die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Das Testament: Daß nicht allein die Phantasie ewig neu bleibt, sondern auch das Leben eigenartig Neues bietet, beweist folgendes seltsame, einzig dastehende Erlebniß des jüngst verstorbenen Amtsgerichtsraths R. in einem mittelschlesischen Städtchen.
Eines Tages wurde der genannte Herr in eine entlegene Ortschaft zur Aufnahme eines Testaments gebeten. Nachdem der begleitende Referendar den Schriftsatz den gesetzlichen Bestimmungen gemäß fertiggestellt hatte, wurde die Testirende, eine bejahrte Wittwe, aufgefordert, anzugeben, wo die Vermögensobjekte, über die sie eben Bestimmung getroffen hatte, angelegt habe resp. ob sie überhaupt vorhanden seien. Die Frau gerieth darob in Erstaunen und meinte:" Vermögen habe ich keins. Ich dachte, wenn das Gericht ein Testament aufnimmt, dann bringen die Herren vom Gericht das Geld auch mit." - Der Herr Amtsgerichtsrath soll von dieser Stunde an bei der Aufnahme von Testamenten ein anderes Verfahren eingeschlagen haben.
Moden für Kinder und junge Mädchen
Selten hat sich die Kindermode für die Mütter unserer jüngsten Weiblichkeit als ein so dankbares Feld erwiesen, wie in dieser Saison, in der sich angesichts der Reichhaltigkeit des Gebotenen die Richtigkeit des Sprichwortes: Wer die Wahl hat, hat die Qual aufs neue bewahrheitet. Man könnte dadurch beinahe glauben, daß sich die Forderung nach individueller Kleidung auch auf die Kindergarderobe erstreckte, da manche Fassons gewisse Eigenheiten der kindlichen Erscheinung derart betonen, daß sie in Verbindung mit dem betreffenden Persönchen direkt zu individuellen Kleidungsstücken werben. Da sind z.B. die praktischen in Plissee- oder Quetschfalten, geordnete Kittelanzüge, die durch ihr knabenhaftes Gepräge ganz speziell für die derben wilden Mädels geeignet sind, von denen die eigene Mutter so oft behauptet, daß sie eigentlich „Jungens in Mädelkleidern“ seien. Wer möchte diese robuste kraftstrotzende Jugend in eines jener hauchzarten Hängerkleidchen aus leichter plissierter Seide und Spitzen hüllen, die so recht für die überzarten Elfengestalten unserer modernen kleinen Mädchen geschaffen, für deren Rippfigürchen die beste Folie ergeben?
Oder wer würde solch ein zerbrechliches Geschöpfchen in eines jener hochmodernen Russenkleidchen stecken, deren fast faltenlose Bluse nur für kräftige gut entwickelte Kinder vorteilhaft ist? Aus solchen Nöten wird die fürsorgende Mutter am besten einen Ausweg finden, wenn sie das Hauptgewicht nicht auf das Moderne, sondern auf das Kleidsame legt, da im andern Falle die Gefahr nahe liegt, daß die Erscheinung des Kindes leicht zur Karrikatur werden kann. Für die Allerkleinsten bleibt nach wie vor der Hänger in feinen verschiedenen Variationen die beliebteste Form. Am reizvollsten, wenn auch durch seine Länge nicht gerade praktisch erscheint er als Empirekleidchen mit kurzer Taille, lang bis zu den Füßen herabfallenden faltigen Hängerteilen und den kurzen Puffärmelchen, das besonders in farbigem Sammet geradezu malerisch wirken kann. Empire und Kindermode scheinen sich außerdem noch öfters die Hände zu reichen, da auch größere Mädchen statt des Reformkleides jetzt vielfach die gereihten faltigen Hänger tragen, denen der hoch verlegte Gürtel und die kurze Taille den Charakter der Kostüme aus der Zeit der Königin Luise verleiht. Sollen sie besonders flott und auch für die Straße geeignet erscheinen, so dient eins jener kurzen Bolerojäckchen, die vorn geöffnet, die blusige Taille zeigen, zu ihrer Ergänzung.
