die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Wir befinden uns thatsächlich bereits im Winter, während nach dem Kalender vor wenigen Tagen erst der Herbst begonnen hat. Aus Königsberg i. Pr. berichtet die Königsberger Allgemeine Zeitung: In der Nacht zu Freitag sank die Temperatur auf -5,7 Grad Celsius. Das Obst und Gemüse hat durch den Frost sehr gelitten, ebenso ist der angerichtete Schaden auf den in der Umgegend liegenden Ziegeleien ein bedeutender, da nach ungefährer Schätzung ca. 8 Millionen Ziegel erfroren sind. - Vom Unterharz wird unter dem 2. des Monats gemeldet: Es schneit seit vergangener Nacht ununterbrochen, so daß die Dächer und Bäume weiß bedeckt sind. Der Wind weht empfindlich kalt aus Ost. - Gestern Vormittag herrschten, nach einer Meldung aus Stuttgart, starke Schneefälle auf der Schwäbischen Alb und den benachbarten Höhen.

Die aufgezehrte Ausstellung:
Bei einer Kochkunstausstellung in Warschau war die Neuerung getroffen worden, daß die Besucher der Ausstellung frei von den ausgestellten Speisen kosten dürften. Das hatte aber einen ungeahnten Erfolg; denn nachdem 750 Besucher der Ausstellung von ihrem Recht Gebrauch gemacht hatten, waren sämmtliche genießbaren Ausstellungsgegenstände verzehrt. Und so kam es, daß gleich am Eröffnungstage von der ganzen Ausstellung nur die leeren Schüsseln übrig blieben. Ein Erfolg, mit dem die Veranstalter nicht gerechnet hatten, der aber sowohl von dem Appetit der Besucher wie auch von der Vortrefflichkeit der ausgestellten Speisen beredtes Zeugniß ablegt.
Die Rechenkünstler: Folgenden Brief erhielt kürzlich ein Lehrer an einer amerikanischen Schule von den Eltern eines seiner Schüler:" Wollen Sie künftig meinem Sohn bitte leichtere Hausaufgaben geben: Dieser Tage hatten sie ihm folgende Aufgabe aufgegeben: Wenn vier Gallonen Bier zweiunddreißig Flaschen füllen, wie viel Flaschen werden dann durch neun Gallonen gefüllt? - Wir haben den ganzen Abend versucht, das herauszufinden; es war aber unmöglich. Mein Sohn weinte und sagte, er wolle am nächsten Tage nicht in die Schule gehen. Ich mußte also neun Gallonen Bier kaufen, was mir sehr schwer gefallen ist, und dann haben wir uns viele Flaschen geliehen. Wir haben sie gefüllt und mein Sohn hat die Zahl als Antwort aufgeschrieben. Ich weiß nicht, ob sie richtig ist, da wir beim Umgießen etwas Bier verschüttet haben. P.S. Bitte das nächste Mal mit Wasser rechnen lassen, da ich nicht mehr Bier kaufen kann.
Ein hübsches Deutsch verzapft das vom kaiserl. Patentamt herausgegebene "Blatt für Patent-, Muster-und Zeichenwesen". Es bezeichnet nämlich als Gegenstand einer reichsgerichtlichen Entscheidung: "Berücksichtigung von in der auf Nichtneuheit gestützten Nichtneuigkeitsklage nicht vorgebrachten neuheitshindernden Thatsachen von Amtswegen." Leider ist es ja bekannte Thatsache, daß die großen Sünden an der deutschen Sprache von Behörden verübt werden.
Das "Mechanische Theater", das seit einigen Tagen auf dem Lubstplatz Vorstellungen gibt, biete viel Unterhaltung. Man ist erstaunt über den komplizierten Mechanismus der Figuren. Interessant sind die Reisen über Land und Meer, in denen man die verschiedensten Gegenden und Städte kennen lernen kann, Löwen- und Eisbärenjagden, einen Schiffsuntergang, Schlachtszenen, auch Seekämpfe usw. sieht. Verblüffend wirken die Produktionen der Seil-tänzer-Automaten und der Zaubergarten entzückt die Beschauer.

