die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Rudolf Virchow
Der Geheime Medizinalrath Prof. Dr. Rudolf Virchow ist in Berlin verstorben.
Am 18. Okt. vorigen Jahres feierte der unvergleichliche Gelehrte, der Nestor und Pfadfinder der medizinischen Wissenschaft, in voller körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag, zu dem ihm die gelehrte Welt ganz Europas ihre Glückwünsche darbrachte und auch der Kaiser mit seiner Anerkennung nicht zurückhielt.
Wenige Wochen später that Virchow den unglücklichen Fall von der Straßenbahn, von dem er sich nicht wieder zu erholen vermochte. Zwar gelang es einem seiner besten Schüler, dem berühmten Chirurgen Prof. Dr. Werner Körte, des Meisters schweren Beinbruch zu heilen; doch wenn auch hernach der Schenkel des bis dahin so zähen Greises wieder leidlich in der Hüfte sich dreht, die alten Kräfte kehrten nicht wieder, und mit dem Leibe siechte auch die Seele dahin. Virchow hatte einen leichten Tod und entschlummerte sanft. Was Virchow als Gelehrter und als Forscher geleistet hat, das zu sagen, müßte man eine Geschichte der Medizin des verflossenen halben Jahrhunderts schreiben. Virchow war aber nicht nur der erfolgreichste Forscher auf medizinischem Gebiete, er war gleichzeitig auch der bedeutendste Archäologe seines Jahrhunderts.
In zwei Tagen im Ruderboot von Guben nach Stettin. Betreffs der von uns am Sonnabend gebrachten Notiz der Fahrt einer Vierermannschaft des hiesigen Ruderklubs nach Stettin können wir noch folgendes mitteilen: Es wurde ein neuer Rekord aufgestellt. Die Abfahrt erfolgte Sonnabend früh 5 Uhr vom Gubener Bootshaus. Das Ziel des ersten Tages, Güstebiese an der Oder, war Nachmittag 5 Uhr erreicht. Tagesleistung 120 km. Hier wurde Nachtquartier bezogen. Die Abfahrt von Güstebiese erfolgte Sonntag früh ¼ 5 Uhr. War das Wetter am vorhergehenden Tag sonnig und klar, so zeigte es sich jetzt von einer anderen Seite. Die erste Stunde war noch prachtvoller Mondschein, aber allmählich bewölkte sich der Himmel. Ein schöner Sonnenaufgang belohnte zwar noch die Frühaufsteher, aber dann setzte ein ziemlich heftiger Wind ein. Hin und wieder sorgte ein Regenguß für die nötige Abkühlung. Um ½ 10 Uhr wurde bereits Schwedt passiert. Wegen eines Bootsdefektes mußte die Fahrt kurz hintere Wescherin auf 1 ½ Stunden unterbrochen werden, doch auch dieses unvorhergesehene Hindernis konnte die in schönster Harmonie verlaufene Fahrt nicht beeinträchtigen. Gegen 4 Uhr kamen schon auf weite Entfernung die Türme von Stettin in Sicht. Kurz vor 5 Uhr legte das Boot am Bootshause des Ruderklubs „Triton“ in Stettin an. Tagesleistung 100 km.
Im Monat August sind im hiesigen Schlachthofe geschlachtet und untersucht worden: 24 Bullen, 12 Ochsen, 101 Kühe, 75 Jungrinder, zusammen 212 Rinder (im Vorjahre 227), 708 Kälber (582), 1779 Schweine (1670), 118 Schafe (167), 35 Ziegen (4), 7 Zickel (2), 6 Pferde (4), - insgesamt 2865 Schlachttiere (2656).