Auch die Ueberkleidung scheint in ihren modernsten Schöpfungen ganz im Zeichen des Empire zu stehen, tauchen doch allenthalben kurztaillige Mäntel mit faltigen Rumpfteilen auf, die in der Regel in Plisseefalten geordnet, die kleinen und großen Mädchen ganz allerliebst kleiden, wenn sie auch sonst nicht grade zu den anspruchslosen Formen zählen. Ihre Beliebtheit mag wohl zum Teil darin wurzeln, daß sie durch ihren Hängercharakter, sowie durch den losen faltigen Schnitt sich als echte, rechte Kinderformen erweisen, die liebevoll alle Ecken der kindlichen Figur verdecken. Das Gleiche gilt auch von den verschiedenen Blusenkleidchen der kleineren und den blusigen Taillen der größeren Mädchen, von denen die ersteren zumeist für Festkleidchen in Frage kommen, da sie durch die kurzen Röckchen mit ihren Volants oder Spitzengarnituren und der leicht verlängerten Taillenlinie immer flott und geputzt wirken und dadurch speziell zur Machart für alle leichten duftigen Stoffe werden. Für den täglichen Gebrauch sind ihnen die Matrosen- oder Faltenkittelleibchen vorzuziehen, deren Form immer etwas derberes Material bedingt und von denen man erstere gern mit passenartigen oder breiten, die vordere Mitte bedeckenden Besatztessen ausstattet. Schulpflichtige Mädchen tragen auch wohl die praktische Hemdbluse auf karriertem Wollstoff oder englischem Flanell in Verbindung mit einem flotten Plisseeröckchen, das als letzte Neuheit durch anzuknöpfende Träger bereichert ist, die auf der Schulter geschlitzt, eine kleidsame Ergänzung zu der Bluse ergeben.
Eine weitere Rockneuheit bilden noch die zierlichen Etagenröcke, die aus drei rundgeschnittenen, leicht gereihten Volants gebildet werden, die einer glatten Rockgrundform aufgesetzt, besonders für leichte Stoffe geeignet sind, als Blusenröcke aber kaum in Frage kommen. Für größere Mädchen und Backfischchen erfreuen sich die einfachen Siebenbahnenröcke wieder zunehmender Beliebtheit, die ihnen am Haus- wie Straßenanzuge, wie auch neuerdings wieder am Konfirmationskleide ihren Platz anweist. Da der Ernst des Konfirmationstages sich auch gewissermaßen an der Erscheinung der eben in den Bund der Christenheit aufgenommen jungen Menschenknospen wiederpflegen soll, so hat selbstverständlich auch das Kleid als äußeres Zeichen damit in Einklang zu stehen und sich durch sein Gepräge auszuzeichnen. Man wird deshalb alle überreichen und flotten Garnituren, sowie alle extravaganten und hypermodernen Formen nach Möglichkeit zu vermeiden suchen und sich mehr an schlichte Fassons halten, die sich nebenbei der Kindlichkeit der Trägerin anpassen.
Der dekorative und dabei praktische Velvet, der in dieser Saison so, überaus beliebt, hat sich übrigens auch in der Kindergarderobe ein weites Feld erobert, da er nicht nur zu Knaben- wie Mädchenanzügen, Mänteln, Jacken und Blusen mit Vorliebe verwendet wird, sondern sich auch als Waschsammet die Kunst der Mütter zu erzwingen wußte, die ihre Kleinen zu jeder Jahreszeit gern in die Farbe der Unschuld kleiden. Für die jüngste und jüngere Generation bleibt Weiß ebenfalls nach wie vor die bevorzugteste Farbe und die immer mehr um sich greifende englische Sitte, die kleinen Mädchen das ganze Jahr hindurch in weiße Batist- und Waschkleidchen zu hüllen, wozu allerdings auch ein abgehärterter Körper gehört, dürfte gleichfalls ihren Ursprung in tiefer Vorliebe für das farbige Weiß haben. Für größere Mädchen gelten karrierte Wollstoffe und vor allem die praktischen Schottenkaros nach wir vor als modern, während für das Festleib neben Waschseide, Bengaline und Crepon vielfach auch weißer Cheviot und bedruckter Wollmusselin gewählt werden. Diese leichten Gewebe sind dann in der Regel entweder reich mit Volants oder mit Valenciennespitzen garniert, während die Cheviotkleider vielfach nur eine breite, farbige Seidenschärpe zu ihrer Ausstattung erhalten. Im übrigen ist es durchaus nicht notwendig, daß man, um hübsche Effekte zu erzielen, für die Kinderkleider zu besonders eleganten oder teuren Stoffen greifen muß, lassen sich doch im Gegenteil gerade mit oft bescheidenden Mitteln bei einer glücklich gewählten kleidsamen Form zuweilen ganz allerliebste Anzüge herstellen, die durch die Betonung des kindlichen Mutters Herzblättchen oft besser kleiden, als es das geputzte, luxuriöseste Kleidchen meist zu tun vermag.
