die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Zu dem Eisenbahnunfall auf der Neubaustrecke Forst-Guben, der sich gestern vormittag in der Nähe von Eulo zugetragen hat, wird uns von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß die Entgleisung des Kieszuges zweifellos durch Laschenbruch hervorgerufen ist. Die äußere Lasche an der betreffenden Stelle wies eine alte Bruchstelle auf. - Einem Bericht des Forst. Tagebl. entnehmen wir noch folgende Einzelheiten: Die Maschine sprang, die entgegenstehende Schiene mit sich reißend, aus dem Geleise und stürzte den Bahndamm herab. Der Tender wurde hoch emporgehoben, die nächsten Wagen schoben sich unter ihn, die folgenden Wagen zersplitterten, zwei andere wurden weniger beschädigt und die letzten Wagen setzten wieder aufeinander. Auf der Lokomotive befanden sich außer dem Führer und dem Heizer der Baumeister, der den Bau der Strecke leitet, und der Zugführer. Der Baumeister sprang im Momente der Gefahr geistesgegenwärtig ab, die anderen drei Personen wurden mit der Maschine herabgerissen. Die aus dem Tender rollenden Kohlen und das aus dem Wasserreservoir strömende Wasser bedeckten die Verunglückten, jedoch blieben sie vor größeren Beschädigungen bewahrt. Sobald sie sich aus den Trümmern herausgearbeitet hatten, sorgten Führer und Heizer durch Ablassen des Dampfes dafür, daß eine Explosionsgefahr vermieden wurde. Auch das Begleitungspersonal rettete sich durch Abspringen. Ein auf dem dritten Wagen befindlicher Hilfsbremser wurde durch den Stoß von seinem offenen Bremssitz geschleudert, ehe die hinter ihm befindlichen Wagen ins Kippen kamen. Die Unglücksstätte ist eine grauenhafte Stätte der Verwüstung.
Gymnasium und Realschule. Das neue Schuljahr ist eröffnet worden mit 222 Gymnasiasten, 218 Realschülern und 127 Vorschülern. Die erste Vorschulklasse und die Sexta der Realschule weisen so viel Schüler auf, daß zu Ostern die Teilung der letztgenannten Klasse oder Abweisung sämtlicher auf der Volksschule vorgebildeten Schüler in Frage kommen wird.
Die Schulden der Stadt Guben betrugen bei Beginn des Etatsjahres 1911 4.582.800 M. Legt man dieser Summe die Zahl der am 1. Dezember 1910 gezählten Personen von 38.330 zugrunde, kommen auf den Kopf der Einwohnerzahl 119,56 M. Zur Verzinsung des Schuldenbetrages sind 166,812,63 M. erforderlich, das ergibt pro Kopf 4,35 M. Zur Tilgung der Schuldsumme werden 165.900 M. benötigt, etwa 4,32M. pro Kopf. Die gesamte Kapital- und Schuldenverwaltung vereinnahmt nach nach dem Etat 1911 234.428,26 M. und hat zu verausgaben 350.061,13 M, erfordert somit einen Zuschuß von 115.632,87 M. oder 3,01 M. pro Kopf.
Die Baumblüte, die in diesem Jahre eine prächtige Entwicklung und selten reichen Blütenansatz zeigt, war gestern der Anziehungspunkt einer großen Zahl von Besuchern, die man auf mehrere Tausend schätzt. Der Verkehrsverein hatte in den letzten Tagen durch geeignete Reklame in den Zeitungen Stimmung für den Besuch gemacht. Schon die ersten Züge brachten Besucher, während der stärkste Verkehr um die Mittagszeit einsetzte. Aus allen Straßen strebte ein Menschenstrom den Bergen zu und wiederholt kam man in den Berggassen in „drangvoll fürchterliche Enge“…
Drei Rehe wurden heute von der Polizei beschlagnahmt. Das Fleisch ist wie gewöhnlich an die Krankenhäuser abgeliefert.
Ein Einbruch ist in einer Villa auf der Grünen Wiese verübt worden, bei dem den Tätern wertvolle Silbersachen, ein Seidenkleid und andere Gegenstände in die Hände fielen.- Die Einbrüche mehren sich wieder; es scheint, daß noch immer ein besonderes raffiniertes Diebesgesindel sein Unwesen treibt. Die Aufmerksamkeit muß schärfer auf die völlig im Dunkeln liegenden Straßen gerichtet werden, zu denen auch die Grüne Wiese gehört.
Höherprozentiges Bier. Die Brauereien durften bisher Bier nur bis 8 Prozent Stammwürzgehalt herstellen. Vom 1. Juni ab darf Vollbier mit einem Stammwürzgehalt auch über 8 Prozent gebraut werden, jedoch nur bis zur Höchstmenge von 25 Prozent des von einer Brauerei in der Zeit vom 1.Oktober 1920 bis 30.September 1921 abgesetzten Bieres. Durch diese Herstellung besseren deutschen Bieres soll der Einfuhr ausländischen Bieres entgegengewirkt werden.
Die neuen Glocken für die Stadt- und Hauptkirche lassen noch einige Zeit auf sich warten. Wie Herr Oberpfarrer Adam in der gestrigen Sitzung der kirchlichen Körperschaften mitteilte, ist es der Firma Voss &Sohn in Stettin leider nicht möglich, die Glocken jetzt abzuliefern, obwohl ihr eine Nachfrist bis zum 30. April d. Js. gestellt war. Wie die Firma schreibt befindet sie sich im Umbau ihres Gußofens, wobei sie durch eine Berliner Firma, welche die Armaturen hierzu liefert, im Stiche gelassen worden ist. Sie hofft jedoch, bald in den Besitz der notwendigen Bestandteile zu dem neuen Ofen zu gelangen, worauf der Glockenguß erfolgen kann. Die kirchlichen Ķörperschaften nahmen das Schreiben zur Kenntnis und beschlossen von einer abermaligen Fristsetzung abzusehen, der Firma aber mitzuteilen, dass man erwarte, daß die Glocken sobald als möglich geliefert werden. Die Sammlung für die Beschaffung der neuen Glocken geht, wie weiter mitgeteilt wurde, tüchtig vorwärts. In einigen Stadtbezirken war eine Opferwilligkeit wahrzunehmen, was dankbar anerkannt wurde.