die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Ein ganz Schlauer: Um sein Geld vor Dieben zu sichern, steckte der Handelsmann Karl Petrausche in Penzig sein Geld in den Kohlenkasten (ca. 250 Mark in Gold, Silber und Papiergeld, aufbewahrt in einem Portemonaice). Der Mann hatte vergessen, der Frau davon Mittheilung zu machen, so daß die Frau in ihrer Ahnungslosigkeit das Geld mit in den Ofen steckte.
Für die gesamte Garnison Potsdams ist durch Commandantierbefehl der Besuch Werders bis auf Weiteres verboten worden. Der Grund für diese Maßnahme soll darin zu suchen sein, daß während der Baumblüthe eine verhältnismäßig große Anzahl von Soldaten durch den Obstwein in einen derartigen Zustand versetzt wurden, daß die Leute am nächsten Tage dienstunfähig waren.
Groß-Gastrose: Die beiden Ortschaften Markersdorf und Pohsen wollen ebenfalls Mitglied des vaterländischen Frauenvereins werden, um bei Unglücksfällen sofort erste Hilfe von der Schwesterstation Groß Gastrose zu erhalten. Es soll zu diesem Zwecke vom ersteren Orte ein jährlicher Beitrag von 60 Mark und vom letzteren ein solcher von 30 Mark aufgebracht werden. Da aber die Krankenschwester diese Entfernungen ohne Benachtheiligung der anderen Kranken zu Fuß nicht zurücklegen kann, so ist ihr vom Zweigverein Guben, der die Station hier eingerichtet hat, ein Fahrrad zur Verfügung gestellt worden. Jedenfalls ist das eine sehr praktische Einrichtung, deren großer Nutzen nicht zu verkennen ist.
Was ist ein Phänomen? Ein Leser der "T. Z." erzählt:
"In einem Schullesestücke kommt das schwierige Fremdwort "Phänomen" vor, und der Lehrer fragt, ob jemand wisse, was es bedeute; niemand weiß es. Darauf gibt der Lehrer folgende sachgemäße Erklärung:
"Kinder, ihr kennt doch alle einen Apfelbaum? Der Apfelbaum ist kein Phänomen!
Ihr habt doch alle schon eine Kuh gesehen? Eine Kuh ist auch kein Phänomen!
Aber wenn eine Kuh auf einen Apfelbaum klettert und mit dem Schwanz Aepfel pflückt, das ist ein Phänomen!"
Crossen: In einer gemeinsamen Sitzung der Körperschaften der St. Marienkirche wurde gestern beschlossen, den Klingelbeutel fortfallen zu lassen und dafür am Ausgange des Gotteshauses einen von den anderen Kollekten unterscheidbaren Opferstock zur Aufnahme von Gaben für die Kirche aufzustellen. Obwohl das Erträgnis aus den Klingelbeuteln sich durchschnittlich jährlich auf etwa 260 Mark belief, war die Versammlung darin einmütig, mit dem alten Zopfe, der verletzend auf das religiöse Gefühl wirkte, aufzuräumen. Wesentlich förderte diesen Beschluß die seit einigen Jahren günstige Finanzlage der Kirche. Bei dieser Gelegenheit kam auch zur Sprache, daß die Telleropfer am Altare während der Abendmahlsfeier noch viel störender seien; es wurde demgegenüber betont, daß der Ausfall dieser nicht unerheblichen Sammlung, welche der Pfarrkasse zufließt, nur durch eine Erhöhung der Kirchensteuer aufgebracht werden könne, weshalb in dieser Sache vorläufig nichts geändert wurde. Es schien jedoch Meinung für die Herbeiführung eines generellen Beschlusses des Kirchenregiments in dieser Angelegenheit zu sein.

Unsere Stadt- und Hauptkirche erfreut sich jetzt dreier großer gemalter Fenster von hohem Wert, denen sich bald ein viertes zugesellen wird. Leider sind diese teuren Kunstwerke arg bedroht von dummen Jungen, die die an der Kirche nistenden Tauben mit Steinwürfen verfolgen. Eines dieser Fenster hat bereits einen unersetzlichen Schaden erlitten. Selbst während des Gottesdienstes in den Pfingsttagen hat man beobachtet, daß die Fenster von den Steinwürfen frecher Knaben getroffen wurden. Die Anwohner und die Vorübergehenden tun ja ihr möglichstes, diesem verderblichen Spiel zu wehren. Aber immer von neuem wiederholt sich der Frevel. Jetzt endlich sind drei Missetäter ermittelt und zur Bestrafung namhaft gemacht. Die Eltern werden wohl tun, ihre Jungen zu verwarnen, denn wenn sie für angerichteten Schaden haftbar gemacht werden, dürfen sie leicht hunderte von Mark bezahlt haben. Auch die Wiederherstellung der gewöhnlichen Kirchenfenster kostet erhebliche Summen, und es werden künftighin die Eltern für die von den Herren Söhnen bewirkten Beschädigungen in Anspruch genommen werden.



Warnung. Es mehren sich die Fälle, in denen Kinder oft dadurch mit tödlichem Ausgange verletzt werden, daß sie sich an Kraftwagen oder deren Anhänger zum Mitfahren anhängen. Es ist auch in letzter Zeit wiederholt beobachtet worden, daß Kinder auf die in voller Fahrt befindliche elektr. Straßenbahn springen, wobei sie sich der größten Gefahr aussetzen, überfahren zu werden. Den Eltern wird dringend empfohlen, ihren Kindern das Anhängen an Kraftwagen und an sonstige Fuhrwerke sowie das Aufspringen auf die in Fahrt befindliche Straßenbahn auf das Strengste zu untersagen.
Anmeldung von Doppelwohnungen.
Auf Grund der zweiten Anordnung gegen den Wohnungsmangel fordert der Magistrat alle Personen, die eine eingerichtete Wohnung haben, sie aber deshalb nicht dauernd benutzen, weil sie in oder außerhalb von Guben eine andere, nämlich eine Hauptwohnung besitzen, auf, hiervon dem Wohnungsnachweis unverzüglich Anzeige zu erstatten und dabei anzugeben, welche Wohnung als ihre Hauptwohnung anzusehen ist.