die Förderung ...
der Heimatpflege zwischen den Heimatgebiet ansässigen und den außerhalb des Heimatgebietes lebenden Landsleuten
„Theodor Fontane“
Guben vor 100 Jahren
Die Gubener Zeitung, von 1871 bis 1944 kann auf Rollfilm in den Räumlichkeiten der Stadtbibliothek Guben eingesehen werden.
Im Online-Archiv der Gubener Zeitung haben wir für Sie einige Beiträge von 1901 bis 1921 zusammengestellt.
Gebrauch aus alter Zeit: In Görlitz wurde dieser Tage der Vater eines von der Strafkammer Verurteilten in eine sofort vollstreckbare Ungebührstrafe von zwei Tagen genommen, weil er - im Zuhörerraume befindlich - nach Schluß der Verhandlung die Auflage als eine Lüge bezeichnet hatte. Beim Lesen dieser Tatsache wurden wir an einen alten Brauch erinnert, über welchen der Professor Dr. Sausse, seinerzeit Prorektor des Gymnasiums zu Guben, im Osterprogramm 1864 wie folgt berichtete: "Der Gubener Bürger und Schiffer Elias Schockvar wurde 1531 wegen wörtlicher Beleidigung gestraft, weil er, in einem Rechtshandel unterlegen, aus Ärger darüber zu unpassender Zeit vor Bauern auf dem Markte, den Stadtrichter, welcher ihn verurteilt hatte, gescholten hatte. Es geschah dies am Montage nach der Sonnabends erfolgten Verurteilung, also "zu unpassender Zeit", weil altem, gubischem Gebrauche gemäß der Verurteilte seinen Ärger über den Richter, der ihn verurteilt hatte, 24 Stunden lang nach der erfolgten Verurteilung, aber nicht eine Minute länger, in Schelten und Schmähen auslassen durfte. Diesen wunderlichen Gebrauch, der - wie ich auf einer Reise vor ungefähr 47 Jahren gehört zu haben ich mich erinnere - auch in südlichen Gauen Deutschlands und in der deutschen Schweiz einst bekannt gewesen sein soll, schaffte die kursächsische Regierung um 1650 ab, indem sie dem Rat der Stadt Guben wider dessen Gutachten und Wissen nötigte, jede gegen einen Richter vom Verurteilten ausgestoßenen Schmähung, gleichviel zu welcher Zeit, als eine Beleidigung des unantastbaren richterlichen Amts zu strafen. Der Rat hielt für besser, daß der Verurteilte 24 Stunden hindurch seinem Ärger offen Luft machte, als längere Zeit in geheimen Verdächtigungen und üblen Nachreden, die wegen Mangels an willigen Zeugen nicht leicht gerügt werden könnten." - Professor Sausse fügte am Schlusse seiner Mitteilung folgende lakonische Bemerkung hinzu: " Solche Freisinnigkeit des Rates wird im Laufe des 18. Jahrhunderts vermißt."
Die Niederlausitzer Tuchfabrikation zu Anfang des Jahrhunderts
Zu diesem, vor einigen Tagen besprochenen Thema wird im Forst. Tagebl. geschrieben: Guben hatte im Jahre 180 bei 5214 Einwohnern 98 Tuchmacher (wovon 55 auf eigenen Rechnung, 18 für Lohn und 25 als Gesellen arbeiteten), 7 Tuchbereiter und 4 Färber. In Spremberg hantierten bei 1800 Einwohnern 84 Tuchmacher, 40 Tuchknappen und 6 Tuchscherer. Die Tuchmacher vertrieben ihre Waren auf den Leipziger und Braunschweiger Messen und auch im Auslande, besonders nach Triest. Von 1794 bis 99 fertigte man über 112300 Stück. Viele der ärmeren Bewohner lebten nur von den Arbeiten für die Tuchmacher. Sorau mit 3454 Einwohnern beschäftigte 80 Tuchmachermeister mit einer ziemlichen Anzahl Gesellen. Jährlich wurden gegen 2600 Stück des Stück am Werte von 20 Talern gefertigt. Von 1794-99 lieferte Sorau über 12100 Stück. Außer den Meistern lieferte die Petrische Manufaktur (eine Art Fabrik), die 100 Menschen beschäftigte jährlich 2 bis 300 feine Tuche. Die meisten Tuche gingen nach Italien, durch die Leipziger Messe durch ganz Deutschland, nach Schweden, Rußland und selbst nach Nordamerika. Den jährlichen Bedarf an Wolle schätzte man auf 4000 Stein (1 Stein = 20 Pfund). Sie wurde größtenteils aus Südpreußen bezogen. Der Wollhandel gehörte deshalb zu den bedeutendsten Erwerbszweigen von Sorau und wurde am stärksten von Kaufmann Uhse betrieben. In Kirchhain fertigten 18 Tuchmacher und 3 Tuchscherer von 1794-99 3500 Stück Tuche. Forst, das später zur größten Tuchfabrikstadt Deutschlands aufblühte, hatte im Jahre 11798: 1393 Einwohner, davon waren 19 Tuchmacher mit 12 Stühlen und 34 Leineweber mit 46 Stühlen. Von der Wollspinnerei für in- und auswärtige Tuchmacher nährten sich besonders viele Frauen.

