die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Jagdglück: In unserer Stadtforst wurden bei der letzten abgehaltenen Hochwildjagd auch 2 Sauen, darunter ein Hauptschwein (ein 6 bis 7jähriger Keiler von über 2 Centnern Gewicht) erlegt. Der Kopf dieses alten Bassen, der das respektable Gewicht von 30 Pfund hat, befindet sich zur Präparierung bei Herrn Menzel hierselbst, ebenfalls die Schwarte oder Decke, die einen halben Centner wiegt. Dieselbe ist so stark und hart, daß ein anderer Keiler, ein Rivale, bei der Ausfechtung eines Ehrenhandels ein Stück seiner Hauer oder Stoßzähne in der geharnischten Panzerung (auch Schild genannt) abbrach, das in derselben stecken blieb. Der glückliche Schütze dieses capitalen Borstenthieres war der Jagdherr selbst, das Thier wurde mit einer einzigen, aber sehr sicheren Kugel gestreckt.
Am 24. Februar vorigen Jahres fand die Betriebseröffnung unserer elektrischen Straßenbahn statt. Es wird gewiß jeder zustimmen, daß die Straßenbahn den an sie gestellten Forderungen und Ansprüchen gerecht geworden ist. Die freundlich aussehenden und sauber gehaltenen Wagen geben den Bewohnern unserer Stadt eine angenehme Verbindung mit dem Bahnhofe und die allseitig anerkannte Pünktlichkeit der Straßenbahn sichert ihr die Sympathie des Pub-likums. Wer entsinnt sich nicht noch der "Straßenbahnlosen, der schrecklichen Zeit", wo man manchmal kaum für Geld und gute Worte seine Koffer oder sonstige Gepäckstücke zum Bahnhof bekam. Das ist jetzt durch unsere Straßenbahn bedeutend bequemer und einfacher geworden. Die Benutzung der Bahn ist eine verhältnismäßig bessere, als ursprünglich ange-nommen, doch sind die Einnahmen nach den Angaben der Betriebsleitung nicht gleichblei-bend, sondern schwankend. Ein besonderer Niedergang machte sich in den Wintermonaten geltend, während die Sommermonate verhältnismäßig befriedigend waren.Die höchste Zahl von Fahrgästen wurde am 9. Mai vorigen Jahres anläßlich des Jahrmarktes erreicht, an dem 4173 Personen befördert wurden. Während der 3 Osterfeiertage wurden ca. 10000 Personen befördert, während der 3 Pfingstfeiertage 9000, dagegen während der 3 Weihnachtsfeiertage nur 6200 . Unsere Straßenbahn hat eine Länge von 2,5 Kilometern, ohne die Ausweichen, die Wagen haben bis jetzt zusammen 192000 Kilometer zurückgelegt. Die von allen Gubenern gewünschte Verlängerung ist in Erwägung gezogen worden, so daß man hoffen kann, daß dieser Angelegenheit bald näher getreten wird.

Ein Strafantrag wegen Tierquälerei ist in Forst gegen einen Forster und einen G u b e n e r Fleischermeister gestellt worden. Der eine hat, wie das Forst. Tagebl. mitteilt, sein Fleischergespann von abends 6 bis nachts ¼ 12 Uhr, der andere ein Hundegespann von morgens 8 bis nachmittags 3 Uhr ununterbrochen in Wind und Wetter auf der Straße vor Wirtshäusern stehen lassen, ohne die Zugtiere auch nur m geringsten mit Decken oder anderweitig vor den Witterunbilden zu schützen.
Stadtverordneten-Versammlung Bezüglich der Annahme einer Schenkung beantragt der Magistrat, die Zuwendung des Herrn Fabrikbesitzer Max Wilke von hier, der das Haus Bahnhofstraße 35 mit dem dazugehörenden Garten und einer Summe von zehntausend Mark für die bauliche Herrichtung des Gebäudes der Stadtgemeinde zur Verwendung zu milden Zwecken als Geschenk angeboten hat, anzunehmen. Ueber die Verwendung der Schenkung sollen erst nach der landesherrlichen Genehmigung nähere Bestimmungen getroffen werden. Der Referent, Stadtv. Hoemann, bezeichnete die Schenkung als eine hocherfreuliche Betätigung des Bürgersinnes. Man möge deshalb die Schenkung unter dem Ausdruck großen Dankes annehmen.
Finanzlage Trotz großer Aufgaben, die der Stadt harren, können wir in finanzieller Hinsicht außer Sorge sein. Die Stadt verfügt über gute Finanzen und möchte auch heute nochmals des Mannes gedenken, der das Finanzwesen der Stadt in so mustergültiger Weise ausgebaut hat: des verstorbenen Oberbürgermeisters Bollmann. Ihm verdanken wir ein gut ausgebildetes Fondssystem. Die verschiedenen Fonds, über die wir verfügen, setzen uns in die Lage, ohne Erschütterung der städtischen Finanzen auch außerordentliche Aufgaben in die Hand zu nehmen. Im abgelaufenen Verwaltungsjahre haben wir zwei neue Fonds geschaffen (einen Reservefonds für die Stadtforst und einen Fonds für die Elektrizitätsversorgung). Ein dritter Fonds, der Stadtverordneten- Dispositionsfonds, soll in den vorliegenden Etat neu eingestellt werden. Die gesunde Finanzlage der Stadt hat es ermöglicht, daß im abgelaufenen Verwaltungsjahre 87000 M. außergewöhnliche Ausgaben bewilligt werden konnten, darunter 2500 M für die Drucklegung des Bürgerbuches, 8500 M für größere bauliche Ausführungen im Schützenhause, 15000 M für die gärtnerische Ausgestaltung der Schreiberschen Wiese, 4500 M als Patronatsbeitrag zur Beschaffung einer neuen Orgel für die Klosterkirche, 12000 M für Kultur- und Erneuerungsarbeiten in der Stadtforst usw. . Trotzdem verbleibt noch ein erheblicher Ueberschuß.
Allgemeine Erwärmung. Während der letzten acht Tage breitete sich das Tauwetter, das in Norddeutschland schon während der Vorwoche eingetreten war, auch auf Süddeutschland aus, und die Temperaturen erhoben sich zeitweilig schon frühlingshafter Höhe. Die in einem großen Teile des Landes vor acht Tagen noch vorhanden gewesene Schneedecke schwand infolgedessen rasch, und die seither vorgekommenen Niederschläge fielen überall in Gestalt von Regen. Neue Regenfälle bei zunächst mildem Wetter mit nachheriger nässiger Wiederabkühlung stehen bevor; eine baldige Wiederkehr von Frostwetter ist auch nicht wahrscheinlich, und es ist sehr wohl möglich, daß der Winter bereits überwunden ist.
Geldverkehr mit dem Ausland. Aus vielfachen Beschwerden ist zu ersehen, daß in den beteiligten Kreisen noch nicht genügend bekannt geworden ist, daß ohne Genehmigung der Reichsbank deutsche Geldsorten und Banknoten bis auf weiteres nur im Betrage von 50 Mark täglich und bis zum Höchstbetrage von 150 Mark monatlich über die Grenze ins Ausland mitgenommen oder verschickt werden dürfen. Für größere Beträge ist eine besondere Genehmigung der Reichsbank oder der Reichsbanknebenstellen einzuholen. Es empfiehlt sich daher, vor Antritt einer Reise ins Ausland sich rechtzeitig entweder diese Genehmigung oder den nötigen Geldbetrag in ausländischer Währung zu beschaffen.