die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Auch ein Verlangen: Die Brüxer Polizeileute ersuchten jüngst die Direction der Teplitzer Bahn um Freikarten zur Fahrt nach Teplitz, um dort am Leichenbegängniß eines Kameraden theilzunehmen. Sie erhielten abschlägigen Bescheid mit der verblüffenden Begründung, daß "derlei Fälle" acht Tage vorher angemeldet werden müssen.
In der evangelischen Stadt- und Hauptkirchengemeinde zählte man im Jahre 1901 (in Klammern sind immer die Zahlen des Vorjahres beigefügt): getraute Paare 265 (276), getaufte Knaben 452 (485), Mädchen 417 (4555), zusammen 637 (542), Communicanten in der Kirche 5604 (5892), im Hause 434 (337), kirchliche Beerdigungen 400 (480).

In der Stadt- und Hauptkirche zählte man im Jahre 1905: 278 Trauungen (1904: 296), 836 (853) Getaufte, davon 426 (446) Knaben und 410 (409) Mädchen, 709 (643) Konfirmierte, davon 339 (337) Knaben und 370 (306) Mädchen, 17 (8) Knaben und 6 (3) Mädchen waren taubstumm. Kommunikanten waren 6478 (6083) zu verzeichnen, kirchliche Beerdigungen fanden 463 (471) statt.
Eine Neujahrsüberraschung brachte die erste Berliner Konzert- und Operettengesellschaft mit ihrem gestrigen Gastspiel im unangenehm kalten Saale des Schützenhauses beim leider zahlreich erschienenen Publikum. Die ganze Aufmachung der Veranstaltung war derart primitiv, dass man es eigentlich unterlassen sollte, davon Notiz zu nehmen. Weil das Publikum aber sichtlich entrüstet war über diese Verulkung, ist es nötig zu betonen, dass hier auf weitere Vorstellungen dieser Gesellschaft gern verzichtet wird. Weder in den Ankündigungen, noch an der Kasse gab es ein Programm, sodaß niemand wusste, was überhaupt aufgetischt wurde. Mit einer geradezu ohrenbeleidigenden Musik, durch Klavier und Geige ausgeführt – der Geiger hatte sehr wenig Ahnung vom Geigenspiel - wurde die Vorstellung eröffnet, woran sich dann ein geschmackloses, stümperhaftes sogenanntes Gesamtspiel anschloß. Trotz der mangelhaften Begleitung wurde auch der sogenannte musikalische Teil eröffnet, aber bald wieder mit der Bemerkung geschlossen, daß der eigentliche Kapellmeister plötzlich in Cottbus erkrankt wäre und sie somit in der größten Verlegenheit wären. Nunmehr folgten noch einige schlecht vorgetragene, sehr veraltete Couplets und Einakter; das Publikum mochte aber nichts mehr sehen und hören, sondern entfernte sich während der Vorstellung. Zum Schluß gab es eine Entschuldigung und die Mitteilung, dass das Programm heute abend noch einmal „korrekt“ aufgeführt werden sollte und die Billets ihre Gültigkeit behalten.
Witterungsbericht für 1906. Das verflossenen Jahr war im allgemeinen ein normales, es hatte 167 volle Tage mit Sonnenschein und 154 Tage mit Niederschlägen, wovon 35 ganze Regentage waren; September und Dezember hatten vom letzteren allein je 7, der Dezember auch an 10 Tagen Schnee. Der Januar hatte Niederschläge an 19, der September an 18, der Mai an 16 und der Juni an 15 Tagen, in den letztgenannten 3 Monaten waren sie am stärksten, April und Oktober hatten je nur 5 Tage mit Niederschlägen. Der April hatte 21, Juli 19 und Oktober 18 volle sonnige Tage, September nur 10. Januar nur 6. Sommertage mit 25 und mehr Grad Wärme waren 59, der wärmste Tag war der 1. August mit 34 Gr. Celsius im Schatten (mittags). Juli hatte 18, Mai und Juni je 12, August 11 Sommertage. Kältetage mit Temperaturen unter 0 während des ganzen Tages gab es nur 25, davon entfielen auf den Januar 8, auf den Dezember 17. Die niedrigste Temperatur mit 161/4 Gr. Celsius wies der 23. Dezember auf. Der ganze Winter 1905/06 hatte nur 14 Kältetage. 1899 hatte der Dezember ebenfalls 17, 1902 aber 16 Kältetage mit 17 – 18 Gr. Kälte. Die Anzahl der Sommertage im 10jährigen Durchschnitt wurde nur 1901 um 3 gegen das letzte Jahr überschritten; das Mittel beträgt etwa 45, bei den Kältetagen 25 – 30. Die größte Kälte seit 10 Jahren fiel auf den Februar 1901 mit 211/4 Gr. Celsius, die größte Hitze auf den Juli 1904 mit 36 Gr. Celsius. Gewitter waren im vorigen Jahre 20, Ferngewitter 16, die meisten fielen in den Mai mit 7 resp. 5. Die vorherrschende Windrichtung war in allen Monaten die westliche.
