die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Zu einem Pferdefleisch-Probeessen läßt der Berliner Thierschutz-Verein Einladungen ergehen. Das Dinner soll der Propaganda dienen; die Theilnehmer sollen sich überzeugen, daß Roßfleisch keineswegs zu verachten ist, wenn die Thiere, die es liefern, nur nicht erst im Stadium vorgerückter Altersschwäche dem Schlächter übergeben werden. Das eigenartige Mal soll Donnerstag den 8. Januar 9 Uhr abends im großen Saale des Luisenhofes, Dresdenerstraße 34/35 stattfinden; Speisekarte stellt drei Gänge in Aussicht und zwar zunächst Kraftbrühe mit Croutons, des weiteren Pökelzunge, Meerrettich oder Kartoffeln, schließlich nach Wahl gespicktes Filet in Madeira und Schweizer Sahnenbraten. Dabei sei daran erinnert, daß die Vorstandsmitglieder des Thierschutzvereins, als sie die "Allgem. Fleischerzeitung" zu einem opulenten Pferdefleischdinner einlud, um zu ermitteln, ob dieselbst Herren die Werthschätzung des Pferdefleisches für ihre eigene Person praktisch zu bethätigen genügt seien, sich sammt und sonders drückten.
Vier lebende Maikäfer wurden uns heute von Gastwirth Müller, Gambrinushalle, überbracht. In jedem Winter lassen sich Maikäfer und Schmetterlinge an warmen Tagen dazu verleiten, aus ihren Schlupfwinkeln herauszukriechen. Es ist völlig unangebracht, was viele thun, beim Entdecken eines solchen Thierchens gleich anzunehmen, daß die Kraft des Winters bereits endgiltig gebrochen ist.
Die Straßenbahn wird voraussichtlich in 5 bis 6 Wochen in Betrieb gesetzt werden können. Das Schienengeleise ist soweit fertig, nur über die Brücke, die über die Eisenbahn führt, konnte es noch nicht gelegt werden, diese muß vorher verstärkt werden, was wahrscheinlich durch einzelne Träger, ähnlich wie bei der Neißebrücke, geschehen wird. Der Wagenschuppen ist fertig, die Wagen sind im Bau und werden in einigen Wochen eintreffen.
Ein anderes Aussehen zeigt von heute ab unsere „Gubener Zeitung“. War doch ihr Aeußeres, wenn sie auch innerlich, getreu ihren politischen Grundsätzen, stets mit der Zeit fortgeschritten ist, im Laufe der Jahre etwas altmodisch geworden. Aber auch sonst werden, wie wir hoffen, unsere verehrten Leser und Leserinnen mit den vorgenommenen Aenderungen zufrieden sein. Das größere Format, das dem Normalformat der großen Berliner Blätter angepaßt ist, wird einer entsprechenden Vermehrung des textlichen Teiles zu statten kommen. Die umfangreiche, neu geschaffene Maschinenanlage, die in der Aufstellung einer 16seitigen Zwillings-Rotationsmaschine der modernsten Konstruktion gipfelt, wird namentlich an den Tagen, an denen die Zeitung mehr als 8 Seiten umfaßt, für eine schnellere Fertigstellung des Blattes sorgen. Liefert sie doch die Zeitung bis zu 16 Seiten Inhalt fix und fertig gefalzt, zusammengelegt und abgezählt. Auch der rechtzeitigen Abfertigung unserer Postauflage wird dies sehr dienlich sein. – Im Augenblick sind allerdings noch manche kleine Schwierigkeiten, die bei derartigen Uebergangsperioden nicht ausbleiben, zu überwinden. Trotzdem hoffen wir, auch in diesen Tagen stets zur rechten Zeit auf dem Platze zu sein.



Ein Schwein gestohlen wurde in der letzten Nacht in der Pförtenerstraße. Das wertvolle Tier wurde im Stalle abgeschlachtet und die brauchbaren Teile mitgenommen. Die Eingeweide wurden zurückgelassen. Vielleicht kommt man auf die Spuren des Täters, wenn derjenige, dem in diesen Tagen erschleichtes Schweinefleisch zum Kauf angeboten wird, den Mut hat, Anzeige zu erstatten, damit die Herkunft des Fleisches ermittelt wird. - Im allgemeinen sei noch bemerkt, daß in letzter Zeit viel lichtscheues Gesindel umherschleicht und Diebstähle aller Art vollführt. Dringende Vorsicht und feste Verschlusse aller Räume ist notwendig.
Mordanschlag. Vor etwa drei Wochen wurde ein Anschlag gegen daß Leben des Gutsvogts Le. In Tieliß verübt. Der Täter gab abends durch ein Loch in dem schadhaften Fensterladen einen Gewehrschuß gegen den am Tisch sitzenden Vogt ab, der glücklicherweise nicht traf. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft fand aufgrund der Voruntersuchung eine verantwortliche Vernehmung vor dem Sorauer Amtsgericht statt. Sie endete mit der Verhaftung des Gastwirts Ba. aus Tieliß, nachdem die Verdachtsmomente der Täterschaft oder Anstiftung diese geboten erschienen ließen.
Ein tragischer Vorgang spielte sich in der Brauerei in Schlössel-Beilau ab. Dort sandte die Brauereibesitzerin Möse ihren einzigen Sohn Heinz in eine Nebenstube, um Geld zu wechseln. Da geriet ihm ein scharfgeladener Revolver in die Hand, dem die Mutter zum Schutz gegen Einbrecher in einem Schuhe verwahrte. Die Waffe entlud sich und die Kugel durchschlug dem Knaben den Kopf. Er verstarb bald nach seiner Ueberführung in das Krankenhaus.
Neujahrsaufführung. Die Damen-Abteilung der Turnerschaft Guben E.V. tritt wiederum mit einer größeren Aufführung an die Öffentlichkeit. Das inhaltreiche Programm ist bereits in der Donnerstagnummer der „Gubener Zeitung“ veröffentlicht worden. Es ist darin jeder Geschmacksrichtung Rechnung getragen, so daß jeder Besucher des Abends voll befriedigt sein wird.