Verantwortlicher Redakteur Richard Frost in Guben. (gekürzt)

Ein gefährlicher Weg zum Standesamt. Die Schiedloer, die noch immer von Wasser rings umschlossen sind, tragen ihr Geschick mit gutem Mut. Ein Brautpaar mit den Trauzeugen kam über die Oder zum Standesbeamten nach Wellmitz zur Trauung. Die Eisversetzung geht bis auf den Grund des Stromes, die Schollen sind wild übereinander getürmt, stellenweise zeigt die Oder auch kurze, offene Stellen. Der Weg über den Strom ist mit großer Lebensgefahr verbunden. Das Brautpaar wollte aber nicht mit der Hochzeit warten. So wanderte dann die ganze Gesellschaft auf über das Eis gelegten Brettern los und erreichte glücklich das andere Ufer. Ebenso wurde der Rückweg angetreten. Auch die kirchliche Trauung fand in Wellmitz statt, da die Kirche in Schiedlo mit Vieh angefüllt ist.
Eingesandt. Guben ist mittlerweile eine Stadt von bald 40 000 Einwohnern geworden, und viele öffentliche Einrichtungen sind auch, entsprechend dem größeren Verkehr, angepaßt worden, aber unser Tunnel-Eingang ist noch so primitiv wie zur Zeit seiner Anlage, unscheinbar und von einiger Entfernung nicht einmal sichtbar. Kaum kann selbst ein eingehendes Zurechtweisen den Fremdling auf die wichtigste Durchgangsstelle zur Bahn aufmerksam machen, und meist hat dieser Fremde große Eile zur Abfahrt. – Wäre es denn nicht endlich angebracht, diesen wichtigsten aller Eingänge zur größten Verkehrsanstalt der Stadt etwas geräumiger, etwas weiter sichtbar zu gestalten? Der große koloniale Rechenkünstler Dernburg würde sicher für die 800 weißen Einwohner in Südwest-Afrikas Diamantfeldern Wellblechdach und Eisenstäbe für genügend halten, aber unsere 5 000 Baumblütler und mehr als 5 000 andere Fremde und schließlich wir alle, selbst in Guben, könnten schon einen besseren Eingang wünschen.
Internationale Ballonfahrt. Am Donnerstag den, 2. Februar finden in den Morgenstunden internationale wissenschaftliche Ballonaufstiege statt. Es steigen Drachen, bemannte oder unbemannte Ballons in den meisten Hauptstädten Europas auf. Der Finder eines jeden unbemannten Ballons erhält eine Belohnung, wenn er der jedem Ballon beigegebenen Instruktion gemäß den Ballon und die Instrumente sorgfältig birgt und an die angegebene Adresse sofort telegraphisch Nachricht sendet.

Der Stadtv.-Vorsteher wies darauf hin, daß Gymnasium, Realschule und Lyzeum wegen Kohlenmangels den Unterricht eine Woche lang ausgesetzt haben und fragte an, ob Aussicht vorhanden sei, daß der Unterricht in nächster Woche wieder aufgenommen werden könne. – Stadtv. Gymnasialdirektor Pohl machte die Wiederaufnahme des Unterrichts von der Anfuhr von Kohlen abhängig. – Stadtv. Knabe trat dafür ein, daß die vorhandenen Kohlen in erster Linie der ärmeren Bevölkerung zugewiesen werden sollen, selbst auf die Aussicht hin, daß auch die Volksschulen schließen müssen. - Der Oberbürgermeister erklärte, nach dieser Richtung hinkeine festen Zusicherungen geben zu können. Augenblicklich sei die Zufuhr von Kohlen besser, so daß der Unterricht in den höheren Schulen wohl in nächster Woche wieder aufgenommen werden könne und auch die Volksschulen versorgt werden können. Auch sei die Stadtverwaltung bestrebt, der ärmeren Bevölkerung möglichst Kohlen zuzuwenden. Ein unmittelbarer Notstand dürfte in nächster Zeit nicht eintreten.
Stadtv. Koenig stellte sich auf den Standpunkt des Stadtv. Knabe, zunächst die ärmere Bevölkerung und dann die Büros und Fabrikbetriebe, in denen eine größere Anzahl Leute beschäftigt würden, mit Kohlen zu versorgen, selbst wenn die Schulen zurücktreten bezw. Noch länger schließen müßten. lieber sollte man den Schulunterricht noch etwas länger aussetzen, als daß die Betriebe stillgelegt werden müßten. Früher seien die Schulen mit Braunkohlen geheizt worden; erst seitdem sie zur Koksfeuerung übergegangen, seien die Vorräte zur Neige gegangen.

Im Stadtkino läuft der 2.Teil des großen Abenteuerfilms „Der König von Golconba“, der eine kurze Erklärung des 1.Teils enthält und somit auch von Personen besucht werden kann, die den 1.Teil nicht gesehen haben. Ueber das sonstige große Programm gibt die heutige Anzeige Aufschluss.