die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Bresinchen. Als wie es alljährlich geschieht, am 6. Juli das hiesige Mühlenfließ behufs Räumung abgelassen wurde, konnte man hier im Kleinen sehen, was im Großen, z. B. an den Ufern der Nordsee, wenn zur Ebbezeit das Meer von denselben zurückgetreten ist, sehen kann. Dort eilen bekanntlich die Anwohner auf den bloßgelegten Meeresboden, um einzufangen, was an Fischen, Krebsen, Krabben, Austern u. dgl. sich nicht in die große Meeresfluth rettete. Auch hier bei uns eilen Groß und Klein in das entwässerte Bett des Fließes, um zu fischen. Und mancher ist so glücklich, einen tüchtigen Aal, einen fetten Karpfen oder auch nur ein kleineres Fischlein, die wohl alle ihre Geburtsstätte und Wiege in den Lübbinchener Fischteichen hatten, zu erbeuten. Ein Bewohner unseres Fließes, der früher auch reichlich vorhanden war, ist aber leider gänzlich verschwunden, der Krebs. Seit der bösen Krebspest, die ja wie auch anderswo, unsere heimischen Gewässer von diesen beliebten Krustenthieren entvölkerte, sind alle Bemühungen, den Krebs hier wieder einzupflanzen, vergeblich gewesen.
Die neuen Eisenbahnwagen vierter Klasse zeichnen sich gegenüber den älteren Wagen durch große Bequemlichkeit und eine gewisse Eleganz aus. Die Fenster sind sogar mit Vorhängen versehen, eine Einrichtung, die bei den Reisenden solchen Anklang gefunden hat, daß sie auch bei den Wagen älterer Bauart allmählich angebracht werden sollte. Auch die Beleuch-tungs- und Lüftungsanlagen der neuen Vierter-Klasse-Wagen haben erfreuliche Fortschritte gemacht. Am meisten aber freut sich die ärmere Bevölkerung über die bequemen Sitzgele-genheiten, die in Gestalt von langen Bänken an den Wagenwänden angebracht sind. Wem es auf die Benutzung von Schnellzügen nicht ankommt, der kann heute in vierter Klasse fast ebenso bequem wie in dritter Klasse fahren, nur daß er keinen Anspruch auf einen Sitzplatz hat. Das "Belegen" der Plätze bleibt nach wie vor ein Privileg der höheren Klassen. Gewis-sermaßen als Ersatz für den belegten Sitzplatz dient in der "Vierten" der Reisekoffer oder ein anderes Gepäckstück, das sich mit Hilfe von Decken usw. in einen bequemen Stuhl umwan-deln läßt.


Die Aussichten der märkischen Obsternte
sind in diesem Jahre trotz der schlechten Witterung während der Obstbaumblüte und der jetzigen Trockenheit durchaus günstige, wie aus den nachfolgenden Berichten von 24 Anbaugebieten über die verschiedenen Obstarten hervorgeht. Dank der umfassendsten Maßnahmen der Obstzüchter, die Bevölkerung mit tadellosem Obst auch während des Krieges zu versehen, hat die Trockenheit bis jetzt der Obsternte bezw. ihren Aussichten keinen Schaden zugefügt. In Süßkirschen ist die Ernte im Mahlsdorfer Anbaugebiet sehr gut, dagegen in Krielow und Prenzlau nur teilweise sehr gut. Auf eine gute Ernte können die Züchter in Drossen, Finsterwalde, Werder (H.) und Wittstock blicken und etwas geringer als wie in den letztgenannten Anbaugebieten ist sie in Guben, Königsberg (Nm.) und Cottbus. Mittlere Erträge haben die Züchter in Beeskow, Oranienburg, Oberweinberge, Petershagen und Zehden zu verzeichnen. Auch die Granseer Züchter haben noch teilweise eine gute Mittelernte, wogegen die Bornstedter und Wittenberger nicht so günstig abschneiden, ebenso liegen die Verhältnisse in Altbdöbern und Felgentreu.
Noch besser ist die Ernte in Sauerkirschen als wie die der Süßkirschen . In Mahlsdorf und Zehden ist sie sehr gut. Nur etwas geringer ist Sie in Altdöbern, Drossen, Gransee, Krielow und Prenzlau. Gute Ernten sind noch in Finsterwalde, Königsberg (Nm.) und Wittstock zu bemerken und nur etwas schwächer ist Sie in Beeskow und Oranienburg. Als mittel wird die Ernte in Felgentreu, Hornow, Oberweinberge, Rathenow und Werder (H.) angesprochen, wogegen die Züchter in Bornstedt, Cottbus und Wittenberge Sie nur zum Teil als mittel bezeichnen.
