die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Unsere Stadt hatte bereits 1752 4356 Einwohner und im Jahre 1803 5467. Im Jahre 1814 war die Einwohnerzahl auf 6720 gestiegen. Das weitere Anwachsen der Einwohnerzahl zeigt sich aus folgenden Zahlen: 1834: 8652, 1844: 10031, 1854: 12650, 1864: 16618, 1867: 19318, 1871: 21665, 1875: 23824, 1880: 25881, 1885: 26982, 1890: 29828, 1895: 31169, 1900: 33085.
Eine neue und höchst praktische Beförderung von lebenden Fischen ist jetzt seitens der Eisenbahnverwaltung für die Stationen Peitz und Kerkwitz eingeführt worden. Die bisherige Beförderung in Tonnen hat außer der hohen Sterblichkeit der Fische viele Unbequemlichkeiten zur Folge. So mußten die Tonnen stets auf Stationen mit größerem Aufenthalt, um den Fischen die nötige Luft zuzuführen, von dazu bestimmten Personen geschüttelt werden. Jetzt wird in den gewöhnlichen Güterwagen ein wasserdichter Plan mittels Haken an den Seitenwänden befestigt, und an den Schiebetüren, um eine Herausfallen des Plans zu verhindern, mit starken Querleisten befestigt. Ein solch ausgerüsteter Wagen wird dann, nachdem in den Plan Wasser gefüllt ist, der Station zugestellt. Dort können dann die Fische in den so geschaffenen Behältern frei hineingegeben und der Bestimmungsstation zugeführt werden. Sie kommen durch diese Art der Beförderung springlebend auf der Empfangsstation an.
Gr. Gastrose: (Hundesteuer.) Die Einführung der Hundesteuer im Landkreise Guben ist bekanntlich vom Kreistage beschlossen worden. Danach soll jeder Hund ohne Ausnahme vom 1. Oktober d. Js. ab mit 2 Mark jährlich besteuert werden. Angesichts dieser neuen Abgabe ist in hiesiger Gegend wahrzunehmen, daß den Hundekäufern - meist Forster Leuten, die die Hunde zum Schlachten kaufen - ein außerordentlich reiches Angebot zur Seite steht. Wenn aber der treue Wächter des Hauses nicht mehr anschlägt, dürfte auch das Geschäft der "Langfinger" sicherer werden.
Ein Meteor wurde Mittwoch nachmittag am südöstlichen Himmel beobachtet. Am Ende seiner Bahn löste er sich in einzelne Lichtkugeln auf.
Die Kanalisation der Stadt bringt so manche Besserung in den Straßen- und Rinnsteinverhältnissen mit sich, die von der Bürgerschaft mit Freude begrüßt werden. So wird ganz besonders lebhaft die Beseitigung des Rinnsteins in der Gasstraße empfunden, der augenblicklich infolge der Kanalisation der Straße zugeschüttet wird. Er nahm bisher die Abwässer der in der Feldstraße gelegenen Spritzfabrik auf, welchen oft ein äußerst starker Alkoholgeruch entströmte, der die Passanten dieser Straße in unangenehmer Weise belästigte. Jetzt ist die Straße kanalisiert und die Abwässer werden sofort der Kanalisation zugeführt. Damit verschwinden auch die üblen Gerüche.
Vom Bismarckturm. Der geschäftsführende Ausschuß des Bismarckturm-Komitees trat gestern zu einer Sitzung zusammen. Nach einem Bericht über die bisherigen Arbeiten beschäftigte sich das Komitee mit der Frage der Beschaffung weiterer Geldmittel, da die zur Verfügung stehenden Mittel noch nicht ausreichen. In Aussicht genommen wurde u. a. eine Aufführung im Stadttheater, worüber später weiteres mitgeteilt werden wird. Der äußere Bau des schon jetzt, obwohl noch einige Meter an seiner festgesetzten Höhe fehlen, imposant wirkenden und von weit her sichtbaren Turmes wird, wenn das Wetter es zuläßt, voraussichtlich noch im Laufe des Herbstes vollendet werden. Der Tag der Einweihung ist noch nicht festgesetzt. Auf den nächsten Geburtstag Bismarcks, den 1. April 1908, hat man verzichtet, weil der innere Ausbau bis dahin schwerlich vollendet sein wird, auch die Jahreszeit für eine Feier im Freien, noch dazu an so exponierter Stelle, nicht sehr geeignet erscheint. Voraussichtlich wird Anfang Juni die Einweihungsfeier stattfinden können. Der Turm wird als Wahrzeichen Gubens weit ins Land hinausragen, seine Spitze wird 6 Meter über die Ulrichshöhe hinausragen.


