die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.

Größere Umbauten sind im Schützenhause in Aussicht genommen. Die Küche soll verlegt werden, und zwar sollen die beiden Hinterzimmer des Tunnels dazu genommen werden, vergrößert durch einen Anbau nach dem Garten. Die jetzige Küche wird in Gastzimmer umgewandelt. Die Closettanlagen werden nach vorn, an den Eingang verlegt. In dem jetzt dazu benutzen Raum soll die Kesselanlage für die Heizung aufgestellt werden. Die Heizungsanlage wird erneuert und der große Saal erhält einen neuen Anstrich. (Hoffentlich wird die lange Loge nicht wieder mit dieser roten Leimfarbe angestrichen, die jedem, der die Wand leise streift, sofort an den Kleidern haftet!). Die Klage, dass die Küche vom Garten zu weit abliege, ist berechtigt. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, hatte man anfänglich geplant, eine Sommerküche neben dem Bufett der Glashalle zu errichten. Durch die Verlegung der Küche wird dies unnötig. Nach dem Garten zu wird ein Ausgabefenster eingerichtet, sodaß die Kellner mit den Speisen eine viel kürzeren Weg als jetzt zurückzulegen habe. Dem Vernehmen nach dürfte sich die Stadtverordneten-Versammlung schon in einer der nächsten Sitzungen mit diesem Projekt beschäftigen. Stimmt sie zu oder genehmigt sie die Mittel dazu, so soll mit dem Bau im Frühjahr begonnen werden.
Sembten. (Blühender Flieder.) Im Garten des Häuslers Gustav Schern hierselbst steht seit einigen Wochen ein Fliederbaum in voller Blüte. Gegenwärtig ist er bereits im Abblühen begriffen.
Ein größeres Feuer vernichtete gestern die Schneidemühle der Firma Aders & Blumberg in der Grünstraße. Gegen 9 Uhr wurde das Feuer bemerkt, eine Viertelstunde später stand bereits das ganze aus Fachwerk errichtete Schneidenmühlengebäude in Flammen; dieses ist vollständig niedergebrannt, die Maschinen, 3 Gatter, sind zerstört; ebenso sind das massive Kesselhaus und die Wohnung des Schneidemüllers völlig ausgebrannt. Dagegen gelang es der Feuerwehr, den mit Holz gefüllten Vorratsschuppen zu erhalten, so dass von Holz nur der in der Mühle vorhandene Tagesbedarf mit verbrannt ist. Der entstandene Schaden wird auf etwa 25000 bis 30000 Mark geschätzt. Die Gebäude sind bei der Städte-Feuersozietät, das andere ist bei der Magdeburger Versicherungs-Gesellschaft versichert. Die Entstehungsursache des Feuers ist nicht bekannt; es wird vermutet, daß es durch Selbstentzündung der Sägespäne entstanden sei. Bei dem starken Nebel haben nur wenige von dem Feuer etwas wahrgenommen.
Auf eine Petroleumkanne mit Absperrhahn im Auslauf und einem mit diesem durch eine Kette verbundenen Schiebedeckel in der Einfüllöffnung wurde Herrn Otto Schulz, Sohn des Kaufmanns Max Schulz hier, unter Nummer 396 836 Musterschutz erteilt. Durch diese Erfindung ist eine Explosion des Petroleums beim Einfüllen in die Lampe ausgeschlossen.
Kettenbriefe. Ein Unfug, der anderwärts schon grassierte, und gegen den in auswärtigen Blättern schon oft geschrieben wurde, beginnt sich jetzt auch in Guben einzunisten: die Manie der Kettenbriefe. Da Verfahren besteht darin, daß jeder , der einen solchen Brief erhält, ihn neun Tage lang je einmal abschreiben und je einem Bekannten zusenden soll. Wie lawinenartig diese Schreiberei anwachsen muß, ist daraus jedem klar. Das Schriftstück geht den Leuten auch auf Postkarten zu und ist in einem furchtbaren Deutsch abgefaßt. In einem uns vorliegenden Falle hatte dies Geschreibsel auf der Postkarte folgenden Wortlaut: „Die Kette darf nicht unterbrochen werden. Jeder der ihn erhält, soll ihn 9 Tage lang je einem Bekannten zusenden. Es ist ein altes Gebet, von dem in Jerusalem gesagt wurde, daß der ihn nicht weiter schickt, kein Glück an sich habe! Der es aber tut, am 9. Tag eine große Freude erleben wird und von allen Schmerzen befreit sein soll.“ Das abzuschreibende Gebet stellt sich als folgendes konfuses Zeug dar:“ I am ami entprojes O jord Jesus Implove The blessest man find ey us from Aeve land Teel us all dwell weicht Thee in the Eleveny.“ – Die Absender rechnen mit dem weiter als man meint verbreiteten Aberglauben der Leute und haben, wie der Augenschein lehrt, ja auch immer wieder Erfolg. Die Briefe sind darum auch augenscheinlich nur an Frauen gerichtet. Hoffentlich aber verfahren alle, denen ein solcher Brief zugeht, in der einzig richtigen Weise mit ihm: Hinein ins Feuer!


