die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Sorau. (Der Toilettenbestand einer Ortsarmen.)
Eine dieser Tage im städtischen Armenhausee vorgenommene polizeiliche Durchsuchung hatte ein merkwürdiges Ergebnis. Die „rote Marie“, eine als gewerbsmäßige Bettlerin in allen Stadtteilen wohlbekannte, etwas simple Frauensperson hat es, nach dem Sor. Tagebl. fertig gebracht, im Laufe der Zeit einen so großen Vorrat an Kleidungsstücken zusammenzubetteln, daß sich daraus viele Familien auf Jahre hinaus bedienen könnten. Nach Aussonderung von drei Zentnern durch langes Lagern verstockter und sonst unbrauchbar gewordener Kleidungsstücke als Lumpen fanden sich in den Tresors der „roten Marie“: 164 Blusen, darunter 4 seidene und eine Sammtbluse, 49 Röcke, darunter ein seidener, 3 Korsetts, 6 Leibchen, 7 Kopftücher und Hauben, 19 Schürzen, darunter 10 Tändelschürzen, 18 Männerjacketts, 4 Damenkragen (Umhäng), 37 Taschentücher, 26 Paar Schuhe, 3 Damenhüte, 3 Herrenhüte, und 1 Herrenmütze. Unter der Vorgabe, nicht ausreichende Kleidungsstücke zu besitzen, hatte sie diesen ganzen Reichtum zusamengebettelt. Auf die Haussuchung folgte übrigens eine gründliche Reinigung der Ortsarmen, die seit einer zwangsweisen ähnlichen Behandlung im Sommer vorigen Jahres weder Wasser noch Seife benutzt hat. Zwei Frauen hatten stundenlang zu tun, um hier Ordnung zu schaffen.
Die Kirchenheizung in der Klosterkirche ist dank der günstigen Witterung so gefördert, daß nach kaum vierwöchiger Arbeit bereits heute die Abnahme erfolgen konnte. Die gestern vorgenommene Probeheizung hatte ein vortreffliches Resultat ergeben. Die Kirche wurde in wenigen Stunden angenehm durchwärmt. Die von der Firma Sachße & Co. in Halle a.S. gebaute Anlage selbst ist so hergestellt, saß von ihr kaum etwas zu bemerken ist. Je zwei große Heizkörper zu beiden Seiten des Hauptportals unten und auf der Empore strömen starke Hitze aus. Hinter dem Altar ist ein weiterer mächtiger Heizkörper für den Kirchenbesucher unsichtbar angebracht. An den längeren Seitenwänden laufen unter den Seitenbänken ebenfalls unten und auf der Empore starke Rippenrohre entlang. So wird die kalte Luft von allen Seiten erwärmt, und der Kirchenbesucher wird sich recht behaglich fühlen können. Um etwa mögliche Zugerscheinungen zu vermeiden, sollen die Seiteneingänge vor Beginn des Gottesdienstes geschlossen bleiben; das Hauptportal und die drei Türen auf der Empore sollen mit starken Friesvorhängen versehen werden. Die Heizung wird zum ersten Male am Sonntag zur Nachfeier von Kaisers Geburtstag in Betrieb genommen werden.
Der große Bedarf an Arbeitskräften in den Braunkohlewerken der hiesigen Gegend konnte bis jetzt auch noch nicht annähernd gedeckt werden, trotzdem die Werke hohe Löhne zahlen. Während sich in den größeren Städten Massen von Arbeitslosen zusammenballen, herrscht in den Braunkohlewerken der hiesigen Werke der allerempfindlichste Mangel an Arbeitern. So sucht z.B. die Grube „Erika“ bei Schwarzkollm in der Nähe des Lautawerkes 1000 Erd- und Gleisarbeiter für den Tagebau und Abraumbetrieb. Für Verpflegung und Unterkunft hat das der „Ilse“ gehörige Werk alle erforderlichen Maßnahmen getroffen. Der Schichtlohn für achtstündige Arbeitszeit beträgt 9 bis 10 Mark.