die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Die Nützlichkeit des Kuckucks ist zwar im allgemeinen bekannt, noch selten ist sie aber in so umfangreicher Weise bewiesen worden, wie durch eine Reihe von Untersuchungen, die vor einiger Zeit in der biologischen Abteilung der landwirtschaftlichen Staatsbehörde der Vereinigten Staaten Nord-Amerikas von den Professoren Beal und Judd vorgenommen wurden. Die Forscher hatten 109 Magen des gelbschnäbeligen und 46 des schwarzschnäbeligen Kuckucks zur Verfügung, deren Besitzer in der Jahreszeit von Mai bis Oktober gefangen worden waren. Nur einer von diesen 155 Magen enthielt auch Pflanzennahrung. Sonst bestand der Inhalt aus Käfern, Heuschrecken, Grillen, Wanzen, Ameisen, Wespen, Fliegen, Raupen und Sinnen. Heuschrecken und Raupen waren allein zu drei Vierteln vorhanden. Die meisten der vorgefundenen Insekten gehörten zu den schädlichen Arten. Der sonderbare Fund im Magen eines der geopferten Kuckucke war ein kleiner Laubfrosch, der als Ganzes verschlungen worden war.
Für den Baumblüten-Sonderzug aus Berlin waren gestern bereits 900 Fahrkarten verkauft. Da noch immer Nachfrage nach Fahrkarten besteht, ist mit dem Besuch von 1000 Ausflüglern allein aus Berlin am Sonntag zu rechnen. Dazu kommen die Sonderzüge aus Forst, Cottbus und Frankfurt a.O., die voraussichtlich ebenfalls große Mengen Besucher nach Guben führen werden! … Der Sonderzug wird mit Musik auf dem Bahnsteig empfangen und die Ausflügler werden durch den Tunnel zunächst in den Garten des Hotels Kronprinz geleitet. Die Gäste werden dort in Gruppen geteilt und unter Führung von Gubenern auf verschiedenen Wegen in die Berge und zu den schönsten Aussichtspunkten geführt. Zum Mittagessen und ebenso zum Kaffee werden sie auf die verschiedenen Bergrestaurants verteilt. Nachmittags werden die Spaziergänge fortgesetzt und über Poetko geht es dann zum Schützenhause, wo von 6 bis gegen 8 Uhr Freikonzert der Stadtkapelle stattfindet. Mit Eintritt der Dunkelheit wird der Park illuminiert, bis die verschiedenen Sonderzüge die Gäste wieder in die Heimat entführen.
Ein starker Gewitterregen ging gestern nachmittag zwischen 6 und 7 Uhr hier nieder. Die Regengüsse der letzten Tage haben zwar vieles wieder gut gemacht, was der Frost in der Nacht zum Sonntag verdorben hat, immerhin dürften die Schäden der Frostnacht, namentlich an den blühenden Obstbäumen, nicht gering anzuschlagen sein.

„Ueber Volksbücherei und Lichtspiel“ sprach gestern abend, auf Veranlassung der Stadtverwaltung der Direktor der Stettiner Stadtbücherei, Herr Dr. E. Ackerknecht, vor einem aus den städtischen Körperschaften, Schulleitern, Lehrern, Leitern gemeinnütziger Vereine und sonstigen Bildungsförderern zusammengesetzten Personenkreis im Lichtspielhaus an der Neißebrücke. Nachdem der Redner den Zusammenhang zwischen Volksbücherei und Lichtspiel aus dem großen Organismus der Bildungspflege heraus erklärt hatte, ging er, allerdings mit großer Weitschweifigkeit, durch die der Kern der Sache etwas verdeckt wurde, auf die Volksbildung und die vornehmlich zu ihrer Unterstützung dienende Volksbücherei ein. Er vertrat die Ansicht, daß der ganze Organismus der Aufgaben der Volksbildungspflege zusammengefaßt und in eine Hand, die der Gemeinde, gelegt werden sollte. Vornehmlich sollten die beiden großen Hauptströme der Volksbildung: Volksbücherei und volkstümliches Lichtspiel, von Stadtwegen in ein einheitliches Bett geleitet und so geführt werden, daß sich dabei eine „gute Tradition“ ergebe. Im engen Zusammenhang damit stehe das Vortragswesen; auch dieses könne den allgemeinen Bildungsbestrebungen nur dann einen Rückhalt gewähren, wenn es in den Gesamtorganismus der kommunalen Bildungspflege miteinbezogen werde. Was der Redner über den Bildungsstand der Stadt Guben sagte, war schmeichelhaft zu hören: Guben sei eine Stadt, die über dem geistigen Durchschnitt stehe; sie habe eine gut geschulte Arbeiterschaft, keine Industrie, die die düsteren Begleiterscheinungen industriellen Lebens mit sich bringe; sie habe für Bildungspflege einen möglichst dankbaren Boden, ihrer Volksbücherei und ihrem Museum beachtenswerte Ansätze dazu; nur eines fehle ihr: eine Persönlichkeit, in deren starker Hand die hauptamtliche Leitung der Bildungspflege liege. Man sollte nicht einwenden, es habe ja bisher alles so gut gegangen, weshalb jetzt ändern? In dem Augenblick, wo man ändert und die patriarchalischen Zustände aufhebt, werde man von selbst erkennen, wie wohl man daran getan habe, die Bildungspflege der Neuzeit entsprechend umzugestalten. Hinsichtlich der Persönlichkeit, deren Hand die Bildungspflege anvertraut werden solle, lenkte der Redner bei dem augenblicklichen Mangel an männlichen Kräften die Aufmerksamkeit auf weibliche Fachgelehrte, wobei er hinzufügte, es gebe wenig Frauenberufe, in denen sich die weiblichen Eigenschaften so ausleben könnten, wie gerade auf diesem Gebiete, innerhalb dessen sich die Frauenseele voll erschöpfen könne. Jedenfalls dürfte man in Guben mit einer gereiften, fachmännisch herangebildeten Bibliothekarin gute Erfahrungen machen.

Sommerfeld, 7.Mai.(Drohender Konflikt beim Personal der Lausitzer Eisenbahn.) Die Arbeiter und Angestellten der Lausitzer Eisenbahn befinden sich in einer Lohnbewegung. Bei dem ablehnenden Verhalten der Verwaltung gegenüber den aufgestellten Forderungen des Personals ist die Gefahr einer Arbeitsniederlegung sehr nahe gerückt. Damit entstände für die gesamte Industrie von Forst, Sommerfeld usw. durch das Ausbleiben der Kohlenversorgung ein unberechenbarer Schaden.
Jagdscheinstempel. Nach dem am 1. Mai in Kraft getretenen Gesetz vom 20. MÄRZ 1923 zur Aenderung des Stempelsteuergesetzes sind Steuersätze für Jagdscheine auf das Hundertfache erhöht worden. Es sind daher künftig an Stempel zu erheben für a) Inländer-Jahresjagdscheine 750 M; b Inländer-Tagesjagdscheine 150 M, c) Ausländer- Jahresjagdscheine 5000 M, d) Ausländer-Tagesjagdscheine 1000 M. Die jetzt vorhandenen, mit einem Wertstempel von 80 M bzw. 8 M versehenen Vordrucke für Inländer-Jagdscheine müssen daher durch Verwendung von Stempelmarken auf die höheren Sätze ergänzt werden.