Schuhkursus. Interessenten werden mit großer Freude vernehmen, daß der Hausfrauenverein einen Nachmittags- und einen Abendkursus zur Anfertigung von Tuchschuhen bekannt gibt. Bei dem großen Schuhmangel und den ungeheuren Preisen wird der Besuch der Kurse voraussichtlich ein reger sein. Die Schuhe werden dauerhaft und sauber auf Leisten gearbeitet und auf Wunsch auch mit Ledersohle versehen, bilden also tatsächlich eine brauchbare warme Fußbekleidung.
Schweidnitz, 29. Okt. (Kapitalschmuggel.) Mit welcher Ueppigkeit die Kapitalflucht und Kapitalbeseitigung betrieben wird, lehrt eine Meldung der in Schweidnitz stationierten Grenzpolizei. Diese hat innerhalb der letzten 3Monate an einer einzigen Grenzübergangsstelle, die ihrer Bewachung untersteht, für 306 859 M bares Geld beschlagnahmt, das heimlich über die Grenze geschmuggelt werden sollte. In derselben Zeit wurden an der gleichen Stelle außerdem für
184 162 M Schmuggelwaren beschlagnahmt.
Volkskonzert.
Im Schützenhaus findet am Mittwochabend wieder ein Volkskonzert des nunmehr auf 33 Musiker verstärkten Konzert- und Theaterorchesters statt. Das Programm enthält klassische und neuzeitliche Kompositionen, die gewiß großen Anklang finden, u.a. die Ouvertüre zur „Zauberflöte“ von Mozart und zu „Oberon“ von Weber, ferner Meyerbeers große Fantasie aus dem „Prophet“ und die große Suite ein Fest in Aranjuez von Demersewann. Da auch das Eintrittsgeld sehr mäßig ist, dürfte es wohl an Besuchern nicht fehlen.

Höhere Bewertung des Turnens als Lehrfach. Der Erlaß des Unterrichtsministers über den Turnunterricht an den höheren Lehranstalten enthält zum Schluß noch einen bemerkenswerten Hinweis auf die zukünftige Bewertung des Turnens bei den Prüfungen für das höhere Lehramt. Es ist danach beabsichtigt, in Zukunft von allen Kandidaten für das höhere Lehramt den Nachweis zu verlangen, daß sie an einem zweijährigen vorbereitenden Lehrgang für Turn- und Sportlehrer an einer Universität teilgenommen haben. Ferner behält sich das Ministerium vor, dem Fach „Turnen und Leibesübungen“ unter entsprechender Festsetzung neuer Prüfungsanforderungen eine gehobene Stellung als bisher im Rahmen der Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen zu geben. Über die hierzu erforderliche Änderung der Prüfungsordnung soll noch ein besonderer Erlaß herausgegeben werden.