die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Bei dem Elektrizitätswerk der Seydellschen Mühlen sind durch das Grundeis der Neiße Stockungen eingetreten sodaß wieder die Maschinen des städtischen Elektrizitätswerkes in Tätigkeit gesetzt werden mussten. Es ist nur gut, dass diese Störung nicht kurz vor Weihnachten eingetreten ist; das städtische Werk, dessen Reservemaschinen erst im Aufstellen begriffen sind, wäre gar nicht imstande gewesen, den erforderlichen Strom zu liefern. Jetzt, wo die Geschäftsläden wieder um 8 Uhr geschlossen werden, auch die Tage langsam zunehmen, ist der Stromverbrauch beträchtlich geringer.
In der städtischen Volksbibliothek sind im vergangenen Jahre an 17.417 Leser 29.362 Bücher für die häusliche Benutzung ausgegeben worden, und die lesehalle wurde von 5347 männlichen und weiblichen Personen besucht. Diese Zahlen ergeben namentlich für die Bibliothek eine wesentliche Steigerung gegen die Frequenz des Vorjahres. In beiden Räumen sind im Interesse des lesenden Publikums verschiedene Verbesserungen ausgeführt worden. Die im Ausgabezimmer der Bibliothek ausgehängten Tafeln mit den Verzeichnissen der neuerworbenen Bücher erschwerten durch ihre große Zahl die Übersicht; es wurde deshalb ein Nachtragsverzeichnis über 772 Bände herausgegeben, das neben dem Hauptkataloge zu 5 Pf. Pro Stück abgegeben wird. Unter diesen Neuerwerbungen sind außer den Geschenkbänden in großer Zahl Werke vorhanden, die als die besten literarischen Erzeugnisse der Neuzeit gelten. Autoren wie Anzengruber, Rosegger, Ganghofer, Dohn, Eyth, Otto und Paul Ernst, Finckh, Fontane, Herzog, Jensen, Paul Keller, Th. Mann, Polenz, Raabe, Maxim. Schmidt, Sudermann, Zahn und viele andere sind in der Abteilung A. mit ihren besten Arbeiten vertreten. Auch die übrigen Gruppen haben von wissenschaftlichen Werken eine erfreuliche Bereicherung erfahren. Die Lektüre der Lesehalle ist durch die Zeitschriften „Der Türmer“ und „Nord und Süd“ vermehrt worden, außerdem sind diesem Raume von befreundeter Seite wertvolle Werke aus dem Gebiete der Kunst- und Kulturgeschichte zugegangen. Die bekannten Schriften, welche Belehrung über gesundheitliche und wirtschaftliche Fragen vermitteln: „Wie erhält man sich gesund und erwerbsfähig?“, „Wie können wir helfen bei Unglücksfällen?“, „Die Tuberkulose als Volkskrankheit und deren Bekämpfung“, „Wegweiser ins wirtschaftliche Leben“ werden auch fernerhin in der Volksbibliothek weit unter dem Selbstkostenpreise für den geringen Betrag von 5 Pf. Pro Stück abgegeben. Die schon oftmals geäußerte Bitte, die Bibliotheksbücher beim Abholen und Zurückbringen durch einen Umschlag gegen Nässe zu schützen und sie im Hause nicht kleinen Kindern als Spielzeug in die Hände zu geben, muß leider auch jetzt noch wiederholt werden. Möchte das neue Jahr die alten Klagen über rücksichtslose Behandlung der Bücher beseitigen.

Die Uebergabe des städtischen Elektrizitätswerkes und des Kraftwerkes der Seydell’schen Mühlen an das Märkische Elektrizitätswerk ist seitens der Stadt am Donnerstag, den 2. Jan., erfolgt. Die Verwaltung der Werke wird nach Frankfurterstraße 33 gelegt, wo das Märkische Elektrizitätswerk das Vorderhaus von dem Inhaber der Gubener Dütenfabrik Herrn Max Graul, gemietet hat. Das Untergeschoß wird gegenwärtig bereits hergerichtet, während das erste Stockwerk erst am 1. April zu Verwaltungsräumen eingerichtet wird.

Erläuterungen zur Herstellung kartoffelhaltigen Brotes hat der Minister für Handel und Gewerbe den Handelskammern und durch Vermittlung der Innungsaufsichtsbehörden den Bäcker-Innungen zugehen lassen. Dabei sei nochmals darauf hingewiesen, daß es sich um eine Angelegenheit von größter Bedeutung handelt. Jeder Bäcker erwirbt sich ein Verdienst um das Vaterland, wenn er durch möglichst umfangreiche Verwendung von Kartoffeln für die Brotbereitung dazu beiträgt, daß unsere Getreidevorräte bis zur nächsten Ernte ausreichen. Wenn mit den Erläuterungen die Beseitigung etwaiger backtechnischer Schwierigkeiten und dadurch auch eine weitere Verbreitung des „K“-Brotes erreicht werden soll, wird es nötig sein, daß die Bäcker-Innungen jedem Mitgliede wenigstens ein Stück der Erläuterungen übersenden und in den nächsten Vorstandssitzungen und Innungsversammlungen deren Inhalt erläutern und dabei die Mitglieder veranlassen, auch ihre Erfahrungen im Einzelfalle gegenseitig auszutauschen. Auch eine Veröffentlichung in den Fachzeitschriften wird sich empfehlen.

Fürstenberg a.O., 4. Jan. (Aufhebung der Sperre des Oder-Spreekanals.) Die unter dem 14. Dezember v.Js. angeordnete Sperrung des Oder-Spreekanals wird, wie amtlich mitgeteilt wird, mit dem 3. d. Mts. aufgehoben. Der Verkehr auf dieser Wasserstraße wird jedoch zunächst nur für beladene Fahrzeuge, und zwar in beiden Richtungen sowohl für eiserne als auch für hölzerne Fahrzeuge von diesem Tage ab freigegeben. Der Zeitpunkt, von dem ab leere Fahrzeuge auf dem Oder-Spreekanal wieder zum Verkehr gelangen werden, wird noch bekannt gemacht.
Besichtigung des Verwaltungsgebäude der Ortskrankenkasse.
Der Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse des Stadtkreises Guben macht im Inseratenteil bekannt, daß an den Sonntagen 8., 15., 22. und 29. Januar 1922, vormittag 10 Uhr, eine Besichtigung der im Verwaltungsgrundstück – Neustadt 43 – neueröffneten elektro-medizinischen Badeanstalt stattfindet und die Kassenmitglieder, sowie sonstige Interessenten eingeladen sind. Unter Bezugnahme auf den Eröffnungsbericht vom 20. Dezember 1921 dürfte sich der Besuch sehr empfehlen.