die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Lieberose: Zu dem von hier ausgeschriebenen Bürgermeisterposten haben sich 95 Bewerber gemeldet.

Das Ergebnis der Viehzählung am 1. Dezember v. J. ist für den Stadtkreis Guben folgendes. 679 Pferde, 860 Rinder, 13 Schafe, 1418 Schweine, 2186 Ziegen. Im Landkreise Guben wurden gezählt: 4670 Pferde, 25 295 Rinder, 8943 Schafe, 24521 Schweine, 5570 Ziegen.

Auf dem Lubstplatz wird Lamprechts Ausstellung lebender Abnormitäten am Sonnabend eröffnet werden. Nach den uns vorliegenden Zeitungsberichten bietet die Ausstellung eine reichliche Sammlung interessanter seltener Abnormitäten, wie z.B. eine Zwergkuh und 1 Zwergstier, zwei Ichneumon, ein sog. Meerteufel, ein Rind mit 6 Beinen, ein Rind mit 2 Körpern, ein Rind mit 5 Beinen und Klauen usw. Es sei besonders darauf aufmerksam gemacht, dass sämtliche Abnormitäten lebend zu sehen sind.- Der Besuch dieser interessanten Schaustellung ist jedermann bestens empfohlen. In derselben ist noch eine weitere Attraktion zu sehen: Das Skelett im Körper einer lebenden jungen Dame (X-Röntgenstrahl-Illusion).
Horno. (Zufuhrweg. Telefonverbindung.) Noch in diesem Frühjahr soll der Bau des Zufuhrweges zur Haltestelle in Angriff genommen werden. Die erhebliche Steigerung des Hornoer Bergers, ca. 15 : 100, muß im Bogen umgangen werden, aber trotzdem wird die neue Straße die höchste zulässige Steigung von 6 : 100 aufzuweisen haben. Die Strecke von der Haltestelle bis zur Berghöhe soll gepflastert, der Weg von da zum Dorf chaussiert werden. - In der seitens der Gemeinde beantragten Telephonverbindung sind auch die Kosten bewilligt worden, worauf die Postverwaltung die Anlage für dieses Jahr in Aussicht gestellt hat.
Ein Schiedloer Faust. Das innerhalb der nächsten Jahre verschwindende Dorf Schiedlo hat, wie so manche andere Ortschaft, seinen Spuk-, Zauber- und Hexenmeister gehabt. Er hieß Strohwald, war seines Zeichens ein Schiffer und lebte nach dem dreißigjährigen Kriege. Wenn zur Winterszeit die Schiffahrt auf dem Oderstrome und der Neiße ruhte, wohne er im Dorfe bei Blümchens (so hießen die Besitzer eine Kossätenwirtschaft). Seine schwarze, unheimliche Kunst schöpfte er aus dem dickleibigen, geheimnisvollen Zauberbuche, das er wie seinen Augapfel hütete. Von seinen neckischen und boshaften Streichen, seinen Wunderkuren und Künsten weiß man noch heute im Dorfe viel Gruseliges zu erzählen. Da er sich dem „Bösen“ verschrieben hatte, ist seine schwerbeladene Seele vom Teufel geholt worden. In dem Kiefernwalde zwischen Rampitz und Kräsem fand man ihn eines Tages, entseelt und gräulich anzusehen, auf einem Steine sitzend. Sein Zauberbuch, nach dem man bis zum heutigen Tage vergeblich geforscht hat, hofft man immer noch zu finden.
Gr.-Drewitz. (Schulneubau.) Der hiesige Schulhausneubau, der bereits im vorigen Jahre beschlossen und dessen baldige Ausführung infolge des Bauzustandes und der Räumlichkeiten des jetzigen Schulhauses ein dringendes Bedürfnis ist, soll nach einer jetzt hier eingetroffenen Regierungs-Anordnung sobald als irgend möglich in Angriff genommen werden,. Nachdem das Anerbieten unseres Gutsherrn, das alte Schulgrundstück ganz oder teilweise zu erwerben und eine andere Baustelle zur Verfügung zu stellen, nicht berücksichtigt werden konnte. Das neue Schulhaus soll an der Seite des Schulgrundstücks aufgeführt werden, wo der Weg nach Henzendorf führt. Dadurch wird es möglich, das jetzige Schulhaus bis zur Fertigstellung des neuen zu benutzen. Die neue Schulklasse soll besonderen Eingang und Raum für 80 Kinder erhalten. Die Lehrerwohnung besteht im Erdgeschoß aus Küche und drei Stuben, im Dachgeschoß aus einer Stube mit mehreren Kammern und im Kellergeschoß aus Back- und Waschküche.- Zu den Baukosten hat die Staatsregierung eine Beihilfe von 10 000 M. bewilligt.