Die Himbeerernte ist in den drei Anbaugebieten Gransee, Werder (H.) Und Wittstock als eine sehr gute von den Züchtern bezeichnet worden. Auch in Beeskow, Krielow und Oranienburg fällt Sie gut aus. Von Johannisbeeren ist die Ernte sehr gut in Finsterwalde , Krielow und Wittstock ausgefallen. Ueber einen guten Ausfall berichten auch die Werderaner und Oranienburger Züchter. Etwas geringer als wie in den vorgenannten Anbaugebieten ist die Ernte in Guben, Gransee und Zehden. Mit einer mittleren Ernte müssen sich die Züchter in Altdöbern, Beeskow, Königsberg (Nm.) und Rathenow bescheiden. Geringeren Umfanges ist die Ernte dagegen in Cottbus, Hornow, Oberweinberge und Oranienburg. Nicht schlechter ist die Ernte an Stachelbeeren und wird diese in Werder (H.) und Wittstock sehr gut angesprochen. Auch in Finsterwalde, Gransee, Krielow, Oranienburg und Petershagen ist sie gut ausgefallen. Zwischen gut und mittel wird sie von den Züchtern in Altdöbern, Beeskow, Felgentreu, Kaputh, Königsberg (Nm.) bezeichnet. Mittel ist die Ernte ausgefallen in Cottbus, Gransee, Mahlsdorf und Oberweinberge. Von einer sehr guten Reineklaudenernte können die Züchter in Beeskow, Finsterwalde, Königsberg (Nm.), Krielow und Mahlsdorf berichten. Ebenso wird sie in Gransee, Guben und Rathenow als gut bezeichnet, dagegen wird der Ausfall derselben in Hornow, Werder (H.) und Zehden etwas geringer sein. Oberweinberge wird eine mittlere Ernte haben. In Spillingen ist die Ernte dagegen etwas geringer. Jedoch ist Sie in Königsberg (Nm.) und Petershagen als gut zu bezeichnen und Beeskow, Guben, Kaputh, Krielow, Oberweinberge, Werder (H.) und Zehden als mittel anzusprechen. Ganz vorzüglich verspricht die Pflaumenernte zu werden, da sie zu sehr guten Aussichten in Finsterwalde, Königsberg (Nm.), Mahlsdorf, Prenzlau und Zehden berechtigt.
In den Anbaugebieten von Altdöbern, Beeskow und Krielow sind die Aussichten teilweise sehr gute bezw. gute. Als gute werden sie noch in Guben, Felgentreu, Oranienburg, Oberweinberge und Wittstock angesprochen. Mittlere Ernten erwarten nur die Züchter in Werder (H.) und Wittenberge.
An Mirabellen wird die Ernte sehr gut werden in Beeskow und etwas geringer wird Sie in Krielow ausfallen. Auch in Königsberg (Nm.) und Rathenow wird Sie als gut bezeichnet, während Sie in Guben und Wittstock nur mittleren Umfanges sein wird.
Die Aprikosenernte ist in Cottbus gut, in Werder nur etwas geringer und in Mahlsdorf Oranienburg und Zehden mittel. Von der Pfirsichernte ist zu berichten, dass Sie in Wittstock sehr gut und in Werder (H.) gut ist. Als mittel wird Sie bezeichnet in Drossen und Mahlsdorf und etwas geringer in Beeskow, Cottbus, Finsterwalde und Kalau.
Zu sehr guten Hoffnungen berechtigt die Birnenernte, da die Aussichten in Krielow, Mahlsdorf, Prenzlau, Werder (H.) und Wittstock als sehr gute bezeichnet werden. Etwas geringer sind sie dagegen in Drossen, während noch über gute Aussichten aus Altdöbern, Finsterwalde, Guben und Zehden berichtet wird. Auf eine mittlere Ernte rechnen die Züchter in Beeskow, Gransee, Oranienburg, ober Weinberge, Rathenow und Wittenberge. Nicht ganz so gut wird die Apfelernte werden, wenn auch in Krielow und Mahlsdorf die Aussichten sehr gute sind. Gut sind sie dann noch in Altdöbern, Gransee, Guben und Wittenberge und etwas geringer in Felgentreu und Prenzlau. Eine mittlere Ernte erwarten die Züchter in Beeskow, Finsterwalde, Oranienburg, Rathenow, Werder (H.), Wittstock, Zehden und Oberweinberge.



Wohnungsnachweis.
Sämtliche hier ansässigen Wohnungsuchende, auch die, welche sich bereits beim Wohnungsnachweis angemeldet haben, werden vom Wohnungsnachweis aufgefordert, sich im Rathauszimmer Nr. 5 einzufinden. Im übrigen wird auf die Bekanntmachung im Anzeigenteil der heutigen Nummer verwiesen.
Die Straßenbahn ist durch Spruch eines Schiedsgerichtes mit sofortiger Wirkung ermächtigt, den Betrieb erheblich einzuschränken. Sie ist zu dieser Maßnahme gezwungen, weil die Unterbilanz im vergangenen Geschäftsjahr über 800 000 M betrug, vorläufig auch eine Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse nicht in Aussicht steht und die Stadt nicht in der Lage ist, einen Zuschuß zu gewähren. Der neue Fahrplan, der so eingerichtet ist, daß die Wagen alle halbe Stunden verkehren, jedoch zu Zeiten lebhaften Bahnverkehrs verdichtet ist, wird morgen veröffentlicht werden. Im Interesse der Erhaltung dieses Verkehrsmittels sollte die Straßenbahn möglichst häufig benutzt werden!