In der Stadt- und Hauptkirche wurden im Kalenderjahr 1907 gezählt: 292 getraute Paare (284), getauft wurden: 411 Knaben (447), Mädchen 470 (400), konfirmiert wurden: 327 Knaben (328) und 374 Mädchen (326); 8 Knaben und 13 Mädchen waren taubstumm. Kommunikanten waren 6066 (5937), davon 5728 (5637) Kirchen- und 338 (300) Hauskommunikanten. Kirchliche Beerdigungen fanden 443 (409) statt. – Die Ziffern in Klammern geben die entsprechenden Zahlen des Jahres 1906 an.
Witterungsbericht für 1907. Das verflossene Jahr zeichnete sich durch besonders kühlen Sommer und viele Kältetage aus. Sonnige Tage waren 168, Tage mit Niederschlagen 137, davon 26 ganze Regentage. Sommertage mit 25 Grad C. und darüber waren nur 29, während die Anzahl der Tage mit Temperaturen unter dem Gefierpunkte (auch während des Tages) 35 betrug. Gewitter gab es 20 und 8 Ferngewitter. Die Sommertage blieben gegen den mittleren Durchschnitt der letzten Jahrzehnte mit etwa 14 – 15 ganz erheblich zurück, während die Kältetage ihn überstiegen. (Das Jahr 1901 war am günstigsten mit 203 Sonnen- und 61 Sommertagen.) Die höchste Temperatur hatten der 12. Mai und der 29. Juni mit je 31 Gr. C., die niedrigste der 29. Januar mit 21 Gr. Unter Null. Januar hatte ebenso wie Februar und Dezember 10, November 5 Kältetage, Mai, juni je 8, August 7 und juli 7 Sommertage, während der Juli 1901 deren 28 aufwies. Schnee fiel im Januar und februar je achtmal, im März sech- im November drei- und im Dezember zweimal, Graupeln in den ersten 4 Monaten je einmal, Hagel in geringem Maße am 21. Juli. Niederschläge fielen im Januar a 15, Februar 12, März 12, April 11, Mai 13, Juni 12, Juli 17, August 11, September 7, Oktober 5, November 6 und im Dezember an 16 Tagen. Der Juli hatte die stärksten Niederschläge und an einzelnen Regentagen nur bis 12 Gr. C. Wärme. Die vorherrschnde Windrichtung war W., während Ostwinde nur im April und in den drei letzten Monaten des jahres zu einiger Geltung gelangten.
In der Stadt- und Hauptkirche zählte man im Kalenderjahre 1908: 276 getraute Paare (1907; 292); 881 (881) Getaufte und zwar 430 Knaben, 451 Mädchen. (411 Knaben, 470 Mädchen), 721 (701) Konfirmierte, und zwar 376 Knaben, 345 Mädchen (327 Knaben, 374 Mädchen; 6016 Kirchen- und 290 Hauskommunikanten (5728 und 338); 428 kirchliche Beerdigungen (443).
In der Stadt- und Hauptkirche wurden im Jahre 1910 getraut 238 Paare (gegen 270 im Vorjahre), getauft 390 (350) Knaben und 349 (379) Mädchen, konfirmiert 347 (262) Knaben und 339 (287) Mädchen, kirchlich beerdigt 408 (438) Personen. Kommunikanten wurden insgesamt 5915 (5176) gezählt.
