die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Bebel in der Hofloge. Aller Augen richteten sich während der Sonnabendsitzung des Reichstages auf die Hofloge, als der Führer der Sozialdemokraten, August Bebel, in der Hofloge erschien, und zwar in Begleitung zweier Damen, denen er augenscheinlich als Führer diente. Er verweilte kurze Zeit stehend in der Loge und gab seiner Begleitung Erläuterungen.
Ein seltsamer Rechtsstreit schwebt zwischen dem Wirth B. zu Langerfeld (Westfalen) und der Schulbehörde. B. hat eine 14jährige Tochter, welche die Schule 71/2 Jahre besucht hat und den Bestimmungen gemäß erst zu Ostern entlassen werden soll. Das Mädchen ist außerordentlich stark entwickelt. Da die Schulbänke für sie zu eng und klein waren, und eine Verkrümmung des Rückrats beim Sitzen in den Bänken zu befürchten war, hielt der Vater sein Kind unter Beibringung eines ärztlichen Zeugnisses zu Hause. Die Schulverwaltung ließ jedoch für das Mädchen einen Stuhl und einen Tisch beschaffen und forderte den Vater auf, seinem Kinde die gesetzliche Schulzeit von 8 Jahren zukommen zu lassen. Der Vater hat nun den Klageweg beschritten.
Theater. Gestern gelangte Shakespeares „Othello“ zur Aufführung. Als Schröder 1776 den Othello auf die deutsche Bühne brachte, sagte das nervenaufregende Drama dem Publikum so wenig zu, dass Othello die Desdemona nicht erdrosselte, sondern am Leben lassen mußte. Heute ist man an stärkere Wirkungen gewöhnt, auf der Galerie wirkten gestern einzelne Stellen sogar erheiternd. Othello ist so oft mit hervorragenden Gästen zur Aufführung gelangt, dass es nicht Wunder nehmen kann, dass der Zuschauerraum gestern Lücken aufwies. Herr Dröge bot in der Titelrolle eine anständige Durchschnittsleistung. Seine Erscheinung unterstützte ihn und sein Organ hatte er gut in der Gewalt; er überschrie sich nicht und bramarbasierte nicht, sondern strebte nach Einfachheit und natürlichem Ausdruck. Herr Dröge scheint der Auffassung zu sein, dass Othello kein Mohr, sondern ein Maure ist, diese Ansicht ist aber wohl kaum stichhaltig und die Mehrzahl der großen Othellodarsteller gibt ihn auch als schwarzen Mohren. Als Jago bewährte sich Herr Kugelberg. Er brachte diesen im Mittelpunkt des Ganzen stehenden grausigen Gesellen in wirksamster Weise zur Geltung; die Maske des Biedermanns wusste er geschickt vorzulegen und brachte die die Motive seines Tuns enthüllenden Monologe mustergültig zu Gehör. Frl. Böhm brachte besser die neckische Schelmerei der liebenden als die Schwermut der leidenden Desdemona zum Ausdruck. Herr Seefeld gab den Cassio farblos und Herr Brodowski machte aus dem Rodrigo eine lächerlichere Figur als gerade nötig ist. Frl. Hoffmann wusste aus der Rolle der Emilia nicht viel zu machen, erst in der letzten Szene brachte sie sich ganz gut zur Geltung. Herr Fischer als Brabantio führte seine Rolle gut durch.
Gr.-Gastrose(Richtigstellung.) Herr Mühlenbesitzer Lehmann in Gr.-Gastrose teilt dem F.T., dem die gestrige Notiz über die Beschädigung des Wehres entnommen war, mit, dass eine Beschädigung des Mühlenwehres nicht stattgehabt hat. Trotz des hohen Wasserstandes und des starken Eisganges gingen Wasserfluten und Eisschollen außerordentlich glatt ab, so daß der Betrieb des Mühlenetablissements bereits am Montag vormittag wieder in vollem Maße aufgenommen werden konnte.
Künstlerfest im Schützenhause. Es ist nur noch eine beschränkte Zahl von Einlaßkarten vorhanden; es empfiehlt sich, die Bestellungen rechtzeitig anzumelden. Die Besucher der Fledermaus-Vorstellung gelangen durch den kleinen Saal zum „Künstlerfest“.
Lehrfilmvortraege im Stadtkino. Auf die Lehrfilmvortraege des Dr. Heilmann von der Deutschen Urania über „Die Hanja und das Meer“ sei nochmals hingewiesen. Die Nachmittagsvorstellungen beginnen am Montag und Dienstag 3 und 5:30 Uhr, die Abendvorfuehrungen am Montag um 7:30 und 9:30 Uhr.