Die Katzen lieben es, namentlich im Frühjahr zur Brütezeit, statt auf die Mäusejagd zu gehen, den Vögeln nachzustellen, und mancher Gartenbesitzer hat in seinem berechtigten Ingrimm fremde Katzen, die sich in sein Besitztum geschlichen haben, um die auf den Nestern sitzenden Vögel zu überfallen, einfach niedergeknallt. Sie seien darauf aufmerksam gemacht, daß sie mit dem Töten fremder Katzen über ihr Recht hinausgehen. Durch den Notwehr-Paragraphen des Bürgerlichen Gesetzbuches (§ 228) hat der Gartenbesitzer allerdings das Recht, eine seinem Eigentum bedrohende Gefahr durch Selbsthülfe abzuwenden. Aber im § 230 wird dieses Recht wesentlich eingeschränkt. Die Selbsthülfe darf nicht weitergehen, als zur Abwendung der Gefahr erforderlich ist. Handelt es sich nun um Vögel, die in dem Garten bauten und die vor den Katzen geschützt werden sollten, so fehlt obendrein hier der Eigentumsbegriff, denn die freilebenden Vögel gehören dem Gartenbesitzer nicht. Die scheinbar so einfache Rechtslage wird also verwickelt, und solch Katzenprozeß wird zu ungunsten des Katzentöters entschieden werden müssen. Auch das Anlocken von Katzen aus weiter Ferne mittelst Baldrianfallen usw. bedeutet eine Verletzung des Eigentumsbegriffs, die durch Notwehr nicht als erfordert angesehen werden kann. - Man wird daher andere Mittel anwenden müssen, um die Vögel vor diesen gefährlichen Räubern zu schützen. Als ein solches Mittel wird den Katzenbesitzern empfohlen, der Katze eine Klingel um den Hals zu hängen. Da diese Katze aber bekanntlich sehr vorsichtig ihr Opfer beschleicht, wähle man eine Schelle, die bei der leisesten Berührung anschlägt. Als ein weiteres Mittel wird empfohlen, der Katze einen nicht zu kurzen Knüttel waagerecht um den Hals zu hängen. Das Stück Holz verhindert oder erschwert mindestens sehr die Ausübung ihrer Raubgelüste. Alle Katzenbesitzer seinen ferner dringlich ermahnt, namentlich zur Brütezeit der Vögel darauf zu achten, daß ihre Katzen nicht überall frei umher streifen, sondern im Hause bleiben. Katzen, die den ganzen Tag auf Vögel Jagd machen, richten großen Schaden an, und mancher Gartenbesitzer, der die in seinem Grundstücke nistenden Vögel für nützliche, die ihnen nachstellenden Katzen aber für schädliche Tiere hält, wird sich trotz aller Gesetzesparagraphen nicht bedenken, die vierfüßigen Räuber mit allen Mitteln für immer unschädlich zu machen
Aufschriftslose Pakete. Mehr als 8000 Pakete mußten im Jahre 1916 zugunsten der Postunterstützungskasse verkauft werden, weil die unzureichend befestigte Anschrift während der Postbeförderung abgefallen war und die Sendungen im Innern keinerlei Angaben über den Empfänger oder Absender enthielten. Meist werden die Absender oder Empfänger zu Unrecht angenommen haben, das Paket sei bei der Post entwendet worden. Und doch trägt die Post keine Schuld an der Nichtankunft des Pakets. Sie hat mit den aufschriftslosen und deshalb unanbringlichen Paketen nur Mühe und Arbeit, die erspart werden können, wenn die Aufschrift haltbar angebracht in der Sendung wiederholt wird. Letzteres ermöglicht, das Paket auch dann dem Empfänger zuzuführen, wenn die Aufschrift abgefallen ist und die Sendung zur Ermittlung des Empfängers oder Absenders geöffnet werden muß.
Zirkus Blumenfeld, eines der ältesten Zirkus- Unternehmen Deutschlands, das sich gleich vielen anderen recht und schlecht durch die schwere Kriegszeit hindurcharbeitete, gibt für 3 Tage, vom 15. bis 17.April in Guben Vorstellungen. Das Programm des neuengagierten Personals ist wirklich erstklassiges und zeigt auf allen künstlerischen Gebieten das Gediegenste. Ein Weltstadt-Programm wird gezeigt. Der Direktion Blumenfeld ist es unter anderem gelungen, das größte telepathische Phänomen, Elsa Wörner, für einige Monate an ihr Unternehmen zu binden. Aerztliche Kapazitäten in Hamburg, Frankfurt a.M., München, Breslau, Dresden, Budapest usw. erklärten Elsa Wörner als einzig existierende Experimental-Psychologin. Die Schulreiterin Lina Wander ist vom Zirkus Busch in Berlin und Breslau als Spezialität bestens bekannt. Die Freiheitspferde des Zirkus Blumenfeld, eine wahre Zierde eines großstädtischen Marstalls, sind überall als hervorragende Darbietung bekannt. Wer die Vorführung der 7 Falben, wahre Prachtexemplare, zum ersten Male sieht, ist überrascht über die Leistungen in der Pferdedressur, wie solche Louis Blumenfeld in vollendeter Eleganz zeigt. Eine Reihe Künstler und Künstlerinnen werden beweisen, daß Deutschland immer noch, trotz des Weltkrieges, auf der Höhe der darbietenden Künste steht!