die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Die größte Geschwindigkeit, mit der jemals ein menschliches Wesen befördert worden ist, hat am Sonnabend die Studiengesellschaft für elektrische Schnellbahnen auf der Versuchsstrecke zwischen Marienfelde und Zossen erreicht. Der neuverlegte stärkere Oberbau war am Montag im Auftrage des Streckenkommissars abgenommen worden. Am Dienstag wurden dann die Versuchsfahrten aufgenommen. Hierbei beschränkte man sich auf Geschwindigkeiten bis zu 140 Kilometer in der Stunde. Am Mittwoch wurden dann die Versuchsfahrten fortgesetzt und bis zu einer Schnelligkeit von 163 Kilometer gesteigert. Es war damit bereits die höchste Leistung der Studiengesellschaft übertroffen. Sie hatte bekanntlich vor 2 Jahren die Geschwindigkeit von 160 Kilometer erreicht. Donnerstag und Freitag wurden zu Vorbereitungen benützt und Sonnabend weiter gefahren. Hierbei wurde eine Geschwindigkeit von 165 bis 167 Kilometer in der Stunde erreicht, einer Leistung, die weder der Studiengesellschaft noch sonst jemandem auf der Erde gelungen ist.
Die Bemühungen um die Schiffbarmachung der Neiße von dem Gubener Umschlaghafen bis zur Mündung scheinen doch noch von Erfolg gekrönt werden zu sollen, denn der Plan, eine regelmäßige Schifffahrtsverbindung zwischen Hamburg, Danzig, Stettin, Breslau bis nach Oberschlesien zu schaffen, nimmt neuerdings, wie die Korrespondenz „Heer und Politik“ mitteilt, festere Formen an. Der Anstoß zu diesem großzügigen Unternehmen geht von der Handelskammer für die östliche Niederlausitz, die in einer Denkschrift den Plan befürwortet hat, diese großartige Schifffahrtsverbindung durch die Schiffbarmachung der Lausitzer Neiße zu schaffen und dadurch den Schiffverkehr bis nach Schlesien in großer Form auszudehnen. Der Plan ist für alle beteiligten Städte und Provinzen von großer Tragweite. Er soll dadurch verwirklicht werden, daß eine Kanalisation der Neiße durchgeführt wird. Ferner sollen mehrere Schleusen, die zur Durchführung des Planes notwendig sind, ausgeführt werden. Es schweben augenblicklich Verhandlungen mit den amtlichen Stellen, die noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Die Kosten der Ausführung dieses Planes betragen ungefähr 2 Mill. Mark nach dem bisherigen Voranschlage und werden in der Hauptsache von den beteiligten Kreisen getragen werden. Ob eine Beihilfe der Regierung in Aussicht genommen ist, steht noch nicht fest, da eine endgültige Stellungnahme der Regierung diesem Plane gegenüber bisher noch nicht stattgefunden hat. In Anbetracht der großen wirtschaftlichen Vorteile, welche die Durchführung dieses Planes im Gefolge hätte, darf man aber einen günstigen Ausgang der Angelegenheit erwarten.
