die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Der Gubener Ruderklub hat sich in den verflossenen 6 Jahren seines Bestehens wieder erfreulich weiter entwickelt. Von besonderer Bedeutung ist die Aufführung des Baues eines eigenen Bootshauses, dessen Einweihung am 12. Mai stattfinden kann. Der Klub zählte am 1. Januar d. J. 110 Mitglieder, und zwar 30 ausübende und 80 unterstützende Mitglieder. Der Bootsbestand hat sich im letzten Jahre nicht vermehrt, er besteht aus drei Gigvierern, zwei Gigdoppelzweiern, einem Riemenzweier und einem Privatboot. Der Kassenbericht zeigt einen recht befriedigenden Stand; mit einem Reinvermögen von 4355,91 Mark begann der Klub sein neues Vereinsjahr. Die Satzungen wurden abgeändert, um der männlichen Jugend unter 21 Jahren den Eintritt in den Klub zu erleichtern. Zum Vorsitzenden wurde in der letzten Generalversammlung Herr Richard Requadt wiedergewählt.
Aus dem Hochwassergebiet der Oder
Ein Berliner Blatt brachte kürzlich eine Notiz aus unserem Orte über „Die Taufe mit der Feuerspritze“. In dieser Notiz wird auch das Dorf Schidlow erwähnt, und zwar ist von ihm gesagt, daß es seiner Kleinheit wegen nicht einmal in Ritters Geographisch-Statistisches Lexikon aufgenommen sei. Dem Blatte wird daher berichtigend geschrieben, daß das Dorf Schidlow oder Schiedlo nicht verzeichnet ist, weil es nicht mehr existiert. Nur vereinzelte Häuser heben sich aus den Forstkulturen und Weidetriften, an denen früher die Heimstätten Schiedlows ein weltabgeschiedenes, stilles Gemeinwesen bildeten. Das Dorf ist verschwunden. Auf Abbruch wurden die Baulichkeiten verkauft, die früheren Besitzer entschädigt und ihnen Gelegenheit geboten, sich anderwärts anzusiedeln. Der Ankauf Schiedlos durch die Regierung war ein dem Oderstrom gebrachtes Opfer. Das Dorf lag, fast von drei Seiten vom Strom umschlossen, im Kiesgeschiebe der Oder und konnte selbst mit starken Dämmen nur ungenügend gegen Hochwasser geschützt werden. So war und blieb Schiedlo ein Sorgenkind der Provinz Brandenburg. Kaum, daß eine Sammlung für die notleidenden Ueberschwemmten einigermaßen dem Elend gesteuert hatte, warf sich aufs neue die Oder über den ihr entgegengestellten Damm und schwemmte Dächer und Wände , Vieh und Ernte hinweg. Die Hochfluten des Jahres 1903 gaben Anstoß zu einem außergewöhnlichen Vorgehen. Am 12. August 1905 wurde das Odergesetz erlassen, ein Gesetz, „betreffend die Maßnahmen zur Hochwasser-, Deich- und Vorflutenverhältnisse an der oberen und mittleren Oder“, dem am 16. August das weitere Gesetz „ zur Verhütung von Hochwassergefahren“ folgte. Zur Regulierung der Oder wurden 60 Millionen M. bewilligt und hiervon der Ankauf Schiedlos beschlossen und ausgeführt. Jetzt gehört Schiedlo der Vergangenheit an. Wahrscheinlich werden auch zwei benachbarte Gemeinden, Kuschern und Lahmo, sein Schicksal teilen und in einigen Jahren ebenfalls verschwunden sein.
80. Geburtstag Morgen, Donnerstag, feiert der Nestor der Familie Naschke und Ehrenmitglied des hiesigen Obst- und Gemüsegärtner- Vereins, Herr Carl Naschke hier, Germersdorferstraße 4 u. 5, in verhältnismäßiger körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. Er war vor nunmehr 50 Jahren, als der Weinbau nicht mehr rentierte und die alten Winzer mutlos verzweifeln wollten, der Mitbegründer unseres ausgedehnten Frühgemüsebaues, der vereint mit seinem verstorbenen Schwager F. Poetko, dem Gründer der hiesigen Obstweinkelterei, seine Kollegen damals wieder hoffnungsvoll und lebenskräftig machte, indem er ihnen zeigte, daß statt der nicht mehr rentierenden Reben auch Frühgemüse auf Gubens Bergen wachse und gedeihe. Wie der Gemüsebau sich hier in den wenigen Jahrzehnten entwickelt hat , zeigt der Versand, der sich alljährlich von hier aus nicht nur nach Berlin, sondern auch nach den umliegenden kälter gelegenen Ortschaften, bis nach den Gebirgsgegenden hin, abwickelt. Der Jubilar wird heute erfreut sein, daß seine Anregungen sich so hoch entwickelt haben und es sei ihm zu wünschen, daß er noch lange in körperlicher und geistiger Frische das weitere Aufblühen des Gubener Gemüsebaues beobachten kann.

Der Vortrag Dr. Traubs im Festsaale des Gymnasiums hatte gestern, wie nicht anders zu erwarten war, eine große Anziehungskraft ausgeübt. Der geschätzte Redner sprach in seinem Thema „Vom wahren Mut“ schlicht und einfach und dabei so tiefgründig und kernig, daß alle Teilnehmer eine willkommene Stärkung des Herzens empfanden. Der ausführliche Bericht über den Vortrag mußte wegen Raummangels bis morgen zurückgestellt werden.

Hühnerdiebstahl. Am 4. d. Mts. im Laufe des Vormittags sind von einem Grundstück in der Hundsgasse, aus dem Hühnerauslauf lebend ein weißer Hahn, 3 weißgrau gesprengelte, 1 weißbunte, 1 braune und 1 schwarze Henne gestohlen worden. Vor Ankauf der Tiere wird gewarnt. Sachdienliche Angaben, die zur Ermittlung des Täters führen könnten, erbittet die Kriminalpolizei, Markt 12, 1 Treppe, Zimmer 1.
Aus der Geschichte der Stadt Guben. Die Volkshochschule teilt uns mit, daß die beiden ursprünglich für den 4. und 11. März geplanten Vorträge des Herrn Lehrer Gander auf den 11. und 18. März verlegt werden mußten, sodaß also am 11. März der Hussiteneinfall in die Lausitz und am 18. der Bürgeraufstand in Guben 1604 behandelt werden wird. Die Vorträge sind öffentlich und kostenlos. Näheres wird noch mitgeteilt.
Stadttheater. Am Sonntag abend wird zum ersten Male „Die Scheidungsreise“, der Schlager des Berliner Künstlertheaters, aufgeführt, der in Berlin seit Monaten auf dem Spielplan ist. Seinen Erfolg hat der Schwank in erster Reihe dem bekannten Lied „Warum denn weinen“ zu verdanken. Die Hauptrollen werden von Frl. von Holbein und Herrn Warberg, der auch die Spielleitung hat, dargestellt. Für nächste Woche ist als Kammerspielvorstellung die Kindertragödie „Frühlingserwachen“ von Wedekind in Aussicht genommen. Am Dienstag wird zum letzten Male „Der Zigeunerbaron“ aufgeführt.
