die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Die Ergebnisse der Obstbaumzählung im Deutschen Reich werden im Reichsanzeiger mitgetheilt. Danach wurden am 1. Dezember 1901 im ganzen 168.388.853 Obstbäume in Deutschland gezählt, nämlich 52.332.095 Apfelbäume, 25.116.165 Birnbäume, 69.392.910 Pflaumen- und Zwetschgenbäume und 21.548.683 Kirschbäume.
Ein Besuch des Wochenmarktes an einem nicht gar zu kalten Tage, der die Verkäufer ans Haus fesselt, lehrt, daß in diesem Jahre noch immer hübsche Vorräte von Äpfeln bei den Obstgärtnern zu haben sind. Als letzte Bestände werden u.a. namentlich die Dauersorten Reinetten, rote Hähnchen, Warraschken und Bamberger zurückgehalten, die zur Zeit mit 2 Mark pro Viertel verkauft werden. Die Goldparmäne ist meistens geräumt; sie hat die Eigenart, leicht von Innen heraus in Fäulnis überzugehen. Die reiche Apfelernte des vergangenen Jahres dürfte dem Konsum der Apfelsinen fühlbare Konkurrenz machen.

Altdöbern, 20. Jan. (Ertappter Wilderer.) Der Eigentümer Winzer in Lugt wurde in der Nacht zum 16. d. M. beim Wildern ertappt und bis nach seiner Wohnung verfolgt. Dort flüchtete er nach dem Bodenraum. Nachdem er versucht hatte, sich die Pulsadern und die Kehle zu durchschneiden, sprang er vom Boden herunter. Man fand den Mann, der sich anscheinend innere Verletzungen bei dem Sturz zugezogen hat, und transportierte ihn ins Krankenhaus.
Die Einwohnerzahl der Stadt Guben betrug am 31. Dezember 1910 38.650. Im Laufe des Jahres 1911 sind 5216 Personen zugezogen und 881 Geburten erfolgten. Weggezogen sind 4829 und gestorben 673 Personen, sodaß am 31. Dezember 1911 eine Einwohnerzahl von 39.195 zu verzeichnen gewesen war.
Von der Klosterkirche. Ein lange gehegter Wunsch der Klosterkirchengemeinde soll nun im neuen Jahre in Erfüllung gehen. In der gestrigen Sitzung der Kirchenkörperschaften wurde einstimmig beschlossen, im Laufe des kommenden Sommers eine Heizungsanlage in der Klosterkirche herzustellen, sodaß mit Beginn des Winters dann eine warme Kirche die Gemeinde aufnehmen kann. Dieser Beschluß der Klosterkirchengemeinde hilft einem argen Übelstand ab und war unter den gegenwärtigen Verhältnissen durchaus notwendig.


Ueber die Vereidigung der Lehrer hat der Minister für Volksbildung besondere Bestimmungen getroffen. In den Schulen soll der Eid tunlichst im Beisein sämtlicher Schüler geleistet werden. Bei nichtstaatlichen Anstalten wird den Patronaten anheimgestellt, sich bei der Feierlichkeit vertreten zu lassen. Einzelstehende Beamte wie die Kreisschulinspektoren haben den Eid bei dem Landrat abzulegen, soweit sie nicht am Eide der Behörden wohnen. Die nachgeordneten Behörden sind angewiesen, die nötigen Anordnungen für die Vereidigung der Beamten sowie der Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Unterrichtsanstalten zu treffen. Die Leiter der Schulen und Anstalten sollen vor dem versammelten Lehrkörper zuerst selbst den Treuschwur leisten und dann die einzelnen Erschienen vereidigen.

20. Jan. (Verkauf der Neumühle) Das Neumühlengrundstück ist in den Besitz des Tuchfabrikanten Erich Völker in Forst übergegangen. Der Kaufpreis soll, wie das „Sommerf. Tagebl,“ hört, annähernd ¾ Millionen Mark betragen.
Ein 23 jähriger Bankdirektor verhaftet. Der Direktor der Deutschen Landwirtschaftsbank G. m . b . H., die viele Filialen, darunter auch eine in Guben unterhält, Wolfram v. Hanstein, ist auf Veranlassung der hiesigen Kriminalpolizei gestern in Cottbus verhaftet worden. v. H. soll in seiner Stellung unlautere Manipulationen unternommen haben, die zur Schädigung einzelner Einzahler und damit des Unternehmens geführt haben. Die Ueberführung nach dem hiesigen Untersuchungsgefängnis dürfte heute erfolgt sein. Es finden noch weitere Vernehmungen statt.