die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Bei dem Gewitter, das sich gestern abend über Guben entlud und den ersehnten Regen brachte, traf ein Blitzstrahl das Haus Teichbornstraße 5, das die Familie Abraham bewohnt. Ein Knabe, der im Hausflur stand, wurde hinausgeschleudert, Frau A. zu Boden geworfen, doch blieben beide unverletzt. Der Blitz zündete auch, doch konnte das Feuer ohne Mühe gelöscht werden. Die Decke ist stark beschädigt, ein Bett war wie mit Funken überschüttet. Der Schwefelgeruch war so stark, daß er nicht zu ertragen war und die Einwohner einige Zeit draußen weilten, bis sich der Geruch verzogen hatte.
Ein verschwundenes Dorf. Im sogenannten Born rechts der Sommerfelder Chaussee nahe der Eisenbahn befand sich ein kleines Gebüsch, das einen größeren Wassertümpel umsäumte, den Aufenthalt von ungezählten Fröschen. Die Bäume sind jetzt geschlagen, die Wasserlöcher zugeschüttet und das Ganze wird eingeebnet. Es ist damit das letzte Zeichen der ehemaligen Dorfstätte von Schmachtenhagen verschwunden. Der Tümpel soll von dem ehemaligen Dorfteiche herrühren. Das Dorf wurde im Hussittenkriege verwüstet und die geflüchteten Bewohner siedelten sich in der Werdervorstadt an.
Braunkohlenentnahme von der Grube am nassen Fleck. Im heutigen Anzeigenteil veröffentlicht der Magistrat eine Bekanntmachung, nach der die Entnahme von Braunkohlen von der Grube am nassen Fleck auf Grund der alten Kohlenmarken 17 - 20 auch noch nach dem 1. Juli 1918 erfolgen kann. Von der städtischen Verwaltung wird uns dazu geschrieben, daß die Zuweisung von Briketts für die Stadtgemeinde Guben so gering ist, daß damit nur der Bedarf für den Sommer notdürftig gedeckt werden kann, daß also Vorräte für den Winter daraus nicht angesammelt werden können. Unter diesen Umständen ist es nicht angängig, die vom Beginn des neuen Brennstoffversorgungsjahres (1. Mai 1918) beschafften Braunkohlen den Haushaltungen noch neben der für den Sommer festgesetzten Brennstoffmenge zu belassen, es müssen diese vielmehr auf die Winterversorgung in Anrechnung gebracht werden. Es kann dies aber kein Grund sein, in der Beschaffung von Braunkohlen nachzulassen, es kann vielmehr nur dringend angeraten werden, in der jetzt günstigen Jahreszeit einen Teil des Brennstoffbedarfs für den Winter in Braunkohlen zu beschaffen, da vorläufig für die Winterversorgung ein anderer Brennstoff nicht in Frage kommt. Sollte die den einzelnen Haushaltungen auf Grund der alten Kohlenmarken zustehende Braunkohlenmenge so gering sein, daß die Anfuhr nicht recht lohnend ist, so kann die Erhöhung derselben in unserem Kohlenbüro beantragt werden.
Volksküche. Es ist Vielleicht noch nicht genug in den Gubener Familien bekannt, daß seit etwa einem Monat die Verwaltung der Volksküche sich entschlossen hat, wesentlich kräftigere und abwechslungsreichere Kost wie früher, naturgemäß auch zu erhöhteren Preisen, zu geben. Die ständigen Besucher der Volksküche haben diese Aenderung mit Freuden begrüßt, da die Preise, je nach den Gerichten 1,25 bis 2 M für die 1- Literportion, immer noch sehr mäßig sind und das dafür Gebotene wirklich nahrhaft und wohlschmeckend ist. Es wäre aber wünschenswert, wenn Familien, die aus irgend einem Grunde nicht selbst kochen können, in steigendem Maße von der Volksküche Gebrauch machen würden. Zur größeren Bequemlichkeit des Publikums soll jetzt wöchentlich der Speisezettel veröffentlicht werden, der hiermit zum ersten Male folgt: Montag: Reis, Dienstag: Erbsen, Mittwoch: Nudeln, Donnerstag: Brühkartoffeln, Freitag: Saure Bohnen, Sonnabend: Graupen.
Lubsträumung. Vor einiger Zeit brachten wir einen Artikel über die Lubst mit ihren Begleiterscheinungen. In dem Kreisblatt vom 10. d Mts. hat jetzt der Herr Landrat eine Anordnung erlassen, die sich auf die Räumung der Lubst von der Kreisgrenze des Crossener Kreises bis zum Eintritt in den Stadtkreis Guben, die Freilubst in der Feldmark Kerke und Seebigau, den Mühlengraben (Lache) bei Jaulitz, die Freilubst in der Gemarkung Starzeddel und den Neidgraben bei Stargardt bezieht und die in der Zeit vom 28.Juni bis 10.Juli von den Pflichtigen auszuführen ist. Im Anschluß an diese Räumung erfolgt durch den Kreiswiesenbaumeister unter Beteiligung der zuständigen Amts-, Gemeinde- und Gutsvorsteher in den Tagen vom 12. Bis einschließlich 16.Juli d Js. eine Schau und Bereisung der Lubst und ihrer Nebenarme. Das weitere kann im Kreisblatt bei der Ortsbehörde eingesehen werden.
Der Verein für Gesundheitspflege hat sein schönes Luftbadgrundstück im Koenigspark der Bezirksfürsorge als Erholungsaufenthalt für schwächliche Schulkinder für die Sommermonate zur Verfügung gestellt. Aufgenommen werden nur vom Schularzt und der Fürsorgestelle ausgesuchte , erholungsbedürftige Kinder, die an den Nachmittagen der warmen Monate durch Luft- und Sonnenbäder, Liegekuren, leichte Körper- und Atemübungen und Spiele ihre Erholung in den sonnigen und schattigen Räumen des Luftbades finden sollen, und zwar unter sachkundiger Leitung und Aufsicht. Durch die Quäkerspeisung erhalten die Kinder Milchkakao und Brötchen. Die Kinder sollen auch unter Aufsicht von Lehrerinnen ihre Schularbeiten im Luftbade anfertigen. Die erste Kur beginnt am Freitag, dem 16. d.Mts. Die Kinder erhalten die Luftbäder Montags, Mittwochs und Freitags zwischen 8 und 6 Uhr. Die Aufnahme ist unentgeltlich. Meldungen für die Luftbäder werden in der Schularztsprechstunde Montags und Donnerstags zwischen halb 6 und halb 7 Uhr in der Lungenfürsorge Lindengraben entgegengenommen.