die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Ein Idyll von einer Hochzeitsreise. Auf einer Hochzeitsreise nach Wien befanden sich dieser Tage der Kaufmann I. Wachsberg aus Jaroschowa mit seiner ihm eben angetrauten Frau. Im Eisenbahnkoupee gesellte sich ein schneidiger junger Mann zu ihnen und knüpfte mit der jungen Frau eine rege Unterhaltung in französischer Sprache an. In Jarnow, wo umgestiegen werden mußte, schütze die junge Frau einen Gang nach der Stadt vor. Der junge Ehemann und der Kavalier warteten erst Stunden lang auf ihre Rückkehr und gingen dann unter der Verabredung, sich auf dem Bahnhof wieder treffen zu wollen, auf die Suche nach ihr. Aber weder die junge Frau, noch der schneidige Kavalier kehrten zurück. Nachdem der junge Ehemann noch einige Tage nach den beiden geforscht hatte, erfuhr er, daß seine junge Frau mit dem Fremden, der Ingenieur und ein früherer Liebhaber der Frau war, über Deutschland nach Holland geflohen sei. 4000 Gulden Reisegeld hatte die Frau mitgenommen.

Plakate von Guben wird der Verkehrsverein in den Nachbarstädten in Hotels und Restaurationen und an anderen geeigneten Orten zur Reklame für unsere Stadt zum Aushang bringen. Die Plakate sind nicht nach der üblichen Schablone von Plakatfabriken hergestellt, sondern aus lauter Ansichtskarten mit feinem künstlerischem Geschmack zusammengestellt. Unter Glas und Rahmen nehmen sie sich sehr vorteilhaft aus, wirken originell und sind geeignet, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
Die Einführung der ungeteilten Unterrichtszeit ist am Gymnasium und der Realschule beabsichtigt, um den begründeten Klagen über die verschiedenen Zeiten, zu denen die höheren Knabenschulen und die höheren Mädchenschule ihren Unterricht schließen, abzuhelfen. Die Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde hat das Einverständnis der Mehrzahl der Eltern zur Vorraussetzung. Eine entsprechende Umfrage ist eingeleitet. Um bis zu sechs Unterrichtslektionen auf den Vormittag legen zu können, wird die Dauer der Unterrichtsstunden auf 45 Minuten herabgesetzt.
Vom Februar hatten die Brauereien erwartet, daß er ihnen endlich Gelegenheit geben werde, ihre Eiskellereien mit gutem Kerneis zu füllen, er enttäuscht sie jedoch noch ärger, als sie vom Januar getäuscht worden sind. Während auf die Annäherung eines atlantischen Maximums mit Frost und Kälte gerechnet wurde, tauchte plötzlich über Island wieder eine neue, sehr tiefe Depression auf, die mit außerordentlicher Schnelligkeit herangekommen war. Bei ihrer Annäherung, die sich in der Nacht zu Sonntag durch schnelle und anhaltende Druckabnahme ankündigte, fielen im ganzen Lande wieder ergiebige Niederschläge. Vielfach begannen sie in Form von Schneegestöber, das später in Regen überging. Die Temperatur stieg bei starken Südwestwinden wieder beträchtlich. Es gewinnt immer mehr und mehr den Anschein, als ob auf den Eintritt beständigen und kalten Winterwetters in diesem Jahre nicht mehr zu rechnen sei.
In Lebensgefahr schwebte heute vormittag der Obermüller Max Thiel von den Sehdellschen Mühlen. Er war an dem Neißewehr beschäftigt, das Eis loszulösen, als sein Kahn kippte und er durch das Wehr in den aufschäumenden Strudel getrieben wurde. Eine zeitlang blieb er verschwunden. Endlich tauchte er an der Spitze der Schützenhausinsel auf und rettete sich an Land. Außer dem kalten Bade scheint der Zwischenfall für den Betroffenen glimpflich abgelaufen zu sein; hoffentlich stellen sich nicht noch nachträglich irgend welche Folgen ein.

Fleischzuteilung.
Vom städtischen Lebensmittelamt wird uns geschrieben: Nach den angestellten Berechnungen werden in dieser Woche 200g Fleisch mit Knochen und etwa 25g Wurst auf den Kopf der Bezugsberechtigten entfallen. Die Fleischquote beruht diesmal auf genauen Berechnungen, da jetzt die Stadt die Schlachtungen vornimmt und das Fleisch nach Maßgabe der Kundenlisten den Fleischern zuteilt; jeder Kunde hat deshalb den unbedingten Anspruch auf seine volle Ration. Es wird darauf verwiesen, daß der Wert der Fleischkartenabschnitte durch Mitteilung dieser Quote in keiner Weise verändert wird. Die Fleischer dürfen daher unter keinen Umständen mehr Abschnitte abtrennen, als der abgegebenen Gewichtsmenge unter Zugrundelegung der in der Verordnung festgesetzten Bewertung entspricht. Bei der großen Inanspruchnahme der Schweine durch das Heer ist die Zahl der wöchentlich zugewiesenen Schweine für die neue Versorgungsperiode herabgesetzt worden. Die Bevölkerung muß daher damit rechnen, daß in der nächsten Zeit geringere Schweinfleischmengen zur Verfügung stehen werden als in der abgelaufenen Versorgungsperiode. Zum Ausgleich ist aber die Zahl der zugewiesenen Kälber erhöht worden, so daß Kalbfleisch reichlicher als bisher zur Verteilung gelangen wird.


Fernsprech- Automat. In der Eingangshalle des Rathauses ist ein Fernsprech-Automat aufgestellt worden, von dem Gespräche mit Teilnehmern der hiesigen Ortsfernsprecheinrichtung sowie mit näher gelegenen Orten geführt werden können. Die Höhe der Gebühr, die in Zehnpfennigstücken zu entrichten ist, wird bei Anmeldung eines Gesprächs bekannt gegeben. Im übrigen ist die an Automaten angebrachte Anweisung über die Benutzung zu beachten. Die Einrichtung ist zur Bequemlichkeit des Publikums, das im Rathaus zu tun hat, getroffen: sie wird bei günstigen Lage hoffentlich allgemeinen Anklang finden.

Fürstenberg a. O., 9.Febr.(Oderbrücke. )Infolge der Geldentwertung haben unsere städtischen Körperschaften beschlossen, für das Begehen oder Befahren unserer Oderbrücke erhöhte Gebühren zu beanspruchen. Der neue Tarif ist der letzten Amtsblattnummer veröffentlicht worden und wird durch Anschlag an den beiden Brückeneingängen bekannt gegeben.
Horno, 9. Febr. (Angetrieben) wurde am Mittwoch am Neißeufer eine Holzkiste, in der sich u. a. zwei Militär- Unterhosen, eine Drillichhose, drei weiße Taschentücher, eine gelbe Ulanenbrust, eine Troddel, ein Leibriemen, ein Portemonaie mit einem silbernen Fünfmarkstück und fünf einzelnen Zehnpfennigstücken befanden. Auf der Kiste war die Adresse: Sergant Max Semisch, 3. Ulanen-Regiment, verzeichnet. Der Häusler Richter in Horno hat die Kiste mit Inhalt einstweilen an sich genommen, bis sich der rechtmäßige Eigentümer der Sachen meldet. Allem Anschein nach in die Kiste in Forst in die Neiße geworfen. Gegen einen Mann, det den Namen Semisch führt, schwebte vor kurzem ein Strafverfahren wegen Diebstahls.