die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Idyllische Zustände scheinen im Forster Theater zu herrschen, wie aus einem Bericht des Forster Tagebl. hervorgeht. Aeltere und junge männliche Personen kehrten sich in der Eröff-nungsvorstellung nicht an die durch Plakate bekannt gegeben Anordnung, im Theater nicht zu rauchen, sie pafften wacker während der Vorstellung. Noch angenehmere Theaterbesucher müssen einige Inhaber von Balkonplätzen (wohl Gallerie) sein; sie machten sich ein Vergnü-gen daraus, auf die Parterre-Besucher herabzuspucken, wobei eine Zuschrift an das Forst. Tagebl. bewegliche Klage führt. Allerdings trafen sie nicht die Köpfe, sondern nur die Stiefel der unten Sitzenden. Auch Zigarettenreste wurden herabgeworfen. Den Parterrebesuchern dürfte zu empfehlen sein, im Theater die Regenschirme aufzuspannen.
Der Zirkus Sarrasani konnte die gestrige Abschiedsvorstellung, die sicher eine gewaltige Zuschauermenge angelockt hätte, nicht veranstalten, der äußerst heftige Sturm, der gestern ausbrach, riß nachmittags den Zirkus um. So wohlverwahrt auch das mächtige Zelt schien, mit Stricken wie Schiffstauen an eisernen Pfählen befestigt, dem Orkan widerstand es nicht. Die weite Fläche des Zeltes bot dem Sturm eine gute Angriffsfläche dar. Unter dem unwiderstehlichen Drucke brachen zuerst einige Stangen, dann stürzte mit Krachen der ganze obere Aufbau des Zeltes nach innen zusammen. Die beiden Hauptmaste und der untere Teil des Zeltes, etwa in Manneshöhe, blieben stehen. Ein Glück war es, daß an diesem Nachmittag keine Vorstellung war, das Unheil wäre unabsehbar gewesen. Dem Leiter des Unternehmens blieb nichts weiter übrig, als sofort mit dem allgemeinen Abbruch zu beginnen. Außer dem Ausfall der Vorstellung dürfte er noch direkten beträchtlichen Schaden haben, da die elektrischen Lampen zertrümmert, von dem Material des Zeltes auch manches arg beschädigt sein dürfte. Direktor Sarrasani hoffte trotzdem heute schon in Grünberg spielen zu dürfen.
Bernsteinfunde: Bei Bodenausschachtungen in der Nähe des neuen Neißewehrs sind im Thon zahlreiche Bernsteinstücke von der Größe einer Erbse bis zum Umfang einer Walnuß gefunden und zum Teil aufbewahrt worden. Bernsteinfunde gehören in den Niederungen unserer Provinz nicht gerade zu den Seltenheiten und haben zum Teil die Größe einer Melone erreicht; diese letzteren Stücke befinden sich meistens in öffentlichen Sammlungen.



Ein aufregender Zusammenstoß zwischen einem Motorwagen der elektrischen Straßenbahn und einem Privatfuhrwerk ereignete sich gestern abend um ½ 8 Uhr in der Frankfurter Straße. Das mit mehreren Personen besetzte Privatfuhrwerk, ein zweispänniger Halbverdeckwagen, kam in schlanker Fahrt die Bahnhofstraße herunter und bog bei der Egelneißebrücke in die Frankfurter Straße ein, als aus entgegengesetzter Richtung ein Straßenbahnwagen nahte. Dem Kutscher, der auf den Motorwagen wohl zu spät aufmerksam geworden war, gelang es noch, die Pferde zur Seite zu reißen, im nächsten Augenblick prallte aber auch schon der Motorwagen auf das Halbverdeck auf. Der Führer des Motorwagens hatte, als er die Gefahr des Zusammenstoßes erkannt, sofort Warnungssignale abgegeben und stark gebremst, sodaß der Motorwagen alsbald zum Stehen kam, sonst wäre ein schweres Unglück unausbleiblich gewesen. Bei dem Zusammenstoß wurden der Kutscher und ein auf dem Bock sitzender Knabe heruntergeschleudert, die Wageninsassen z. T. herausgeschleudert, sodaß sie unter das Fuhrwerk zu liegen kamen. Wie wir hören, lief aber noch alles verhältnismäßig gut ab, nur eine in dem Halbverdeck sitzende Dame erlitt einen Rippenbruch, die übrigen Beteiligten kamen ohne nennenswerte Verletzungen davon, auch die Pferde blieben unbeschädigt, dagegen wurde der Wagen zertrümmert.
Erhöhung der Familienunterstützung. Halbamtlich wird mitgeteilt: Auch in diesem Jahre wird vom 1. November ab eine Erhöhung der Familienunterstützungen mit Rücksicht auf die Teuerungsverhältnisse erfolgen. Der Mindestsatz an Familienunterstützung beträgt für die Ehefrau 20 M, für Kinder sowie für sonstige unterstützungsberechtigte Personen 10 M monatlich. Zu diesem Satze werden auf Grund der Bundesratsverordnung vom 2. November 1917 bereits seit dem 1.November 1917 Erhöhungen bis zu 5 M aus Reichsmitteln je nach dem Beschlusse der einzelnen Lieferungsverbände an jeden Unterstützungsberechtigten bezahlt. Eine vom Bundesrat jetzt angenommene Verordnung sieht eine weitere Erhöhung der bisher gewährten Sätze abermals bis zu 5 M vor. Die Beschlußfassung auch über die neu zu gewährende Erhöhung ist den Lieferungsverbänden überlassen.
Schützengilde. Bei dem gestrigen Herbstschießen, das sich einer großen Beteiligung erfreute, gaben Herr Maurermeister Franz Reumann und Herr Paul Reschke den besten Schuß ab und erreichten die Königswürde des Tages.
Gefundener Geldbetrag.
Auf der Finanzkasse ist ein größerer Geldbetrag gefunden worden. Der Verlierer wird aufgefordert, seine Ansprüche umgehend geltend zu machen.
Entendiebstahl.
In der Nacht zum 6.Okt. wurden aus einem unverschlossenen Stalle am Wendischen Kirchhof 6 Enten (2 weiße und vier farbige) gestohlen. Etwaige Verdachtsgründe möge man der Kriminalpolizei mitteilen.