die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
- Der Flieder hat in diesem Jahr - keinen Duft, so behauptet Johanes Trojan in der "Nat.Ztg.".
Nur ganz allmählich ist man zur Erkenntnis solcher unerfreulichen Tatsache gelangt. Zunächst glaubte jeder, er merke diesen Duft nicht, weil er einen Schnupfen habe. Herrschte doch auch eine Zeit lang eine Witterung, bei der dieser Erkältungszustand als der normale erschien. Deshalb wunderte man sich auch nicht weiter, wenn andere Leute gleichfalls nichts von einem Fliederduft merkten. Erst als man überhaupt niemanden fand, der sich an dem zarten, lieblichen Dufte des Flieders so wie früher erfreuen konnte, begann man stutzig zu werden. Es erschien höchst unwahrscheinlich, daß alle Menschen gleichzeitig einen Schnupfen haben sollten. Alle Menschen bekommen zwar auch die Masern, aber doch nicht gleichzeitig. Außerdem hätte wenigstens bei dem einen oder anderen diese Geruchsunempfindlichkeit schließlich ein Ende finden müssen. Die Schuld muß also auf der anderen Seite liegen.
Die Fliederblüten haben tatsächlich nicht den gewohnten Duft. Ganz in der Nähe merkt man zwar einen schwachen Fliedergeruch, aber die Duftwellen fehlen, die sonst um diese Zeit die laue Luft erfüllten. Anscheinend sind die Duftkeime den rauhen Winden und dem Schnee des April zum Opfer gefallen. Das ist sehr traurig. Denn was ist ein Flieder ohne Duft?
Groß-Gastrose. Mühlenbesitzer Karl Lehmann gewahrte kürzlich in der Neiße einen ausgewachsenen Fischotter, der von seinen Hunden gestellt wurde, so daß er aus der nahegelegenen Wohnung das Gewehr herbeischaffen und das Raubtier erlegen konnte.

Zu der Enthüllungsfeier des Corona Schröter-Denkmals haben ihr Erscheinen bis jetzt bestimmt zugesagt: Ihre Hoheit Prinzessin Heinrich VII. Reuß, Prinzessin von Sachsen-Weimar, nebst ihrer Tochter, der Prinzessin Sofie Renata Reuß, Se. Durchlaucht Prinz Heinrich zu Schönaich-Carolath auf Amtitz nebst Gemahlin, ihre Durchlaucht Prinzessin Salm, Herr Regierungspräsident von Dewitz aus Frankfurt a. O., der Schöpfer des Denkmals, Herr Professor Karl Donndorf aus Stuttgart und als Vertreter der Goethe-Gesellschaft deren Vicepräsident Herr Geh. Regierungsrat Professor Dr. Erich Schmidt aus Berlin.
Mit dem Bau des Bismarckturms wird in Kürze begonnen werden. Die Ausführung der Bauarbeiten ist dem Maurermeister Br. Schneider übertragen worden. Von dem sog. Nachtigallenweg aus ist der Zugangsweg zum Bauplatz bereits hergestellt und nach beiden Seiten abgezäunt.
Zirkus Charles gab gestern abend seine Eröffnungsvorstellung vor einem etwa 2500 Köpfe zählenden Publikum. Der Zirkus gehört mit zu den größten Wanderzirkussen, und er verfügt auch über eine Anzahl recht tüchtiger Kräfte. Die ganze Aufmachung im Arrangement der Plätze, Beleuchtung, Bedienung etc. macht einen gediegenen Eindruck, ebenso sind die Kostüme der Künstler geschmackvoll und elegant. An dem eigentlichen zirzensischen Teil haben wir leider die hohe Schule in der Dressur vermisst, auch einige wirklich neue Pferdedressurakte, die in ein so vielseitiges Programm, wie es der gestrige Abend bot, eigentlich hineingehören. Das Rückwärts- und Vorwärtsvoltigieren des Herrn Francois war eine tüchtige Leistung. Miß Ella ist eine Künstlerin von sympathischer Erscheinung, ihr Spiel auf dem galoppierenden Pferde ist verblüffend. Herr Bennoit Ahlers führte vier prächtige Rappen in Freiheit vor, desgleichen ein niedliches Zwergpony und eine Dogge, deren Künste von drolliger Wirkung waren. Ein erstklassiger Saltomortalreiter ist Herr Arsène, dessen Exerzitien spannend sind. Hierauf folgte die Vorführung eines in Freiheit dressierten Zebras. Von außerordentlicher