die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Hitze und Eis. Es ist unbegreiflich, so schreibt dem Berliner Lok. Anz. ein Leser, der lange Jahre in Amerika lebte, warum der Eisverbrauch bei uns in den Haushaltungen so langsame Fortschritte macht. In den Vereinigten Staaten besitzt jede bessersituirte Familie, nicht nur des Mittel- sondern auch des Arbeiterstandes, ihre Eiskiste, und regelmäßig jeden Morgen erscheint der Eismann und liefert ein Stück Eis ab. Das geht ohne jede Störung vor sich. Er trägt das Stück die Hintertreppe – dort hat jede Wohnung zwei Treppen – hinauf, legt es selbst in den Eisschrank, macht an einem neben dem Schranke hängenden Wandkalender einen Strich und verschwindet. Das Stück Eis von zwanzig Pfund kostet 5 Cent (15 Pfg.) und das ist eine Ausgabe, die sich sehr gut bezahlt. Fleisch, Butter, Gemüse, Alles wandert in die Eiskiste und hält sich dort Tage lang, man kann jeder Zeit einen kühlen Trunk haben, und die kluge Hausfrau hat beständig eine mit Thee, Kaffee oder Wasser gefüllte Flasche auf dem Eis liegen. Und wie mundet so eine Flasche Bier frisch vom Eis, oder eine saftige Wassermelone, die 24 Stunden auf dem Eis gelegen hat! Daß die Eispreise in den Vereinigten Staaten so niedrig sind, kommt daher, daß jede Stadt ihre Eisfabrik hat, in der Eis auf künstlichem Wege hergestellt wird. Natureis wird im Haushalte fast gar nicht verwendet. Ebenfalls sind die Eiskisten, die jetzt statt der Eisschränke wieder mehr in Gebrauch kommen, da sie practischer sind, sehr billig. Für 2 1/2 bis 3 Dollar kann man schon eine für einen kleinen Haushalt ausreichende Eiskiste (ice chest) bekommen. Sie haben etwa die Form und Größe der Truhen unserer Voreltern.
Atterwasch: Weitere Neuigkeit zum Münzenfund in Atterwasch: Das Geld ist im Jahre 1802 von dem Bauer Christoph Richter in seinem Weinberge vergraben worden, vielleicht des drohenden Krieges wegen, vielleicht auch noch aus anderen Gründen. Den Versteck des Geldes theilte er seinen Kindern nicht mit. Erst etwa 15 Jahre nach seinem Tode fanden sein Sohn und seine Tochter nach langem Suchen 1.000 Thaler von dem vergrabenen Gelde wieder auf. Sie und weitere Nachkommen waren überzeugt, daß noch mehr Geld vergraben sein müsse, aber es war nicht zu finden. Im Jahr 1944 wurde der Weinberg zur Gemeindesandgrube gemacht.
Groß-Gastrose. Zur bequemeren Beförderung der Versandprodukte hat der Mühlenbesitzer Lehman ein interessantes Bauwerk ausführen lassen. Es ist dies ein äußerst stabiler Steg, der aus der 1. Etage des Mühlenetablissements mit mäßigem Gefälle über einen Neißearm zur Verladestelle hinführt. Durch auf Schienengeleise laufende Wagen und mittels Sackkarren werden die gewonnenen Materialien auf dieser schiefen Ebene mit leichter Mühe zum Verla-dungsplatze gebracht. Von demselben hat Herr Lehmann ein Anschlußgeleis nach der Forst-Gubener Bahn legen lassen.
Über die Rentabilität der am 1. Juni eröffneten Forst-Gubener Bahn dürften folgende Ziffern, welche den Personenverkehr der Zwischenstationen betreffen, von allgemeinem Interesse sein. Danach sind im Monat Juni außer den Kinderbillets, die als halbe Fahrkarten gerechnet werden, in Gr.-Briesnigk rund 700, Grießen 570, Gr.-Gastrose 1080 und in Schlagsdorf 700 Fahrkarten verausgabt worden, wodurch eine Einnahme von rund 900 Mark erzielt wurde. Den Ausschlag muß jedoch der Güterverkehr ergeben, der von den genannten Stationen in Gr.-Gastrose mit der im Juni gerechneten Einnahme von rund 5000 Mark am bedeutendsten ist. Da der Zufuhrweg zur Haltestelle in Grießen nun soweit fertig gestellt ist, wurde auch dort am 11. d. M. der Güterverkehr eröffnet.
Gottesdienst für Gehörlose.
Am nächsten Sonntag, den 20. d . M. nachm. 3:30 Uhr wird in der Sakristei der Stadt- und Hauptkirche wieder ein Gottesdienst für Gehörlose durch Oberpfarrer Adam abgehalten werden.