Unterbringung von Waisen bei ostdeutschen Ansiedlerfamilien. Tausende von Kindern hat der Krieg zu Waisen und Halbwaisen gemacht. Wenn auch viele von ihnen bei Verwandten oder Bekannten liebevolle Aufnahme finden werden, so gibt es leider auch zahlreiche Fälle, in denen solche Personen nicht vorhanden sind, in denen die Kinder in Waisenhäusern oder ähnlichen Anstalten untergebracht werden müßten. Es bedarf keiner näheren Darlegung, daß eine solche Unterbringung nur ein Notbehelf ist, daß sie einen Ersatz für das, fehlende Familienleben nicht zu bieten vermag. Weiter gibt es auch zahlreiche Fälle, in denen zwar die Mutter noch lebt, aber doch nicht imstande ist, die vaterlosen Kinder gleichmäßig zu versorgen und zu erziehen. Da hat sich nun die königliche Ansiedlungskommission der außerordentlich dankenswerten Aufgabe unterzogen, diesen armen Waisen und Halbwaisen durch Vermittlung der Aufnahme in Ansiedlerfamilien in Westpreußen und Posen ein neues Heim, einen Ersatz für das fehlende Elternhaus zu schaffen. Selbstverständlich wird bei der Auswahl dieser Familien mit der größten Sorgfalt verfahren, so daß Vormünder und sonstige sorgeverpflichteten Personen ruhigen Gewissens ihre Mündel diesen Familien anvertrauen können. Auf die Wünsche der Verwandten und Vormünder wird bei der Auswahl der Familien, bei denen die Kinder untergebracht werden sollen, jede mögliche Rücksicht genommen. In der Familie der Pflegeeltern muß der Beruf, dem das Kind zugeführt werden soll ausgeübt werden. Es sind brave Familien aus dem östlichen Deutschland, die sich zur Aufnahme der Kinder bereit erklärt haben, ihr Ruf und ihre wirtschaftlichen und sonstigen Verhältnissen bieten Bürgschaft dafür, daß sie die Kinder wie ihre eigenen Kinder großziehen und das Ihrige dazu tun werden, daß den Kindern eine möglichst sichere, sorgenfreie Zukunft gewährleistet wird. Dafür, daß die Kleinen nicht überanstrengt werden, daß sie sich vor allem frisch und gesund entwickeln und außer der Schule etwas lernen und gottesfürchtig bleiben, wird durch sorgsame Auswahl der Pflegeeltern und durch dauernde Überwachung der Kinder streng gesorgt werden. Es ist also ein äußerst wichtiges Unternehmen, dessen Ausführung die Ansiedlungskommission übernommen hat. Anträge auf Vermittlung der Aufnahme von Waisen in solcher Ansiedlung werden in der hiesigen Zentralstelle vom Roten Kreuz, Stadtschule am Buttermarkt, entgegen genommen. Daselbst werden auch bereitwilligst nähere Auskünfte über das Unternehmen erteilt.
Eine Flaschenpost in der Neiße. Einige im Isergebirge zur Erholung weilende „Feldgraue“ gedachten in Dankbarkeit ihrer Vaterstadt Guben und wollten ihr viele Grüße senden. Die Grüße wurden auf Pergamentpapier geschrieben, dieses in einer Flasche versiegelt und dann unserem heimatlichen Fluß – der Neiße - anvertraut. Die Flaschenpost kam glücklich bis nach Gr.- Gastrose, wo sie durch Obermüller Bils aufgefischt und heute durch einen Freund der „Gubener Zeitung“ übersandt wurde. Den Feldgrauen, dem Finder und dem Uebersender freundlichen Dank! Die Grüße seien hiermit der Bürgerschaft übermittelt.

Ueber Robert Johannes (Schn) – Abend heute, Montag, im Schützenhause schreibt „Berl. Tageblatt“: Der Vortragende verstand es, die Zuhörer mit dem köstlichen ortpreußischen Humor voll und ganz für sich zu gewinnen und es wird wohl niemand unter ihnen sein, der nicht aus vollsten Herzen gelacht hat.- Der Besuch ist zu empfehlen.
Künstliche Verjüngung. Es sei nochmals auf den morgen, Donnerstag abend auf „Sanssouci“ stattfinden Vortrag der Frau Dr. Wutke über Prof. Eugen Steinachs Methode der Künstlichen Verjüngung aufmerksam gemacht. Nach auswärtigen Pressestimmen weist Frau Dr. Wutke in fesselndem Vortrage, in sachlicher und formvollendeter Darstellung die Richtigkeit Steinachs wissenschaftlicher Forschungsergebnisse nach. Sämtliche Verjüngungsmethoden in Dichtung und Wahrheit aus der Urzeit bis heute, Hexenglauben, Märchenträume und ernste Forschung wechseln in lebenswahrer Darstellung mit reizvollen Bildern aus vergangenen Zeitepochen ab. Er war, schreibt eine Berliner Zeitung, ein seltener Genuß, dieser sympatischen Vortragskünstlerin auf den Wegen vom urältesten Traum von der künstlichen Verjüngung des Menschen bis zu seiner nun durch Steinach gefundenen Erfüllung zu folgen.

Bentschen, 22.Sept. (Wegen Spionage verhaftet.) Hier ist kürzlich das Haus des Schneidemühlenbesitzers Seelig umstellt und dessen kurz zuvor zum Besuch heimgekehrter Sohn, Ingenieur Seelig, wegen angeblicher Spionage verhaftet worden.