag in Würzburg)

Dem Stadtmuseum wird demnächst von Herrn Fleischermeister Max Hefter ein Schriftstück aus dem Jahre 1776 überwiesen werden, das eine Aufzeichnung über das große Hochwasser enthält, von dem das Werdertor und die Werdervorstadt am 10. Februar 1776 heimgesucht wurde und wobei viele Ställe und Gebäude dem Element zum Opfer fielen. – Gleichzeitig enthält das Schriftstück auch einen Entwurf zu einem Testament. Im übrigen ist das alte Dokument auch graphologisch recht interessant.
Zur Lohnbewegung in den Strickereien erhalten wir folgende Zuschrift mit der Bitte um Veröffentlichung, der wir unter Streichung einer uns strafbar machenden Stelle nachkommen: Die in den Gubener Strickereien beschäftigte Arbeiterschaft hat vor längerer Zeit Lohnforderungen erhoben, welche sich mehrere Monate hinzogen. Durch Verhandlungen vor dem Schlichtungsauschuß wurde diese Lohnbewegung auf dem Vergleichswege in einem die Arbeiterschaft wenig befriedigten Sinne geregelt. Da die Lohnerhöhung erst vom 27. Januar ab gewährt wird, sollte für die zurückliegende Zeit eine Entschädigung von 20 M für alle am 1.Januar dem Betriebe angehörenden Arbeiterinnen gezahlt werden. Den Heimarbeiterinnen sollten dieselben Sätze gezahlt werden, sofern sie in der Regel 6 Dutzend Strümpfe und darüber in der Woche fertigen. Diesen klaren Wortlaut der getroffenen Vereinbarung versuchen nun einige Unternehmer zu umgehen, indem sie einen Teil jener Heimarbeiterinnen, welche nachweisbar 6 Dutzend und darüber fertigten, nur den halben Satz gewährten. Persönliche Vorstellungen der Arbeiterinnen nutzten nichts. Die Organisation als solche mußte in mehreren Fällen vermittelnd eingreifen. Die Beauftragten der Unternehmer ergingen sich verschiedentlich in hämischen Bemerkungen, welche auf das Allerentschiedenste zurückgewiesen werden müssen. So äußerte einer dieser Herren der Geschäftsleitung des Deutschen Textilarbeiterverbandes gegenüber: „Sie solle sich beruhigen, lange ginge dieser Spaß ja doch nicht mehr, die Arbeiterinnen hätten bald Gelegenheit, im Koenigspark spazieren gehen zu können!“

Stadttheater. Der bekannte Schwan! „Raub der Sabinerinnen“ der seit langem hier nicht gegeben wurde, gelangt am Dienstag mit Herrn Kleinschmidt als „Theaterdirektor Striese“ zum ersten Male zur Aufführung. Spielleitung: B.Zeihler. Als Kindermärchen wird demnächst „Der Froschkönig“ von Würfner und in der Operette Schäm Dich- Lotte von Walter Bromme auf dem Spielplan erscheinen.