die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Wegen öffentlicher Beamtenbeleidigung hatte sich in der heutigen Sitzung des Schöffengerichts der Oekonom Adolf Jung zu verantworten. Am 26. Juni abends kam ein Polizeisergeant behufs Revision des Lokals nach der Walhalla. Ehe der Beamte seinen Auftrag vollzogen hatte, wurde er von dem erregten Angeklagten zum Verlassen des Lokals aufgefordert und dann von ihm angeschrieen, wie er dazu komme, seinen Wagen auf der großen Neißebrücke anzuhalten. Der Angeklagte setzte hinzu: „Sie denken wohl, mein Wagen ist ein Affenkasten, da müssen Sie sich erst hineinsetzen!“ Der Angeklagte stellt die Sache so hin, als sei der Beamte im Unrecht gewesen und habe ihn gereizt. Er wird aber überführt und der Amtsanwalt beantragt gegen ihn 2 Monate Gefängnis. Der Gerichtshof erkennt, daß der Angeklagte ohne die geringste Veranlassung und vorsätzlich und gröblich den Beamten beleidigt hat und erkennt auf 6 Wochen Gefängnis. Dem Beleidigten wird auch die Befugnis zugesprochen, das Urteil auf Kosten des Angeklagten in der Gubener Zeitung zu veröffentlichen.
Eines gesunden Schlafes erfreute sich ein hiesiger Bürger, der gestern nachmittag zur Stadtverordneten-Versammlung als Zuhörer erschienen war. Die lange Erörterung über die Regulierung des Kastaniengrabens wirkte auf diesen Zuhörer derart ermattend, daß er unversehens in Morpheus Armen entschlummerte. Inzwischen ging der Kampf der Meinungen über den Ausbau des Kastaniengrabens, insbesondere darüber, ob Pflasterung oder Chaussierung, ob Mosaikpflaster oder Bordschwellen, in hohen Tönen weiter. Über 15 allein schon durch ihr Alter geheiligte Alleebäume wurde das Todesurteil gesprochen und der stille Mann auf der Zuhörerbank schlief den Schlaf des Gerechten, der seine Hände in Unschuld wäscht, weiter. Ein viertel Dutzend Regulative und Gebührenordnungen wurden angenommen, Gelder aus der Bürger Tasche bewilligt, den Forstbeamten die Leviten gelesen, weil sie die beerensuchende Jugend (wohl so ganz unschuldigerweise doch nicht!) inkommodieren und gerade war man dabei, sich über die respektabeln Überschüsse der Städtischen Lichtwerke zu freuen, als aus der Ecke, die Stimme des Referenten übertönend, ein Geräusch hörbar wurde, als ob eine Sägemühle in Gang gesetzt worden wäre. Ein Mann der „öffentlichen Meinung“, dem sehr viel daran gelegen war, die über den Etatsanschlag hinausgehenden Überschüsse ziffernmäßig festzuhalten, ging dem sonderbaren Geräusch nach, kam auch zu dem Fremden in der Ecke, stellte mit diesem, unter der Heiterkeit des versammelten Kollegii, energische Wiederbelebungsversuche an, die schließlich auch von Erfolg gekrönt waren. Mit glücklichem Lächeln schlug dieser die Augen auf – er hatte im Stadtratssaal geträumt – geträumt von baldiger Steuerermäßigung!

Blühende Obstbäume.
Infolge der großen Dürre haben viele Obstbäume die Blätter verloren. Durch den letzten Regen, der bis auf die Wurzeln ging, erfrischt, trieben die Bäume neuerdings wieder aus und tragen Blüten. So sieht man in Stadt- und Landkreis Guben z.Zt. mehrere Obstbäume in Blüte stehen.
Festgenommene Holzdiebe. Von einem Beamten der Brandenburger Wach- und Schließgesellschaft wurden in der Nacht vom 8. zum 9. D. Mts. drei Personen festgenommen, die Holz gestohlen hatten. Der Beamte meldete diese der Polizei, die für ihre Bestrafung sorgen wird. Das Holz konnte bereits den Besitzern zurückerstattet werden.