Januar. Der erste Monat des Jahres, der Januar, bildet die große Eröffnung eines neuen Stück Lebens und Vergehens. Dem alten Römergott Janus verdankt er seinen Namen, dessen zusammengewachsenes Doppelantlitz einen tiefen Sinn hatte: Es schaute nach vorwärts und nach rückwärts und deutete so auf die beiden Mächte, die an der Zeit und an allem Dasein und Schaffen hängen und zerren. Die alten Römer haben diesen Janus als eine Art Natur- und Wettergott gepriesen, der alle Wandlungen zur rechten Zeit herbeiführe. Der Januar ist der eigentliche Wintermonat, darum muß er auch Schnee und Kälte bringen, wenn er dem Landmann gefallen soll, wie es in den alten Bauernregeln heißt „Ist der Januar kalt und klar, gibt´s gewiß ein gutes Jahr“ oder
„Reichlich Schnee im Januar, macht Dung für´s ganze Jahr“. Dagegen „Im Januar viel Regen, wenig Schnee, tut Saaten, Wiesen und Bäumen weh“….

Meldepflicht der gewerblichen Verbraucher von Kohle, Koks und Briketts, die einen monatlichen Verbrauch von über 200 Zentner haben. Nach der Bekanntmachung der Ortskohlestelle im heutigen Anzeigenteil haben die genannten Gewerbetreibenden in der Zeit vom 1. bis 5. Jan. 1919 erneut Meldungen über ihren Kohlenverbrauch und -Bedarf zu erstatten. Da die an die amtlichen Verteilungsstellen einzureichenden Meldekarten häufig an andere Amtsstellen gesandt werden, was zu Irrtümern Veranlassung gibt, wird darauf hingewiesen, daß in § 6 der den Meldekarten beigegebenen Vorschriften die amtlichen Verteilungsstellen, an welche die Meldungen erstattet werden müssen, genau bezeichnet sind.

Ungültigkeit des Papiernotgeldes der Stadt Guben. Wie wir hören, ist immer noch Notgeld in Form der 10 Markscheine im Umlauf, obwohl die Einlösungsfrist schon längst verstrichen ist. Die Stadthauptkasse hier nimmt nur noch bis Ende Januar 1920 solche Notgeldscheine an. Nach diesem Zeitpunkte soll eine Einlösung aber nicht mehr stattfinden. Inhabern dieser 10 Markscheine sei deshalb geraten, den Umtausch des Notgeldes recht bald zu bewirken, um sich vor Verlust zu schützen.
Kleinfeuer. Gestern abend gegen 10:30 Uhr wurde die Feuerwehr zu einem Zimmerbrand nach der Klosterstr. 1 gerufen. Der Brand war durch Kurzschluß entstanden und konnte schnell gelöscht werden.
Diebische Freundin. Einer in der Dammvorstadt wohnenden Familie wurde vor dem Weihnachtsfest aus der Wohnung ein Sparkassenbuch, in dem noch 10000 M. bares Geld lagen, gestohlen. Als Diebin wurde jetzt eine Freundin der bestohlenen Familie ermittelt. Die Täterin hatte außerdem noch 1000 Mark von der Sparkasse abgehoben und das Geld für Weihnachtsgeschenke verausgabt.
Stadttheater.
Am Dienstag wird nochmals die erfolgreiche Operette „Mascottchen“ aufgeführt. Als nächste Neuheit wird die Operette „Schwalbenhochzeit“ von Fessel (Komponist von „Schwarzwaldmädel“) einstudiert. Das Theater des Westens hat hierfür die Original-Schwalbenkostüme der Berliner Aufführung dem Theater geliehen. In der nächsten Woche wird Frl. Warstein vom Staatstheater in Berlin ein einmaliges Gastspiel in „Rosenmontag“ geben.
Ueber zurückgehaltenen Zucker und bevorstehende Preissteigerung des Zuckers schwirren in der Stadt verschiedene Gerüchte umher. Man tut gut, diesen Gerüchten keinen Glauben, beizumessen, denn bisher war es noch niemals möglich, irgend welche Anhaltspunkte zu ermitteln, wenn man den Dingen nachgegangen ist. Jeder Geschäftsmann weiß, daß er sich einer strafbaren Uebertretung der Verordnungen schuldig macht, wenn er Waren zwecks Erzielung eines höheren Preises zurückhält.