die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Zur Naturgeschichte der Pleite. Der Ausdruck „Pleitegeier“ hat bereits Gebrauchsrechte in der Presse erworben, die sich, seitdem er im Parlamentsbericht sesshaft geworden ist, zu einem formalen Rechtstitel ausgewachsen haben. „Pleite“, so wird in der „Frankf. Ztg.“ dazu geschrieben, finden wir in den Wörterbüchern als ein jüdisch-deutsches Wort für Bankerott, aber Pleite nach polnischer Aussprache, sonst auch „Plete“, heißt nicht Bankerott sondern Flucht, und da Bankerotteure mitunter flüchtig werden, so hat sich in den Kreisen, in denen das Jüdisch-deutsch gesprochen wurde, eingebürgert, zu sagen: „Der ist pleite gegangen“, wenn jemand bankerott wurde…“
Guben erhält regelrechten Droschkenbetrieb. Die städtischen Behörden haben mit einem Berliner Unternehmer einen Vertrag abgeschlossen, der dem bisherigen mangelhaften Verkehrswesen endlich ein Ende bereiten wird. Der Unternehmer verpflichtet sich, 8 Taxameterdroschken mit 15 bis 20 Pferden hier zu stationieren und Tag und Nacht vor allem zu allen Zügen, regelrechten Droschkenbetrieb zu unterhalten. Droschkenhalteplätze sind der Markt und der Platz vor dem Bahnhof. Der Unternehmer erhält im ersten Jahr eine städtische Subvention von 1000 Mark. Der Betrieb wird bereits im April dieses Jahres aufgenommen.

Zum Bau der Bahn Guben - Grunow wird in auswärtigen Blättern berichtet: Mit lebhaftem Interesse sieht man der Beendigung der Vorarbeiten des Bahnprojekts Grunow - Guben in den beteiligten industriellen und landwirtschaftlichen Kreisen entgegen. Wie bisher in Erfahrung zu bringen war, ist die Eisenbahndirektion in Halle noch mit den Vorarbeiten beschäftigt, indessen ist noch nicht vorauszusehen, wann diese beendet sein werden und das Projekt greifbare Gestalt annehmen wird. Daß der Bau dieser Strecke, der in wirtschaftlicher Hinsicht von außerordentlicher Bedeutung ist, kommen wird und zwar allem Anschein nach in nicht allzu ferner Zeit, dürfte schon daraus hervorgehen, daß die Eisenbahnbehörde den Bahnhof in Grunow nachträglich bereits erweitern und in technischer Hinsicht nach den neuesten Konstruktionen ausführen ließ. Auch der Bahnhof in Guben ist ja vor einiger Zeit wesentlich vergrößert worden, sodaß man in der Annahme nicht fehl gehen wird, daß die beteiligten Verwaltungsbehörden die Ausführung der Strecke ernstlich betreiben.
Im Naemi-Wilke-Stift , Krankenhaus und evang.-luther. Diakonissenanstalt zu Guben, sind im Jahre 1912 im ganzen 370 männliche und 379 weibliche, zusammen 749, Kranke, außerdem 27 Begleitpersonen verpflegt worden. Der Abgang betrug 710, es verstarben 33 Personen. In der 1. Klasse wurden 18 männliche und 30 weibliche, zusammen 48, in der 2. Klasse 34 männliche und 62 weibliche, zusammen 96, in der 3. Klasse 319 männliche und 286 weibliche, zusammen 605 Personen verpflegt. Der leitende Anstaltsarzt Herr Dr. Ayrer hatte 380, Herr Dr. Schulze 178, Herr Dr. Balack 145, Herr Dr. Goldschmidt 46 Patienten. Als Medizinalpraktikanten waren die Herren Dr. Graetz, Knorr und Breuning tätig. Herr Dr. Knorr übernahm kürzlich die Assistenzarztstelle. 10 Diakonissen, gelegentliche freie Hilfen und eine sich für den Krieg ausbildende Dame leisteten die Krankenpflege. Es fanden 239 chirurgische Operationen, 153 an Augen, 153 bei Frauenleiden und 49 an Nasen, Hals und Ohren statt, zusammen 594. Ein Lichtbadzimmer mit Vollbad, Teil- und Vierzellenbädern wurde eingerichtet. 16934 Verpflegungstage wurden gezählt. – In der Idiotenanstalt und ihren Zweiganstalten wurden 58 blöde Mädchen, 7 männliche und 2 weibliche vorschulpflichtige Taubstumme bezw. Blinde und 20 schwachsinnige Berliner Waisenmädchen von 4 Diakonissen verpflegt. Die Herren Lehrer Bahro und R. Hoffmann sowie die Kleinkinderlehrerinder von 40 bis 50 Kleinen besuchten Kinderbewahranstalt unterrichteten in der Hilfsschule des Stifts. – Die Schwesternzahl einschließlich der auf Außenstationen tätigen betrug 57.
Direktoratswechsel am Gymnasium und der Realschule. Der Gymnasialdirektor, Geheimer Regierungsrat Dr. Hamdorff tritt am 1. Oktober d.J. nach 50jähriger Dienstzeit in den Ruhestand. An seiner Stelle ist vom Magistrat der Gymnasial-Oberlehrer Professor Max Pohl am Gymnasium in Berlin-Steglitz gewählt worden und hat die Wahl angenommen.
Herr Geheimrat Dr. Hamdorff feiert heute seinen 72. Geburtstag. Aus diesem Anlaß wurde ihm heute vom Schülerchor der Doppelanstalt unter Ltg. Des Kgl. Musikdirektors Zierau ein Morgengruß dargebracht.
Am 1. April d.J. feiert Herr Geheimrat Dr. Hamdorff sein 50jähriges Dienstjubiläum als Lehrer am hiesigen Gymnasium. Aus diesem Anlaß findet am Dienstag, den 31. März, nachmittags 3 Uhr im Schützenhaus ein gemeinsames Festmahl der Bürgerschaft statt. (Siehe Anzeige.)
Vom Wetter. Die kurze, während der letzten Februartage wieder eingetretene Frostperiode hat schon zu Ende der Vorwoche wieder ihr Ende erreicht, und von neuem hat mildes, vorfrühlingshaftes Wetter eingesetzt… Allem Anschein nach wird sich der herrschende Witterungscharakter mit seiner starken Veränderlichkeit, den für die Jahreszeit hohen Temperaturen und den ergiebigen Regenfällen, einstweilen fortsetzen.


Jugendheim. Am Sonntagabend, ½ 9 Uhr, hält Herr Rektor Knabe einen Lichtbildervortrag über die Deutsche Ostseeküste.

Stadttheater. Am Montag, dem 12. März, abends 8 Uhr, findet in unserem Stadttheater ein sensationelles Ensemblegastspiel unter der künstlerischen Leitung des Intendanten Franz Ludwig statt. Zur Aufführung gelangt Otto Borngräbers Mysterium der Liebe „Die ersten Menschen“. Die Aufführung des Werkes, welches in den letzten Jahren das größte Aufsehen erregt hat, ist nur im Rahmen dieses Ensemblegastspiels möglich, da der künstlerische Leiter, Intendant Ludwig, das alleinige Aufführungsrecht für ganz Deutschland besitzt. Jedenfalls steht unserem Publikum ein ganz außerordentlicher Kunstgenuß bevor, und mögen sich daher alle Interessenten rechtzeitig mit Eintrittskarten versehen. Abholung für Inhaber fester Plätze am Freitag von 11 - 1 Uhr.