Kühnheit ist der vierfache Jockeyritt der Reiterfamilie Cardinale (1 Dame, 3 Herren), eine Nummer, die aus dem equestrischen Teil des Programms wohl als die glänzendste bezeichnet werden darf. Die Gelehrigkeit des Elefanten bewies „Charly“, der wunderliche Dickhäuter, von Herrn Fernando vorgeführt. Eine Spezialität von reizender Drolerie sind die von Herrn Fernando dressierten Hunde, Affen und Kätzchen, deren Vorführung überall die gleiche Heiterkeit hervorrufen wird. Da die letzten Nummern des recht reichhaltigen Programms die Vorführung der dressierten Raubtiere bringen, wird die ganze Manege mit einem hohen Eisengitter umgeben. Die Künste der Seelöwen machen ihrem Dresseur, Herrn Direktor Charles, alle Ehre. Mit großer Spannung erwartet man das Auftreten der Miß Charles mit ihren 14 Berberlöwen. Die mutige junge Dame hat die Bestien, die vielfach in wüstes Geheul ausbrechen, in voller Gewalt, sie zwingt selbst die widerspenstigsten, ihre Kunststücke auszuüben. Die Schlußnummer ist eine Eisbärengruppe, die sich in allen möglichen Kunststückchen produziert, deren Höhepunkt der Abrutsch von einer steilen Bahn ist. - Allen Nummern wurde tüchtig applaudiert. Die Pausen füllten die unvermeidlichen Clowns aus, deren Witze allerdings auf Originalität keinen Anspruch machen können. Alles in allem kann das Programm als befriedigend bezeichnet und der Besuch empfohlen werden.

Ballonlandung Gestern nachmittag um 5 Uhr landete in der Nähe von Reichenbach unweit des jüdischen Kirchhofs der Ballon „Para“ des Luftschiffer- Bataillons Nr. 1. Der Gondel entstiegen drei Herren. Der Aufstieg ist in Staaken bei Spandau um 1 Uhr 15 Min. nachmittags erfolgt. Die Landung ging mit Hilfe der hinzugeeilten Zuschauer glatt von statten. Das zusammengelegte Luftfahrzeug wurde mit der Bahn zurückbefördert.
Der Waldgottesdienst bei Germersdorf hatte gestern trotz der trüben und unsicheren Witterung wieder eine große Zahl andächtiger Hörer hinausgelockt. Es waren sicher über tausend Menschen versammelt, die sich an dem Bergabhang gelagert hatten - ein malerisches Bild. Der Waldgottesdienst war diesmal der Heidemission gewidmet, zu deren Unterstützung nach einer einleitenden Ansprache des Herrn Pfarrer Schulze Herr Pfarrer Stephan aus Fürstenberg in eindringlichen Worten aufforderte. Das Schlußwort hatte Herr Pfarrer Mix. Eingerahmt wurde die Feier durch einige von dem gemischten Chor des Jünglings- und Jungfrauenvereins schön vorgetragenen Lieder und Motetten, sowie durch mehrere Gemeindegesänge unter Begleitung einer Musikkapelle. Neu waren die hübschen Liederhefte mit dem wohlgelungenen Bild der Klosterkirche, die den Teilnehmern überreicht wurden. Sie enthalten außer den beliebtesten Gesangbuchliedern auch Lieder von neueren Dichtern wie Gustav Schüler, dessen tiefempfundenes Abendlied. „Wollst unser Häuslein schirmen“ zum Schluß gesungen wurde. Das Heft soll, wie Pfarrer Mix mitteilte, nun an den folgenden Waldgottesdiensten wieder benutzt werden und wird sich gewiß als neues Band dieser schönen und zeitgemäßen Veranstaltung erweisen.
Aufrufung von 50 Mark Scheinen. Wie verlautet, ist beabsichtigt, in kurzer Frist die Reichsbanknoten zu 50 Mark mit dem Datum des 20. Oktober 1918, auf deren Vorderseite im Hauptteil die fast quadratische Umrandung und der Text in braun-schwarzer Farbe gedruckt ist, aufzurufen. Da die Frist, innerhalb deren diese Reichsbanknoten noch als gesetzliches Zahlungsmittel gelten sollen, voraussichtlich kurz bemessen und höchstens auf einen Zeitraum von einigen Monaten beschränkt werden wird, empfiehlt es sich, mit der Ablieferung dieser Geldscheine an die Reichsbank möglichst bald zu beginnen.