Zur endgültigern Wahl des Platzes für den Bismarckturm war zu Sonnabend Nachmittag der Gesamtausschuß zu einer Sitzung eingeladen worden, die im Stadtverordneten-Sitzungssaale des Rathauses stattfand. Nach 21/2 stündiger lebhafter Diskussion wurde der Antrag des geschäftsführenden Ausschusses, den Bäroschen Berg für den Turm zu wählen, mit 19 von 34 Stimmen angenommen…
Ein alter Zopf. In Guben herrscht meistens noch der längst veraltete Brauch, die Kartoffeln nach sogenannten Vierteln zu verkaufen; für Obst gilt dies erst recht, sogar Kohlen werden noch von den Klingelwagen vielfach nach Körben, die bis 1 Zentner halten sollen, verkauft. Nun wird ja das Viertel Kartoffeln größtenteils zu 50 Pfund vorher von den Verkäufern abgewogen und gilt als Norm, für Obst gilt dies vielleicht noch allenfalls von Pflaumen, das Viertel Äpfel und Birnen wiegt stets nur 35 bis 40 Pfund; was aber bei dem Verkauf von Kohlen mittelst sogenannten Zentnerkörben herauskommt, zeigte eine Anklage wegen Betrugs gegen einen Holzkutscher. Dieser hatte an einen hiesigen Bürger 5 Zentner Kohlen à 1,80 M. verkauft; beim Nachwiegen stellte sich nun heraus, dass jeder Korb nur 831/2 bis 84 Pfund enthielt. Auf Vorhaltung lieferte freilich der Kutscher das fehlende Quantum nach, aber wie viele wiegen die gekauften Kohlen nach? Sie sind eben auf die Ehrlichkeit des Verkäufers angewiesen. Es wäre sehr wünschenswert, wenn alle Klingelwagen angewiesen würden, das verkaufte Quantum in jedem Falle vorzuwiegen unter Anrechnung des Korbgewichtes; ebenso wäre dies bei Obst notwendig. Es würde dadurch den Verkäufern die billige Ausrede genommen, sie hätten in gutem Glauben gehandelt, es sei das richtige Maß, wodurch sie dann, falls nicht andere Beweise gegen sie vorliegen, ihre Freisprechung erzielen.
Die Einwohnerzahl der Stadt Guben hat auch im Jahre 1912 wieder um 94 zugenommen und betrug am 31. Dezember 39 289 Personen. Im Laufe des Jahres sind 5025 Personen zugezogen und 825 geboren. Weggezogen sind 5179 und gestorben 577 Personen. Die Zunahme der Einwohnerzahl ist jedoch wesentlich geringer wie im Jahre 1911. Am 31. Dezember 1910 betrug die Einwohnerzahl 38 650 Personen und am 31. Dezember 1911 39 195 Personen. Es war im Jahre 1911 der Zuzug mit 5216 Personen und die Geburtenziffer mit 881 größer, sowie der Wegzug mit 4879 Personen geringer. Gestorben sind dagegen im Jahre 1911 mit 673 Sterbefällen mehr Personen als im Jahre 1912. Jedenfalls zeigt die Einwohnerzahl der Stadt Guben im Gegensatz zu mancher anderen Stadt des Regierungsbezirks Frankfurt a. O. alljährlich eine aufsteigende Tendenz.
Beleuchtung der Eisbahn. Wie uns mitgeteilt wird, hat das M. E-W. nach der Eisbahn auf den Schreiberschen Wiesen eine elektrische Leitung legen lassen, damit der Sportplatz nach eingetretener Dunkelheit elektrisch beleuchtet und allen, die tagsüber durch ihren Beruf festgehalten werden, Gelegenheit geboten werden kann, noch abends den gesunden Sport des Eislaufes auszuüben. Die Benutzung der Eisbahn wird dadurch bis 10 Uhr abends ausgedehnt.
Einschränkung des Kuchengenusses an Sonntagen. Der Regierungspräsident macht in einer Sonderausgabe zum Amtsblatt bekannt, daß die Bestimmungen bezügl. der Sonntagsruhe im Konditorei- und Bäckerei-Gewerbe auf alle Backwaren ausgedehnt werden, die mit Hefe, Sauerteig oder Backpulver hergestellt werden. Das kuchenessende Publikum wird daher vom nächsten Sonntag ab für die Dauer des Kriegszustandes auf den Genuß von frischen Pfannkuchen, Streuselkuchen, Bienenstich, Mandelkuchen, Gußkuchen, sogen. gezogener Ware, usw. verzichten müssen. Es wird aber diese, im Interesse des sparsamen Mehlverbrauches liegende und damit durch sichere Abwehrung von Hungersnot die Wehrhaftigkeit des Vaterlandes stärkende Bestimmung, als dem Ernste der Zeit angemessen, freudig begrüßen.

