die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Einen so launischen und sonderbaren Winter wie heuer hat Rußland noch nicht erlebt. In Kiew sind 6 Grad Wärme, der Dnjepr ist eisfrei, die Kastanienbäume schlagen aus und das Gras grünt. In Warschau sind 7 Grad über Null, der Mangel an Schnee beunruhigt die Landwirthe. In Rostow ist statt Frost und Schnee warmer Regen, die Schiffahrt am Don wurde wieder aufgenommen, und die Passagier- und Frachtschiffe verkehren ins azowische und Schwarze Meer. Aus Belgrad wird gemeldet: Die ungewöhnlich milde Witterung hält an. In einzelnen Landestheilen stehen die Obstbäume, namentlich Aprikosen, Pflaumen und Kirschen in voller Blüthe.
Über das große Pferdefleisch-Probe-Essen, das der Berliner Thierschutzverein am Donnerstag Abend im Luisenhof veranstaltete, schreibt der bekannte Humorist Julius Settenheim u.A.: Etwa 600 Tischgäste! Und mit Entsetzen bemerkte ich, daß selbst das gutmüthige Pferd sich nicht ohne Musik genießen läßt. "Das Schlachtroß steigt, und die Trompeten klingen!" Auch die Reden klangen, die die Tafel einleitende Rede des Herrn Regierungsraths Sefeld wurde sogar noch deutlicher vernommen und mit Beifall angehört.
Der erste Gang, die Kraftbrühe, und der dritte, das gespickte Filet in Madeira, mundeten ganz vortrefflich, und selbst der in Freiheit dressirte Feinschmecker konnte nicht behaupten, er höre beim Essen ein gewisses Wiehern oder er müßte so feinhörig sein, daß er bei einem anderen Essen brüllen oder grunzen zu hören pflegt.
Eine Wurst, die von gutgelaunten Roßschlächtern herumgereicht wurde, ließ sich gleichfalls nicht von einer Cervelatwurst, welche einen anderen Stammbaum hat, unterscheiden.
Die Damen, welche anwesend waren und in der Küche zu Hause und zu Hause in der Küche sind, schienen sehr zufrieden und für das Pferd völlig gewonnen. Eine Tafel war den Stadtverordneten, eine andere den Vertretern der Presse reservirt; an beiden Tafeln lobte man das Pferd aus vollem Munde. Im Vorsaal war eine Ausstellung von Roßbraten und verwandter Kost vom Verein Berliner Roßschlächter etablirt, und man kaufte viel für den Hausstand ein.
Als ich gegen Mitternacht das Souper verließ, wurde im Saal noch tüchtig eingehauen, wie dies das arme Pferd bei Lebzeiten seitens der Herren Kutscher in anderer Weise wohl als schmerzlich erduldet hat.

Der dicke Turm, das Wahrzeichen der mittelalterlichen Stadtbefestigung, zeigt unterhalb seiner Zinne erhebliche Auswetterungen. Wie dringlich die schon geplante Ausbesserung des historischen Turmes ist, beweist der Umstand, dass gestern Mittag ein halber Mauerstein in dem großen Format der in alten Bauwerken verwendeten Steine niedersauste, glücklicherweise ohne jemanden zu treffen. Bei dem aus dem Mauerwerk gegenwärtig heraustretendem Froste sind weitere Abbröckelungen größerer Stücke nicht ausgeschlossen

Ministerielle Mahnung an militärische Kraftwagenführer. Das Kriegsministerium weist in einer Verfügung vom 4.d.M. darauf hin, daß aus zahlreichen Beschwerden und Ersatzansprüchen gegen die Heeresverwaltung hervorgehe, daß die Führer der militärischen Fahrzeuge – namentlich in Ortschaften – häufig zu schnell gefahren sind, nicht rechtzeitig oder keinerlei Warnungszeichen gegeben oder beim Begegnen und Ueholen anderer Fahrzeuge nicht die richtige Straßenseite eingehalten und dadurch Personen und fremdes Eigentum zu Schaden gebracht haben. Es ist deshalb verfügt worden, daß die Führer ernstlich zur Vorsicht ermahnt werden und ihnen strengstens zur Pflicht gemacht werde, bei allen Fahrten stets die bestehenden Fahrordnungen und Bestimmungen gewissenhaft zu befolgen. Zugleich ist ihnen zu eröffnen, daß sie unnachsichtlich für die Schäden verantwortlich gemacht werden würden, die durch ihr Verschulden der Reichskasse erwachsen. Es steht zu erhoffen, daß die kriegsministerielle Verfügung den im Interesse des öffentlichen Verkehrs notwendigen Erfolg gegen das vielfach rücksichtslose Fahren der Militärkraftwagen hat.
Turnerschaft Guben. Am Sonntag sind wieder spannende Wettkämpfe zu erwarten. Es treffen sich vormittags 10 Uhr auf dem Sportplatz am Damm die 1. Mannschaft von F.C. Preußen und Turnerschaft e.V. zum fälligen Verbandsspiel. Beide Mannschaften werden ihr möglichstes daransetzen, um günstig abzuschneiden. Auf dem Sportplatz der Turnerschaft am Koenigpark treffen sich nachmittags 13:30 Uhr die 3. Vereinsmannschaft und die Jgdm, genannten Vereins. Um 2 Uhr tritt die 2. Mannschaft der Turnerschaft gegen die 1. Mannschaft der Sportvereinigung Germersdorf zu einem Gesellschaftsspiel an.
Häuslicher Hilfsdienst. Der hiesige Hausfrauenverein, der schon mehrere hundert Mitglieder zählt, möchte in den Zeiten der Not seinen Mitschwestern gern helfend zur Seite stehen. Dazu ist es nötig , daß sich junge Mädchen oder Witwen aus den Bürgerkreisen finden, die im eignen Haushalt für Stunden, Tage oder Wochen entbehrlich sind, nur als Hausheimchen oder Hausschwester einer Hausfrau beizustehen, die wirtschaftlich nicht in der Lage ist, eine Hausangestellte in ihr Haus zu nehmen. Die aber durch besondere Umstände in Not geraten ist und dringend einer Hilfe bedarf. Diese Heimchen, die ihre Freizeit nutzbringend anwenden, daß sie schwachen erholungsbedürftigen und kinderreichen Hausfrauen helfend zur Seite stehen, sollen selbstverständlich dafür auch bezahlt werden und dabei von der Hausfrau mütterlich, gleich einer jungen Freundin, behandelt werden. Durch das Arbeiten in anderen Haushaltungen werden die Heimchen selbst den größten Nutzen haben, da sie dabei erkennen werden, daß die Pflichten der Hausfrau gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können und daß ein behaglicher Haushalt das größte Glück für die Familie ist. Und nun will der Hausfrauenverein solche Heimchen sammeln, die sich bei diesen Liebeswerk betätigen wollen. Er bittet junge Mädchen oder auch Witwen, die die Kenntnisse dazu besitzen, sich zu melden bei Frau Dr. Bräuer, Lindengraben 4, Frau Kaufmann Gebhold, Gasstraße 14, Frau Kaufmann Weinberg, Salzmarktstraße 9, Frl. J. Gast, Haagstraße.