die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
In der Berlin- Gubener Hutfabrik ist vor einigen Tagen an der großen Dampfmaschine von 350 Pferdekräften ein größerer Defekt entstanden, der die Betriebsleitung leider zwang, den größten Theil des Betriebes feiern zu lassen. Mit Hilfe eines schnell aufgestellten Petroleummotors werden die notwendigsten Arbeiten ausgeführt, sodaß ein Theil der Arbeiter beschäftigt werden kann, die Mehrzahl derselben muß feiern, obwohl der Lohnausfall jetzt kurz vor Weihnachten doppelt empfindlich ist, bis der Schaden ausgebessert ist, was voraussichtlich Freitag der Fall sein wird. Als ein Glück ist es zu betrachten, daß bei der furchtbaren Gewalt, mit der der Boden des Cylinders herausgerissen wurde, Niemand verletzt worden ist.
Eisferien gibt es jetzt in den städtischen höheren Schulen Berlins, d.h. die Schulen werden eine Stunde früher geschlossen und die Kinder beauftragt, die freie Zeit beim Eislaufen zuzubringen. Es sind verschiedenen Bahnen zu diesem Zwecke gepachtet, auf denen die Kinder unter Aufsicht der Lehrer den Schlittschuhlauf üben.
Eisenbahnunglück auf Station Guben. Wie wir bereits heute morgen durch Extrablätter erfahren haben, entgleiste gestern abend 11,25 Uhr kurz nach dem Verlassen der Station Guben der mit zwei Lokomotiven bespannte Güterzug Nr. 7728 Guben - Frankfurt a.O.. Bei dem Stellwerk Nbd, zwischen dem Stationsgebäude und der Kupferhammermühle gelegen, geriet der Zug infolge falscher Weichenstellung auf ein totes Gleis. Die Vorspannlokomotive, Nr. 4012 Posen, fuhr gegen den Prellbock, riß diesen hinweg und fuhr die etwa zwei Meter hohe Böschung hinab, sich bis an die Achsen in das Erdreich einwühlend. Der Tender dieser Maschine drückte sich in den Bedienungsraum der Lokomotive ein, ließ aber glücklicherweise noch genügend Platz für das Personal. Die zweite Maschine, Nr. 4015 Posen, wurde mit den beiden vorderen Räderpaaren aus dem Gleis gehoben und an der Stirnseite durch den Tender der Vorspannlokomotive beschädigt. Ein Heizer, der sich durch Abspringen retten konnte, erlitt geringe Hautabschürfungen im Gesicht; sonstige Personen sind nicht verletzt. Der Materialschaden ist unbedeutend, immerhin dürften die Aufräumungsarbeiten einige Tage in Anspruch nehmen.
Viehzählung. Die Anfang Dezember im Stadtkreise Guben stattgefundene Viehzählung hat folgendes Ergebnis gehabt: Es wurden in 57 Zählbezirken 2733 Gehöfte gezählt, von denen 953 einen Viehstand hatten. Vieh haltende Haushaltungen waren 1016 vorhanden. An Vieh wurden gezählt: 627 Stück Pferd, 894 Stück Rindvieh, 39 Stück Schafe und 1589 Schweine. Das Gesamtergebnis der Zählung ist nicht wesentlich von dem des Vorjahres abweichend.
Vom Wetter.
Während der ersten Dezemberwoche blieb die Wetterlage recht gleichmäßig. Der leichte bis mäßige Frost im Nordosten des Reiches dauerte ebenso fort, wie das trübe, aber vorwiegend trockene Tauwetter in den übrigen Landesteilen. Die Gleichmäßigkeit der Witterung war bedingt durch das Verharren des Maximums über Osteuropa. Jetzt aber scheint eine Umgestaltung der Wetterlage Platz zu greifen, bei der die atlantischen Wirbel mehr und mehr in das Innere des Kontinents eindringen und das russische Hoch zur Verflachung und Abwanderung bringen dürften. Darauf deutet auch die beträchtliche Abnahme des Luftdrucks in Deutschland hin. Wir haben somit west-ostwärts fortschreitende Erwärmung mit Drehung der Winde nach Südwesten und Niederschlägen zu erwarten, die im Osten anfänglich vielleicht in Form von Schnee fallen dürften. Jedenfalls scheint diese erste Periode ruhigen Hochdruckwetters in diesem Winter, die noch so gut wie gar keine Kälte gebracht hat, endgültig vorüber zu sein. Ob es bald zu einer Wiederkehr dieses Witterungstypus kommt, der dann gewiß auch strengeren Frost bringen würde, läßt sich einstweilen nicht sagen.

Der kupferne Sonntag brachte gestern zunächst das, was von ihm in erster Linie verlangt wird: Schönes Wetter. Das klare Frostwetter lockte zahlreiche Passanten auf die Straße und in den Hauptverkehrsstraßen herrschte teilweise eine große Fülle. Ob der Ertrag die Geschäftswelt, die ihre Läden bis 7 Uhr abends offen hielt, befriedigte, kann ohne weiteres nicht gesagt werden, jedenfalls war die Kauflust lebhaft, denn man sah recht viele Leute, die ein und mehrere Pakete nach Hause trugen. Es geht nun auf den silbernen Sonntag zu, von dem man ein noch regeres Geschäft erhofft, die größten Hoffnungen werden jedoch auf den letzten Sonntag vor Weihnachten, den goldenen, gesetzt.


Stadttheater. Am Freitag wird zum ersten Male die entzückende Operette „Miß Dudelsack“ von Nelson gegeben. Titelrolle: Fräulein Noack, Hauptrollen: Die Herren Adam, Jahn, Marberg, die Damen v. Holbein, Waldow, Spielleitung: Ernst Marberg. Am Sonntag findet wiederum eine musikalische Morgenfeier und zwar über Franz Schubert statt. Vielfachen Wünschen zufolge wird „Der letzte Walzer“ wieder in den Spielplan aufgenommen und ist die nächste Aufführung am Dienstag, dem 14.d. Mts. Im Schauspiel wird ein Hofmannsthal-Abend vorbereitet.