Koenig`´s Kursbuch erschienen! Mit welchen außergewöhnlichen Schwierigkeiten das Erscheinen der jetzigen Winter - Ausgabe von Koenig``s Kursbuch verbunden war, geht schon daraus hervor, daß es nicht möglich war, das Buch, wie sonst üblich, schon einige Tage vor Inkrafttreten des neuen Fahrplans herauszubringen. Bedenkt man indessen, mit welcher geradezu beispiellosen Anstrengung sowohl von dem redaktionellen, wie auch von dem technischen Personal Tag und Nacht gearbeitet werden mußte, so wird man die kleine Verspätung sicherlich als unvermeidlich entschuldigen. Hoffen, wir, daß das Buch, dessen Preis auf M 1,30 erhöht werden mußte, allen denen, die trotz der jetzt dem Reiseverkehr sich entgegenstellenden Schwierigkeiten reisen müssen, auch fernerhin der altbewährte Führer und treue Reisegenosse bleibt. Auf den Inhalt hier weiter einzugehen, erübrigt sich. Auffällig wirken hauptsächlich die vielen als Werktagszüge bezeichneten Züge, die dem Sonntagsreisenden wohl keine besondere Freude bereiten werden. Daß die neuen Zuschläge für den Eil- und Schnellzugsverkehr, sowie die neuen Bestimmungen über das Reisegepäck Aufnahme gefunden haben, dürfte selbstverständlich sein. - Was den Fahrplan betrifft, wie er für unsere Station Guben künftig gilt, so sei auf den in der heutigen Nummer gemachten Auszug verwiesen.
Verlegung der städtischen Altbekleidungsstelle. Infolge des Ablebens des Kaufmanns Cwicklitzer mußte eine Verlegung der Altbekleidungsstelle stattfinden. Die städt. Altbekleidungsstelle wird nunmehr in den Räumen des Kaufmanns Bachmann, Herrenstraße 15 (dem früheren Cassierer`schen Laden), fortgeführt. Sie ist werktäglich von 9 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 Uhr geöffnet. Daselbst erfolgt auch die Auslieferung und Bezahlung des in der städt. Schuhinstandsetzungswerkstätte ausgebesserten Schuhwerks. Bei dem gegenwärtigen Mangel an Kleidungsstücken, Wäschestücken und Schuhwaren ergeht bei dieser Gelegenheit erneut die Aufforderung an alle Bürger des Stadt- und Landkreises Guben, ihre entbehrlichen, nicht mehr tragbaren Kleidungsstücke, Wäschestücke und Schuhwaren der städt. Altbekleidungsstelle zum Kauf anzubieten. Die Stücke werden nach sachverständiger Schätzung angemessen bezahlt. Auch wird in den zulässigen Fällen Abgabebescheinigung zum Erwerb neuer Kleidungsstücke und Schuhwaren erteilt.
Stadtbücherei. Nach der Reorganisation der Volksbücherei hat die Benutzung einen solchen Umfang angenommen, daß die bisherigen Räume, die schon längst einfachsten Anforderungen nicht mehr genügten, nunmehr für den Betrieb völlig ausgeschaltet werden müssen. Es ist daher beschlossen worden, die Buchausgabe in das bisherige Lesezimmer zu verlegen. Diese Verlegung bedingt die Umräumung des Magazins und die Neuaufstellung des gesamten Bücherbestandes, der zur Zeit annähernd 10000 Bände beträgt. Die Bücherei wird aus diesem Grunde vom Donnerstag, den 4.November, ab vorübergehend geschlossen gehalten. Die Wiedereröffnung wird seiner Zeit bekannt gegeben.
Kleinhandel mit Tabakwaren. Amtlich wird mitgeteilt: Die gesetzliche Vorschrift über die Anmeldung des Kleinhandels mit Tabakwaren wird nicht beachtet. Jeder, der mit Zigarren, Zigaretten, Rauch-, Kau- und Schnupftabak und mit Zigarettenhüllen handelt (Zigarrengeschäfte, Kaufleute, Gastwirte, Friseure usw.) muß dies dem Zollamt schriftlich anzeigen. Postkarte genügt. Die Anzeige ist auch dann erforderlich, wenn sie nach früheren Gesetzen bereits erstattet war. Der Reichsfinanzminister hat bestimmt, daß Tabakwaren, die nach dem 1.Dezember 1920 Händlern unversteuert oder ungenügend versteuert angetroffen werden, rücksichtslos unter Einleitung des Strafverfahrens wegen Steuerhinterziehung beschlagnahmt werden. Daneben tritt Bestrafung wegen Nichtanmeldung des Handels ein. Die Händler seien gewarnt! Auskunft erteilt das Zollamt.
Robert Johannes-Abend. Am Sonntag, dem 7.November, wird uns ein guter Bekannter im Schützenhaus wieder einen amüsanten Abend bereiten. Robert Johannes der Jüngere ist es, der bereits mehrmals in unserer Stadt gastierte und durch seinen urwüchsigen Humor sich schon viele Freunde und Gönner verschaffte. Robert Johannes d.J. ist ein Sprachkünstler, der durch Wort und Tonbildung Wirkungen zu erzielen weiß, die unnachahmlich sind. Er bringt seinen Humor in wohltuender und erquickender Weise und in so liebenswürdiger Form, daß sein lustiger Abend für den Zuhörer ein erfrischendes Erlebnis ist. Seine Vortragskunst wirkt außerordentlich gewinnend, hebt die humoristischen Kernpunkte hervor und bringt den Dialekt echt und für jeden verständlich. Wer Gefallen findet an hochstehender Vortragskunst und Interesse hat für kräftigen und zwingenden Humor, dem sei der lustige Abend am Sonntag bestens empfohlen. Der Vorverkauf findet, wie aus der Anzeige hervorgeht, in der Buchhandlung Deutz statt.
Märchenabend.
Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, wird am Sonntag nachmittag die bekannte Märchenerzählerin Maria Schipfmann den Kindern und Erwachsenen einige frohe Stunden bereiten. Märchen von Grimm, Busch, Blüthgen, Storm u. a. kommen zum Vortrag. Der Eintrittspreis ist gering bemessen.