die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Kirchenrenovierung. Mit der Architektur unserer Stadt- und Hauptkirche standen die hohen Fenster bisher insofern im Widerspruch, als ihre flachen, breiten Nischen mit Putz verkleidet waren, eine Maßnahme, die man seiner Zeit jedenfalls einmal aus rein praktischen Rücksichten und unbekümmert um die Gebote der Kunst getroffen hatte. Die jetzigen Renovierungsarbeiten, bei denen größere Teile der Strebepfeiler erneuert werden, erstrecken sich auch darauf , den unschönen und störenden Fensterputz zu beseitigen, und die bereits freigelegten Fensterteile zeigen, wie wesentlich die Wirkung des Bauwerks dadurch gesteigert wird.
Die Kläranlage, das interessanteste Glied in der vielgestaltigen neuerbauten Schwemmkanalisation, ist in letzter Zeit mehrfach von Interessentengruppen besichtigt worden und steht vor seiner Inbetriebnahme. Was durch hunderte von Kanälen aller Dimensionen, die netzartig in ansehnlicher Tiefe den Untergrund des weitausgedehnten Stadtgeländes durchziehen, die mit jedem Hause, jeder Entwässerungsstelle in Verbindung stehen, alle natürlichen und künstlichen Hindernisse überwinden, schließlich an Regen-, Trauf-, Wirtschafts- und Fabrikgebäude, Fäkalien und Sinkstoffen aller Art zusammengeleitet wird, findet hier seinen Sammel- und Endpunkt, soweit nicht, wie es für ungewöhnlich große und schnell vorübergehende Belastungen der Abwässerungsanlage vorgesehen ist (Gewitterregen etc.) die vielfach vorhandenen Notauslässe in Tätigkeit treten und ihren infolge der energischen Selbst-Spülung unbedenklichen Inhalt in die Wasserläufe ergießen. Die wesentlichen Teile der Kläranlage, Maschinenhaus, Klärbecken und Schlammtrockenplatz, sind gegen etwaige Hochwasser der Neiße durch einen breiten Damm gesichert, zu dem sich das Bodenmaterial ohne aus der mächtigen Baugrube ergab. Unter dem Maschinenhause ergießt sich der Abwässerstrom in ein Vorklärungsbecken zwecks Entfernung der großen Sinkstoffe und Abharkung von allerlei Beimengungen schwimmender Art, z. B. Holz, Papier. Pneumatisch gelangen die festen Teile in den Schlammkessel und weiter auf den Schlammtrockenplatz. Die vorgeklärten Abwässer erhalten ihre endgültige Klärung in den 78 Feldern des Klärbeckens, in denen sich der Schlamm zu Boden setzt und demnächst nach Oeffnung eines Schiebers in den darunterliegenden Schlammkanal gelangt, dessen Inhalt schließlich ebenfalls den Trockenplatz erreicht. Das Oberwasser fließt mit natürlichem Gefälle zur Neiße ab, solange der Wasserspiegel sich nicht über Mittelwasserstand erhebt; wird die Vorflut durch Hochwasser vorübergehend gestört, so treten die Pumpen wie bei jeder Polderanlage in Tätigkeit.
Der Waldgottesdienst bei Germersdorf war gestern sehr stark besucht, Hunderte lagerten im Waldesschatten an der Berglehne. Stimmungsvolle Musikklänge der Wolffschen Kapelle leiteten zum Gemeindegesange über, mit dem Motetten und Lieder des Kirchenchores der Klosterkirche unter der Leitung des Herrn Kantors Klinkott wechselten. Eine kurze Ansprache von Herrn Pfarrer Lic. Balzer fand willige Hörer. Freiwillige Kräfte aus der Germersdorfer Schuljugend hatten die Waldkanzel mit frischen Laubgewinden sinnig geschmückt.
Für Radfahrer-Vereine. Ein Radfahrer-Verein mit auffallender Kleidung fuhr auf seinem Ausfluge in geschlossener Kette durch eine Ortschaft. Der Gendarmeriewachtmeister erblickte darin einen Aufzug auf öffentlichen Straßen, wozu nach dem neuen Reichsvereinsgesetz eine polizeiliche Erlaubnis nötig gewesen wäre und erstattete Anzeige. Die Polizeibehörde war gleicher Ansicht und bestrafte den Führer. Dieser beantragte gerichtliche Entscheidung, beschritt alle Instanzen, wurde aber in höchster Instanz dennoch für schuldig erklärt. Das Kammergericht erachtete einen genehmigungspflichtigen Aufzug für vorliegend. Es habe sich eine vereinigte Menschenmenge über öffentliche Straßen in einer Weise bewegt, welche die Aufmerksamkeit des Publikums zu erregen und den Verkehr zu gefährden geeignet gewesen ist.

(Die Leiche aufgefunden)
wurde nach längeren Suchen an letzten Sonnabend nachmittag von seiner Mutter bzw. seinem Bruder der seit 27.Juli d.J. vermißte Arbeiter Franz Fester von hier. Er lag verschüttet in einer in der Nähe von Räschen befindlichen 1,5 Meter tiefen Sandgrube. Aerzlicherseits wurde der Tod durch Ersticken festgestellt. Die Leiche ist bereits zur Beerdigung freigegeben worden.- Hiermit ist die Mitteilung identisch die uns gestern aus Räschen zuging. Die Schriftslg.
Neue Zwei-Mark-Scheine.
Der neue Eine-Mark-Schein mit der Sonnenblume zwischen den Füllhörnern hat einen Bruder erhalten. Der dazugehörige Zwei-Markschein kommt in den Verkehr als Ablösung des bisher durch so viele Hände gegangen roten Papiers. Die Vorderseite zeigt in einem braunen Viereck die Wertbezeichnung in Buchstaben, flankiert von zwei Reichsadler Stempeln. Als Umrahmung eine aus zierlichen Ornamenten gewobene Raute auf bräunlichem Grunde, auf dem kleine braune Zweien aufgedruckt sind. Auf der Rückseite in dunklerem Braun in der Mitte wieder Nummer und Wertbezeichnung, daneben rechts und links auf blau und braun geblümter Tapete Stempel und Siegel der Reichsschuldenverwaltung. Querleisten tragen oben nochmals die Aufschrift Darlehnskassenschein und unten die üblichen Unterschriften. Das ganze umrahmt - in der Form Erinnerung an Leibnitzkeks – die bekannte Drohung: Wer Darlehnskassenscheine nachmacht oder... Als Gesamteindruck etwas sehr kraus und etwas reichlich braun, wenig geschmackvoll wie alle unsere Geldscheine.
Sommerfeld, (eine mysteriöse Geschichte)
Ein Schuss im Amtszimmer des zweiten Bürgermeisters Jung am Montagabend, mit welchem der Verwalter des Wohnungsamtes Kreysche in Verbindung gebracht wurde, bildete, wie der „Anz.“ Berichtet, gestern das Tagesgespräch in unserer Stadt. Da zweiter Bürgermeister Jung seit gestern Morgen verreist und Wohnungsamtsverwalter Kreysche beurlaubt ist, konnte das Blatt nur von anderer Seite den Sachverhalt erfahren. Danach weilte Wohnungsamtsleiter Kreysche zu der Zeit, als der Schuss fiel, nicht mehr im Amtszimmer des zweiten Bürgermeisters Jung. Letzterer wollte vielmehr seinen in Unordnung geratenen Revolver in Stand setzen, wobei plötzlich ein Schuss losging und leicht den linken Mittelfinger des zweiten Bürgermeisters Jung streifte.