Umbau des Bahnhofs. Der hiesige Bahnhof genügt in seiner jetzigen Gestalt schon lange nicht mehr den stetig wachsenden Anforderungen des Verkehrs. Die Bahnverwaltung hat sich deshalb zu einem umfangreichen Umbau entschlossen, der namentlich auf der Breslau-Berliner Strecke wesentliche Verbesserungen bringt und dem Publikum eine größere Sicherheit als jetzt gewährleistet, indem es dann nicht mehr über das erste Geleise zu dem auf dem zweiten Geleise stehenden Zuge zu gehen braucht. Die beiden ersten Geleise werden nebeneinander gelegt und dann in einiger Entfernung noch ein drittes, neues Personenzuggeleise gelegt. Zwischen diesen Geleisen wird ein großer, überdeckter Bahnsteig angelegt von 220 Meter Länge und 9 Meter Breite. Der Zugang zu diesem Bahnsteig erfolgt durch einen Tunnel, der sich voraussichtlich an den Tunnel nach der Stadt direkt anschließt. Um Raum für den Bahnsteig zu schaffen, müssen große Geleisumlegungen erfolgen, der dem Bahnhof gegenüberliegende Schuppen fällt weg. Auf der anderen Seite des Bahnhofes sind die Veränderungen nicht so weitgehend. Hier wird u. a. ein neues Freiladegeleis für den Güterverkehr angelegt. Der Güterverkehr von und nach der Stadt erfährt dadurch eine wesentliche Verbesserung. Auf der Strecke nach Cottbus wird ebenfalls ein Stellwerk, eine Zentralweichenstelle angelegt. – Mit dem Bau ist bereits begonnen worden. Er dürfte etwa im Laufe eines Jahres vollendet sein. Die gesamten Kosten dürften mit 400 000 Mark eher zu niedrig als zu hoch geschätzt sein.
Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß in der Stadt- und Hauptkirche mit dem Sonntag zu feiernden Ernte-, Lob- und Dankfest die Winterordnung beginnt: morgens 10 Uhr Hauptgottesdienst, abends 6 Uhr Predigt, während der Frühgottesdienst wegfällt. Die Begräbniszeit ist nachmittags 3 Uhr.

Im Monat September sind im hiesigen Schlachthofe geschlachtet und untersucht worden: 26 Bullen, 10 Ochsen, 95 Kühe, 90 Jungrinder, zusammen 221 Rinder (im Vorjahre 236), 457 Kälber (632), 1405 Schweine (1557), 126 Schafe (94), 39 Ziegen (13), - Zickel (5), 6 Pferde (6), 4 Hunde (7), insgesamt 2357 Schlachttiere (2550)…
Einführung des Predigers der Brüdergemeinde. Gestern abend fand in dem freundlichen, festlich geschmückten Betsaal der Brüdergemeinde alte Poststr. 59, der seit kurzem mit elektrischer Beleuchtung versehen worden ist, die Einführung und Begrüßung des neuen Predigers P. Bettermann statt. Fast alle Mitglieder und einige Freunde hatten sich dazu eingefunden. Am Sonntag vormittag hält der Genannte seine Antrittspredigt. Die Gottesdienste sind öffentlich, also für jedermann zugänglich. Die Brüdergemeinde ist schon länger als 1 1/2 Jahrhundert in Guben vertreten. Wenn ihre Mitgliederzahl klein bleibt, so ist das darauf zurückzuführen, daß sie grundsätzlich nie Propaganda betrieben hat, sondern immer nur als eine alte, freie, selbständige kleine Kirche neben den Landeskirchen, Sekten und Gemeinschaften und Hand in Hand mit ihnen der Reichsgottesarbeit dienen will, wo sich immer Gelegenheit dazu bietet.

Starzeddel, 4.Okt. (Frecher Diebstahl.) Von großer Frechheit zeugt folgender Diebstahl. Bei einem hiesigen Landwirt erschien ein junger Mensch und bat um Zehrung und Arbeit. Beides wurde ihm bewilligt. Am 2.Tage doch schon wurde er der Arbeit überdrüssig. Unter einem nichtigen Vorwande entfernte sich der Landstreicher von seinen Wirt auf dem Felde. Da er nach längerer Zeit nicht wiederkehrte, schöpfte dieser Verdacht und fuhr nach Hause. Dort hatte der Dieb schnell sich sein Stellegeld geholt. Doch war er noch anständig gewesen: von einer größeren Summe hat er nur 150 Mark mitgehen lassen.
Warnung!
In der letzten Zeit sind an amtlichen Stellen Mitteilungen gelangt, wonach junge Leute unter der Vorspiegelung, es solle ihnen im französischen Wiederaufbaugebiete lohnende Arbeit verschafft werden, in die Fremdenlegion verschleppt worden sind. Es kann nicht dringlich genug davor gewarnt werden, solchen Einflüsterungen Gehör zu schenken. In der Frage der unmittelbaren Beteiligung deutscher Arbeiter am Wiederaufbau der zerstörten Gebiete hat sich die französische Regierung bisher bekanntlich ablehnend verhalten. Es ist daher auch bis jetzt der Einrichtung amtlicher Arbeitsnachweise für diesen Wiederaufbau nicht nähergetreten worden. Sollten deutsche Arbeiter wirklich schon jetzt in das Wiederaufbaugebiet ausgewandert sein und dort Beschäftigung gefunden haben, so kann es sich nur um Einzelfälle handeln.