Der Luftkreuzer Parseval III, dessen Eintreffen bereits gestern erwartet, wegen der stürmischen Witterung aber wieder abgesagt wurde, traf heute vormittag um 10 Uhr auf der Feldstation in Schenkendöbern ein. Schon um 8 Uhr morgens meldete uns ein Telegramm aus Berlin, daß der Luftkreuzer abgefahren sei. Die Fahrt des Luftschiffes gestaltete sich sehr schwierig, da es mit dem starken Gegenwind zu kämpfen hatte und die Motoren äußerste Kraft entwickeln mußten. An der Luftschiffhalle in Schenkendöbern wurden schon am frühen Morgen die nach Osten hinaus gelegenen Hallentore zur Empfangnahme des Luftkreuzers weit geöffnet. Der Wind hielt in gleicher Stärke an; zeitweise brach die Sonne durch die Wolkenmassen. Gegen ½ 10 Uhr wurde der von der Oder her sich langsam nähernde Luftkreuzer gesichtet. Allmählich kam der Riesenwal immer näher. Einige Zeit stand er über Reichenbach und Wilschwitz, wohl, um sich zu orientieren, dann hielt er langsam auf den Eingang der Halle zu. Wiederholt wurde er durch den starken seitlichen Gegenwind von seiner Bahn abgedrängt; durch geschickte Manöver gelang es indessen, das Luftschiff wieder in die rechte Fahrtrichtung zu bringen. Den Zuschauern bot sich ein seltener Anblick, als das eine zeitlang von der Sonne beschienene Luftschiff rotierte, bald hoch-, bald wieder niederging und sich dabei von allen Seiten zeigte. Endlich senkte es sich hinter dem Wald von Schenkendöbern immer tiefer und landete um 10 Uhr 5 Min. glatt vor der Riesenhalle. Es wurde rasch von den aufgestellten Mannschaften niedergeholt und schließlich glücklich in die Halle gebracht.
Der Brunnen an der Außenfront des Museums ist nunmehr fertiggestellt und heute in Tätigkeit gesetzt worden. Aus der barockalen, mit einem kunstgeschmiedeten Eisengitter gezierten Brunnenschale aus Muschelkalk erhebt sich ein Natur-Steinsockel mit kupfernen Wasserspeiern. Ihn krönt in reizvoller Linie und Form ein kleiner Bronzeknabe, in jeder Hand einen wasserspeienden Fisch hochhaltend. Schöpfer dieser lebensvollen Figur ist ein junger Münchener Künstler, der Bildhauer Rudolf Henn, der bereits mehrfach mit Preisen ausgezeichnet ist. Auch dieses sein jüngstes Werk, das den Vergleich mit den besten Darstellungen des kindlichen Körpers nicht zu scheuen braucht, zeigt von neuem seine hohe künstlerische Begabung und ein den Stoff in vollendeter Meisterschaft beherrschendes Können. Herrn Kommerzienrat Wolf, dem Stifter des Museums und des Brunnens , gebührt aufs neue Dank, mit diesem Kunstwerk seiner Stiftung jetzt die Vollendung gegeben und das Stadtbild um eine weitere Zierde bereichert zu haben. Wie die Nürnberger ihr „Gänsemännchen“, so werden die Gubener das neue „Fischmännchen“ lieb gewinnen und es mit zu den heimatlichen Wahrzeichen zählen, die man dem Fremden zeigt und auf die man mit Recht stolz ist.

Einschränkung des Brotverbrauchs auf den Bahnhöfen. Die königliche Eisenbahndirektion in Posen hat die Bahnwirte ihres Bezirks zur Einschränkung des Brotverbrauchs angewiesen, den Gästen Brot als Zuspeise zu den Gerichten nur in der unbedingt nötigen Menge zu verabfolgen und für jede weiter verlangte Brotschnitte besondere Bezahlung zu verlangen. Einige grö0ere Bahnwirte haben sich hierauf dankenswerter Weise bereit erklärt, bis für die weiteren Brotschnitten vereinnahmten Beträge (5Pf, für jedes Stückchen Brot) den Wohltätigkeitsvereinen zur Verfügung zu stellen. Ihnen sind daher von dem „Roten Kreuz“ Blocks mit entsprechenden Abschnitten überwiesen worden, auf Grund welcher die Geldbeträge gesammelt und an das „Rote Kreuz“ abgeliefert werden. Hierdurch soll nicht allein der Brotverbrauch eingeschränkt werden, sondern es wird auch ein gewisser Geldbetrag der Wohltätigkeit zugewiesen werden können.
